"Ein langer Weg mit disruptivem Innovationspotenzial - trotz oder wegen regionaler Umsetzung?"

"Ein langer Weg mit disruptivem Innovationspotenzial - trotz oder wegen regionaler Umsetzung?"

4. Dezember 2016 - Interview: Fridel Rickenbacher

Nicolai Lütschg ist Geschäftsführer der Stammgemeinschaft E-Health Aargau. Seiner Einschätzung nach liegen die Schwierigkeiten nicht beim Gesetzgebungsprozess zum Bundesgesetz über das elektronische ­Patientendossier (EPDG), sondern vor allem bei der Umsetzung auf kantonaler oder regionaler Ebene.
Artikel erschienen in IT Magazine 2016/12
Wie ist Ihre Einschätzung zum Bundesgesetz EPDG und E-Health aus der Sicht einer Stammgemeinschaft?
Nicolai Lüschg: E-Health ist für mich eine Frage der Vision. Welches Bild haben wir vom Gesundheitswesen in 20 Jahren? Wie sollen Gesundheitsfachpersonen künftig zusammenarbeiten?
Bei einer immer älter werdenden Bevölkerung mit tendenziell komplexeren Krankheitsbildern und immer mehr verschiedenen, in die Behandlung involvierten Leistungserbringern, ist der Handlungsdruck heute schon gross - in Zukunft wird er noch grösser werden. Mit der Verabschiedung des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier (EPDG) hat das Parlament im Juni 2015 ein Zeichen gesetzt und den Weg für einen besseren und effizienteren Informationsaustausch im Gesundheitswesen geebnet - und damit auch für eine besser koordinierte Versorgung.

In welcher Projektphase stehen die meisten Stammgemeinschaften in der Schweiz?
Wir stehen im Kanton Aargau mitten in der Umsetzung: Wir sammeln Erfahrungen im Datenaustausch wie er im EPDG vorgesehen ist, ebenso in der direkten Kommunikation zwischen Gesundheitsfachpersonen und deren Institutionen. Dies, weil wir überzeugt sind, dass beides nicht getrennt werden darf, um allen involvierten Akteuren und vor allem den Patientinnen und Patienten vollen Nutzen zu bieten.
Serie EPDG
Am 29. Juni wurde die Anhörung des Ausführungsrechts zum Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) abgeschlossen. 2017 soll das Gesetz in Kraft treten. Es stellt grund­legende Weichen für die Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens. Das swissICT Magazin beleuchtet in einer Serie Technologie- und Security-Aspekte des Gesetzes aus unterschiedlichen Blickwinkeln. In dieser Ausgabe beleuchten wir das Thema aus Perspektive einer sogenannten Stammgemeinschaft. Stammgemeinschaften können - wie im Fall Aargau - als Verein organisiert sein und Patientinnen und Patienten zusätzlich zu den allgemeinen Aufgaben des Gesundheitssystems weitere Dienste anbieten, zum Beispiel die Eröffnung eines elektronischen Patientendossiers.
Wie ist eine solche Stammgemeinschaft zusammengesetzt und organisiert? Wie steht es um die Interdisziplinarität der Akteure?
Die Stammgemeinschaft E-Health Aargau wurde im November 2015 gegründet. Basis bildete der Trägerverein E-Health Aargau, der wiederum aus dem Kernteam des Programms E-Health Aargau 2012-15 hervorgegangen war. Der Vorstand besteht aus Vertretern aller Leistungserbringer: Akutspitäler, Apotheker, Ärzte, Institutionen der Langzeitpflege, Rehakliniken sowie Spitex. Wir sind die erste explizite Stammgemeinschaft in der Schweiz und wollen weiterhin vorne dabei sein.
Wir arbeiten mit zwei organisatorischen Konstrukten, da eine Mitgliedschaft in der Stammgemeinschaft nur für Gesundheitsfachpersonen und deren Institutionen möglich ist. Es haben aber auch Akteure wie der Kanton, Patientenorganisationen oder die Industrie ein Interesse an der Mitgestaltung des elektronischen Patientendossiers. Dies kann nur über eine Trägerschaft erreicht werden.
Seit der Gründung der Stammgemeinschaft im November 2015 wurde die strategische Führung durch den Vorstand um die operative Komponente erweitert: Seit Anfang August bin ich als Geschäftsführer der beiden Vereine für die operativen Belange zuständig und stehe damit direkt in der Verantwortung für den Aufbau und die Zertifizierung der Stammgemeinschaft E-Health Aargau.
 
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