Start-up Silenccio: Gegen Hasskommentare versichern

Start-up Silenccio: Gegen Hasskommentare versichern

(Quelle: Silenccio)
6. Juni 2020 - Die eigene Tochter wird im digitalen Raum gemobbt oder Cyber-Kriminelle hacken den privaten Mail Account – Horrorszenarien, die vermieden werden wollen. Das Start-up Silenccio entwickelt Services zum Schutz vor Online-Kriminalität.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/06
Sicher im Internet? Sicher?!?» wird man auf der Website von Silenccio als erstes gefragt. «Onlineshop-Betrug, Mobbing, Phishing und Hacking sind reale Bedrohungen», heisst es weiter. Die rhetorische Natur der einleitenden Frage ist unüberhörbar und bekannterweise auch nicht unberechtigt – im Prinzip ist jeder von uns ein potenzielles Opfer dieser digitalen Gefahren.

«Silenccio ist das erste Produkt auf dem Schweizer Markt, welches für Privatpersonen umfassende Präventions- und Interventions-Services anbietet. Wir bieten dauerhafte Sicherheit durch kontinuierliches Monitoring. Der User wird in Echtzeit durch Push-Benachrichtigungen auf Sicherheitslücken aufmerksam gemacht. Sollte es einmal zu Problemen kommen, intervenieren wir in seinem Namen, der Kunde muss sich damit um nichts selbst kümmern», fasst CEO Katrin Sprenger das Angebot des Zürcher Start-ups zusammen. Auch im europaweiten Vergleich gebe es zwar vereinzelte Anbieter, welche einen ähnlichen aber bei Weitem nicht so umfassenden Rundumschutz bieten.

Die Services, die Silenccio heute anbietet, umfassen im Kern zwei Elemente: Zum einen das Herzstück der Silenccio-­Technologie – eine ausgeklügelte Monitoring-Lösung kombiniert mit Interventionen –, zum anderen die ergänzenden Versicherungen des Versicherers Axa.

Verrohung im Netz

Von diesen Elementen gehört historisch gesehen nur ersteres zum Kerngeschäft von Silenccio. Gegründet wurde das Start-up 2017, damals kehrte einer der Gründer gerade aus den USA zurück. Im Rahmen seines Aufenthalts sammelte er eine recht grosse Menge an Parkbussen und wurde dafür kräftig zur Kasse gebeten. Gleichzeitig lief der US-Wahlkampf auf Hochtouren und die Kommentarspalten füllten sich bekannterweise mit absurden und aggressiven Kommentaren. Sein Fazit: «Es kann nicht sein, dass man fürs Falschparken gebüsst wird, sich im Netz aber so aufführen darf, wie man das im realen Leben niemals könnte.»

Zurück in der Schweiz startete er in der Folge gemeinsam mit einem Kollegen und einem IT-Experten mit der Entwicklung eines Monitoring-Tools für ebensolche Online-Beiträge, die die Grenze des gesunden Menschenverstands oder gar der Legalität überschreiten. «Das ist vergleichbar mit den marktüblichen Monitoring-Tools für Social Media, wie sie bei Unternehmen auch eingesetzt werden», erklärt Sprenger. Eine spezielle Herausforderung kristallisierte sich nach dem Launch der ersten Silenccio-Version 2018 rasch heraus: Nämlich die Frage, welche Taten dem Finden und einer eventuell nicht erfolgreichen Intervention eines kritischen Inhalts folgen sollen. CEO Sprenger: «Das braucht letztlich eine Rechtsschutzversicherung. Und da kam dann Axa-Arag ins Spiel.»

Axa-Arag übernahm für Silenccio den Versicherungsteil der Services, gemeinsam gewannen sie im Herbst den Innovationspreis der Schweizer Assekuranz und Axa kaufte sich im Sommer 2019 mit einer Beteiligung in ungenannter Höhe ins aufstrebende Start-up ein.

Die finanzielle Basis für die Weiterentwicklung der Services war mit einem Unternehmen wie Axa im Hintergrund gesichert. Gemeinsam mit dem Versicherer machte man sich an die Weiterentwicklung des Produkts, das im April 2020 unter dem Namen Cyberversicherung Plus live gegangen ist.

Etwas herausfordernd, so Katrin Sprenger rückblickend, war das Finden eines Gleichschritts zwischen dem Grossunternehmen und dem Start-up: «Der Prozess, das Produkt zu lancieren, musste unserem agilen Start-up-Anspruch genügen, aber eben auch den durchdachten Prozessen von Axa. Das haben wir nicht nur in den Griff bekommen, sondern konnten die Vorteile beider Strukturen miteinander verbinden und daraus entstehende Synergien nutzen.»

Das Team von Silenccio besteht heute aus sechs Personen, darunter sämtliche Gründer, die mit ihren unterschiedlichen Spezialisierungen an der Entwicklung des Angebots mitwirken. Die Umsetzung der Plattform wurde in Zusammenarbeit mit externen Entwicklern realisiert.
 
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