Visibilität von ICT-Skills erhöhen
Quelle: AWA

Visibilität von ICT-Skills erhöhen

Von Lucie Hribal

Mit zunehmendem Alter sinken Jobchancen von ICT-Fachkräften. Eine neue Studie zeigt Ursachen auf und empfiehlt Massnahmen für die verbesserte Arbeitsmarktfähigkeit der Betroffenen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2016/03

     

In nahezu allen Wirtschaftszweigen sind Produkte, Lösungen und damit die Skills und Berufserfahrung von IT-Fachkräften gefragt. Dies schlägt sich zwar deutlich auf dem Arbeitsmarkt nieder, die ICT-Berufsleute profitieren jedoch nicht gleichermassen vom Boom.
Wie die im November 2015 vom Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich und der Dach-
organisation ICTswitzerland herausgegebene Studie «Arbeitsmarktfähigkeit arbeitsloser Informatiker 45plus» belegt, ist die Beschäftigungsfähigkeit von ICT-Fachkräften mit steigendem Alter bedroht. Als wichtigste Ursachen gelten mangelnde Visibilität von ICT-Skills und deren fehlende Standardisierung sowie die uneinheitliche Beurteilung der Eignung für den Arbeitsmarkt.


Erschwerte Voraussetzungen für die Stellensuche

Angeregt vom Anstieg der Arbeitslosigkeit im Berufsfeld Informatik seit der Finanzkrise von 2008, widerlegt die Studie die Annahme, die Finanzbranche verantworte das heutige Arbeitslosigkeitsrisiko der ICT-Fachkräfte. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass die konjunkturelle Entwicklung einen Einfluss auf die Jobchancen von Fachkräften ausübt.
Werden ältere Informatiker arbeitslos, sind sie mit erschwerten Voraussetzungen für die Stellensuche konfrontiert. Nicht alle verfügen über offizielle Zertifikate, die ihre Qualifikation dokumentieren. Viele besitzen eine enge Spezialisierung, für die nur noch ein geringer Bedarf besteht. Oder sie vermögen die Breite ihrer Berufserfahrung und die erworbenen Skills schlicht nicht darzustellen und sich nicht effektiv genug «zu verkaufen». Bei starker Konjunktur und entsprechender Nachfrage mögen Arbeitgeber über solche Defizite des Bewerbungsdossiers hinwegsehen. Ihre Bereitschaft schwindet jedoch, wenn die Wirtschaft schwächelt.

Standardisiertes Skill-Set optimiert Matching


Derartige Befunde über die Bewerbungs- und Arbeitsmarktfähigkeit älterer ICT-Fachkräfte hat die Studie nicht nur Arbeitslosenstatistiken entnommen. Sie stützt sich auf sechs Datenquellen, darunter Standortbestimmungen arbeitsloser Informatiker ab 45, Analysen von Bewerbungsdossiers durch Personalabteilungen grosser IT-Arbeitgeber im Kanton Zürich, Umfragen zu deren Weiterbildungspraxis sowie Profile ausländischer ICT-Fachkräfte, die Arbeitsbewilligungen erhielten.
Die wichtigste Erkenntnis ist die mangelnde Identifizierbarkeit fachlicher Fähigkeiten und der Berufserfahrung. Hieraus abgeleitete Massnahmen und Empfehlungen richten sich an stellensuchende ICT-Fachkräfte, Arbeitgeber, Wirtschaftsverbände, Arbeitsmarktbehörden und Bildungsinstitutionen.
Die Eignung für den Arbeitsmarkt und Chancen auf eine neue Anstellung klaffen auseinander.


• Arbeitgebern und Verbänden wird empfohlen, Rekrutierungsfilter auf Alterdiskriminierung zu überprüfen.
Aufgrund mangelnder Identifizierbarkeit von Skills und Berufserfahrung werden fachliche Qualifikationen von Arbeitgebern sehr heterogen beurteilt.
• Ein standardisiertes Set von ICT-Skills soll das Matching zwischen Jobanforderungen und Bewerberskills verbessern und eine Grundlage für die Validierung von unzertifizierter Praxiserfahrung bilden.
• Bildungsinstitutionen sollen auf Basis des Skill-Sets Angebote bedarfsorientierter und durchlässiger gestalten und die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren Profile stellensuchender älterer Informatiker aussagekräftiger aufnehmen und diese gezielt im Mentoring Programm für Hochqualifizierte unterbringen.
• ICT-Fachkräfte sollen sich permanent weiterbilden, ihre Skills prägnanter und ihre Bewerbungen überzeugender formulieren.


Über die Studie

Die Studie Arbeitsmarktfähigkeit arbeitsloser Informatiker 45plus wurde 2015 im Auftrag des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich und der Dachorganisation ICTswitzerland erstellt. Sie untersucht auf 43 Seiten die trotz Fachkräftemangel steigende Arbeitslosigkeit im Berufsfeld ICT. PDF-Version und Bestellung: irene.gubler@vd.zh.ch.



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