«Ältere bringen in der Summe mehr»

Von Marcel Gamma

Informatiker «45plus» haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer. Auch für Unternehmen ist das Thema komplex. Der aktuelle Wissensstand.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2016/03

     

Die demografische Entwicklung der Gesellschaft und der Fachkräftemangel sprechen für Informatiker 45plus. Eigentlich. Dennoch ist für sie das Risiko arbeitslos zu werden «deutlich höher» ist als dasjenige jüngerer Arbeitnehmer, so eine neue Studie (s. Folgeseite).
Ursache sei der «Mismatch zwischen Stellensuchenden und offenen Stellen», so die Studie. Andere bemängeln fehlende formale Abschlüsse oder höhere Lohnkosten, während sich in Online-Kommentaren Informatiker mit «Billig-Inder» und «Jugendwahn» Luft machen. Es steht gar Altersdiskriminierung im Raum.
Gegenüber Finnland weise nicht speziell die IT, sondern die Schweiz 15 Jahre Rückstand beim Thema auf, sagen Experten und manche glauben, Staat und Wirtschaft müssten ein «finnisches» Gesamtpaket schnüren, das Gesundheitsvorsorge, Arbeitsmarktpolitik, Qualifizierung und Sozialgesetzgebung umfasse.
Bislang vertrauen Bund wie Verbände dem «Bottom-Up»-Ansatz mit Plattformen zum Austausch statt Gesetzen. Aber auch Regulierungen würden, so Experten, das Imageproblem von «45plus» nicht lösen.


«Ein x-fach widerlegter Mythos»

Bekannte Vorurteile soll man also gleich entkräften. So hält Juhani Ilmarinen, bekannter Experte für Arbeitsmarktfähigkeit und Generationen-Management im Tages-Anzeiger fest: «Die Wissenschaft kann heute klar belegen, dass ältere Angestellte einem Unternehmen in der Summe mehr bringen als jüngere – sofern die Arbeitsbedingungen stimmen. Dass die Produktivität oder die Lernfähigkeit geringer seien bei den Älteren, ist ein Mythos, der x-fach wissenschaftlich widerlegt wurde.»


Neuartige Laufbahnmodelle
Diverse Firmen haben das Potential erkannt und zeigen sich offen für neuartige Laufbahnmodelle. Z.B. bieten sie die Reduktion des Verantwortungsbereichs und den Wechsel in Consulting-Funktionen an. Begleitet von interner Sensibilisierungs-Arbeit, so sagen Experten, könne man das Stigma eines «Abstiegs» verhindern. Des Weiteren entspreche Flexibilität bei der Pensionierung einem Bedürfnis, zeigte eine AXA-Umfrage kürzlich.


Was gehört sonst zu altersgerechtem Personalmanagement? «Unternehmen sollten Karriere als eine Aneinanderreihung von Lernmöglichkeiten sehen», so Managementcoach Stefanie Seitz in der Zeitschrift «personalSCHWEIZ». Hinzu komme ein fundiertes Gesundheitsmanagement (Ergonomie, Stressmanagement, alternative Arbeitszeitmodelle). «Den grössten Einfluss hat aber eine wertschätzende Führung», so Seitz.
Für 45plus sprechen also nicht nur gesellschaftliche und ökonomische Gründe, sondern es gibt auch Instrumente, deren Potential zu nutzen. Allerdings zuerst für vorurteilsfreie Arbeitgeber und veränderungswillige Arbeitnehmer.

45plus: mehr

Eine Studie über arbeitslose Informatiker, das Personal-Entwicklungskonzept eines KMU und die Stellungnahme eines IT-Unternehmers und Politiker finden Sie auf den Folgeseiten.
Weitere Infos, Links und XING-Gruppe: swissict.ch/45plus



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