Start-up Techdistrict: Mit türkischen IT-Teams gegen den Fachkräftemangel

Start-up Techdistrict: Mit türkischen IT-Teams gegen den Fachkräftemangel

(Quelle: Techdistrict)
29. Februar 2020 - Während in der Schweiz IT-Fachkräfte händeringend gesucht werden, finden sich in Schwellenländern gut ausgebildete Spezialisten, die nur zu gerne für ein Schweizer Unternehmen arbeiten würden. ­Techdistrict will diese Talente als Outstaffing-Anbieter mit Schweizer Firmen zusammenbringen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/03
Techdistrict bringt IT-Personal suchende Schweizer Unternehmen mit IT-Talenten aus dem Ausland zusammen – eine Idee, die im Grundsatz aus der eigenen Not entstanden ist, wie CEO und Co-Gründer Levent Künzi erzählt. Künzi war zuletzt COO beim Immobilienmakler Betterhomes und hatte in dieser Rolle laut eigenen Angaben grosse Mühe, IT-Talente für das Unternehmen zu finden. «Entweder haben wir schlicht keine Spezialisten gefunden, und wenn doch, dann waren sie entweder enorm teuer oder zu wenig qualifiziert.» Ein Outsourcing sei nicht wirklich in Frage gekommen, weil er die Systeme im Haus behalten wollte. «Also war ich gezwungen, andere Wege zu finden, und bin auf der Suche nach IT-Talenten nach Tel Aviv, nach Kiev und nach Kairo gereist, um dann letztlich in Kairo ein eigenes Team aufzubauen, dass remote für uns tätig wurde.» Das habe von Beginn weg recht gut funktioniert, auch wenn es zuerst soziokulturell einige Hürden zu überspringen gab, so Künzi. Daraus hat sich dann die Idee entwickelt, das Thema Outstaffing als Start-up anzugehen, und nach zehn Jahren Immobilienbranche gründete Künzi zusammen mit seinem Bruder Adrian und Tech-Entrepreneur Yusuf Berkan Altun im Oktober 2019 Techdistrict mit Sitz in Horgen und einer Niederlassung in Istanbul.

Tausende Talente, strenger Auswahlprozess

"Die Löhne sind in jedem Fall deutlich tiefer als in der Schweiz – bis zu 60 Prozent." (Quelle: Techdistrict)
Bei dieser Niederlassung in Istanbul – einer Tochtergesellschaft von Techdistrict – handelt es sich um einen Co-Working-Space mit rund 250 Quadratmetern, wo die IT-Spezialisten für ihre Schweizer Arbeitgeber arbeiten. Der Lohn wird dabei – obwohl die Mitarbeiter bei Techdistrict angestellt sind – vom Kunden bezahlt, wobei Künzi verspricht, dass dieser 1:1 an die Arbeitnehmer weitergegeben wird. «Wir behalten keinen monatlichen Anteil, sondern verdienen unser Geld mit einer einmaligen Vermittlungsprovision, die bei 10'000 Franken für das erste IT-Talent und bei 7500 Franken für jeden weiteren Mitarbeiter liegt.» Ausserdem bezahlt der Kunde eine monatliche Gebühr für den Arbeitsplatz seines Mitarbeiters in der Türkei – die zwischen 500 und 750 Franken beträgt. «Dabei handelt es sich allerdings um den Selbstkostenpreis, wir verdienen hierbei nichts und weisen das auch transparent aus.» In dieser Gebühr dabei ist auch ein CTO vor Ort in der Türkei, der die Mitarbeiter managt und auch Ansprechperson für die Schweizer Kunden zu allen menschlichen Fragen ist.

Um die Talente in der Türkei zu finden, arbeitet Techdistrict vor Ort eng mit den renommierten Universitäten zusammen. «Im Grossraum Istanbul mit seinen rund 15 Millionen Einwohnern gibt es acht sehr gute Unis, auf die wir uns bei der Talentsuche beschränken. So stellen wir sicher, dass wir sehr gut ausgebildete Mitarbeiter anstellen können und dass die Qualität stimmt.» IT-Spezialisten, die sich bei Techdistrict bewerben, müssen einen strengen Screening-Prozess durchlaufen. Angestellt wird ein Talent allerdings erst dann, wenn Techdistrict einen Schweizer Kunden hat, der das Talent braucht. «Das Onboarding geht aber recht schnell», so Künzi. «Ab dem Zeitpunkt, ab dem der Kunden uns den Auftrag gibt, ein Talent für ihn an Bord zu holen, dauert es zwei bis maximal fünf Tage, bis wir jemanden präsentieren können – ausser vielleicht bei sehr spezialisierten oder seltenen Profilen, die gesucht werden.» Der Run auf Techdistrict in der Türkei sei riesig. Bereits in den ersten rund vier Monaten hätten sich 1600 Talente registriert. Denn Techdistrict mit seinen Schweizer Kunden ist für türkische IT-Spezialisten ein attraktiver Arbeitgeber – nicht zuletzt darum, weil die Löhne in Schweizer Franken bezahlt werden.
 
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