Die Spuren der Wirtschaftskrise
Quelle: jobs.ch

Die Spuren der Wirtschaftskrise

Von Mark Sandmeier

Die Zahl der IT-Stellenangbote ist seit drei Jahren unverändert hoch. Doch nicht alle Fachbereiche profitieren gleichermassen vom Wirtschaftsaufschwung.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2014/12

     

Anfangs 2009 erschütterte die Finanz- und Wirtschaftskrise die Schweizer IT-Branche. Der Einbruch war kurz und heftig und manifestierte sich auch in der Anzahl der neu veröffentlichten Stellen. Doch bereits nach gut einem Jahr war die Anzahl Inserate wieder auf dem Vorkrisenniveau, wie eine Analyse der im Zeitraum von 2007 bis heute auf Jobs.ch veröffentlichten Inserate im Informatik- und Telekommunikationssektor belegt.
Bis heute lässt sich dabei eine ungebremste Nachfrage nach IT-Fachleuten feststellen. Wurden 2007 noch 11’143 neue Stellen (Festanstellungen) im IT-Sektor ausgeschrieben, lässt sich 2013 eine faktische Verdoppelung beobachten. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen benötigen vermehrt IT-Personal. Die Anzahl an neu ausgeschriebenen Stellen nahm im genannten Zeitraum um 176 Prozent zu und war damit nochmal wesentlich höher als in Grossunternehmen, wo immerhin eine prozentuale Steigerung von 48 Prozent stattfand. Damit einher ging eine Umverteilung. Waren bis 2008 drei von fünf ausgeschriebenen Arbeitsplätzen im IT-Bereich bei einem Grossunternehmen angesiedelt, stieg die Anzahl an frei gewordenen Stellen in KMU kontinuierlich an. Sie zeigen sich mittlerweile für knapp 52 Prozent aller publizierten Inserate im IT-Bereich verantwortlich.


Diese Umverteilung kommt für Enrique Nunez, Marketing Verantwortlicher beim Cloud-Hosting-Anbieter Rackspace, nicht überraschend: «Kleinere und mittlere Unternehmen sind auf einen IT-Spezialisten wie Rackspace angewiesen, um der zunehmenden Komplexität Herr zu werden. Wurde die Informatik früher eher nebenbei erledigt, fand in den letzten Jahren eine Professionalisierung statt, weshalb selbst eine allfällige Sparrunde kaum Auswirkungen auf den IT-Bereich hat.»


Zuwachs an Arbeitsplätzen dank neuen Technologien


Die rasante Entwicklung neuer Technologien führte in den letzten Jahren zur Entstehung neuer Kompetenzprofile. Fachbereiche wie Web Publishing und Design, Software-Architektur und Engineering oder auch Web- und Mobile-Programmierung haben wesentlich zur Generierung neuer Arbeitsplätze beigetragen.
Mittlerweile fällt jede dreissigste ausgeschriebene Stelle auf den Bereich der Web- und Mobile-Programmierung, allein im letzten Jahr wurden auf Jobs.ch 725 Inserate geschaltet. Markant zulegen konnte auch der Bereich der Beratung und der Wirtschaftsinformatik. Wurden 2007 noch 976 neue Stellen vermeldet, stieg die Anzahl an neu geschalteten Inseraten im Jahr 2013 auf 2840, im Jahr 2011 wurden sogar knapp 3200 Berater und Wirtschaftsinformatiker gesucht. Eine ähnlich positive Bilanz lässt sich im Bereich des Projektmanagements und der Analyse vermelden, wo sich die Anzahl an freien Stellen beinahe verdoppelte.
Die höchste Wachstumsrate verzeichnet jedoch der Bereich ERP/SAP/CRM. Wurden 2007 noch 251 Spezialisten gesucht, versiebenfachte sich im Jahr 2013 die Zahl an neu aufgeschalteten Inseraten beinahe. Hans-Jürg Schürch, Director Human Resources bei T-Systems in der Schweiz, erklärt die Zunahme damit, dass «technologische Innovation, insbesondere in der Informatik heutzutage Wettbewerbsvorteile in fast allen Branchen schafft. Durch die Erfordernisse der digitalen Transformation ist Durchgängigkeit in den Geschäftsprozessen ein wesentliches Element für Produktivität und Effizienz­steigerung.»


Die Wirtschaftskrise als Zäsur


Zwar liegt die Anzahl an neu ausgeschriebenen Stellen mittlerweile weit über jener vor der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009. Dies mag jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese massive Auswirkungen auf den Informatik- und Telekommunikationssektor hatte und ab Februar 2009 zu einem markanten Rückgang an neu geschalteten Stellen führte. Im Jahr 2009 wurden lediglich noch 8232 Festanstellungen neu publiziert, dies entsprach einem Rückgang von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Krise traf insbesondere die Grossunternehmen, verglichen mit dem Jahr zuvor ging die Anzahl der freien Stellen um mehr als die Hälfte zurück. Bei kleineren und mittleren Unternehmen betrug der Rückgang an freien Stellen knapp einen Viertel.
Zugleich lassen sich massive Unterschiede zwischen den einzelnen Fachbereichen beobachten. Während in gewissen Fachbereichen wie dem Projektmanagement und der Analyse, aber auch in Testing, Audit und Security oder der Softwareprogrammierung die publizierten Inserate regelrecht ein­brachen, zeigten sich die IT-Berater und Wirtschaftsinformatiker weniger von der Rezession betroffen. Zwar war die Anzahl an neu ausgeschriebenen Stellen 2009 deutlich geringer als im Vorjahr, sie lag jedoch immer noch höher als 2007.


Die Folgen der Krise


Obwohl die Anzahl freier Stellen im IT-Sektor stark zugenommen hat, profitieren nicht alle Fachbereiche von der gesteigerten Nachfrage. In gewissen Sektoren werden bis heute weniger Spezialisten gesucht als noch 2007. Beispielhaft ist der Fachbereich Testing, Audit und Security, in dem die Anzahl an neu publizierten Stellen im Jahre 2013 noch deutlich geringer ist als 2007.
Arg gebeutelt wurden insbesondere die im Finanzsektor beschäftigten IT-Spezialisten. Waren 2007 noch 2456 IT-Stellen im Bankensektor ausgeschrieben, sank deren Zahl im Jahr 2009 auf 1059 (siehe Grafik). Im Jahre 2011 schien die Wende geschafft, als erneut 2570 Arbeitskräfte gesucht wurden, ehe die Anzahl freier Stellen erneut massiv sank. 2013 wurden noch 1362 Inserate publiziert, die Quote lag damit im Vergleich zu 2007 bei 55 Prozent.


Die geringere Anzahl an ausgeschriebenen Stellen im Bankensektor lässt sich gemäss Christina Hübschen, Head Global HR bei Avaloq, einem Lösungsanbieter für Bankentechnologie, mit der im Zuge der Krise erfolgten Umstrukturierung erklären: «Aufgrund schrumpfender Margen sahen sich die Banken gezwungen, extern professionelle Technologien zu beziehen und setzten statt auf interne IT-Lösungen auf profes­sionelle IT-Unternehmen. Diese Entwicklung hält bis heute an – bei Avaloq sind aufgrund des starken Wachstums denn auch fortwährend viele Stellen vakant.» Die Finanz- und Wirtschaftskrise, soviel lässt sich abschliessend sagen, hat der Schweizer IT-Branche zwar nicht nachhaltig schaden können, sie hat sie jedoch massgeblich verändert.


Mark Sandmeier ist CEO des Online-­Unternehmens Jobcloud.



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