Kritik an Microsofts Programm zur Gratisnutzung von Office 365 für Schüler

Kritik an Microsofts Programm zur Gratisnutzung von Office 365 für Schüler

21. Oktober 2013 - Schweizer Schüler und Studenten erhalten ab Dezember die Möglichkeit, Office 365 Proplus von Microsoft privat kostenlos zu nutzen, wenn ihre Bildungseinrichtungen mitziehen. Dieses Vorhaben stösst auf Kritik.
(Quelle: Microsoft)
In der Schweiz können Schüler und Studenten im Rahmen des Student-Advantage-Programms von Microsoft ab dem 1. Dezember Office 365 Proplus auf bis zu fünf Geräten privat nutzen, wenn die jeweilige Bildungseinrichtung Lizenzen für Office 365 Proplus oder Office Professional Plus für alle Mitarbeiter gekauft hat.

Dieses Vorhaben stösst bei der Swiss Open Systems User Group /ch/open auf wenig Begeisterung. Die Gruppe kritisiert das Vorgehen von Microsoft, Schülern und Studierenden Microsoft Office 365 vermeintlich gratis anzubieten. "Das Lockvogelangebot des Softwarekonzerns verleitet zur Verletzung des Datenschutzes, schafft neue Abhängigkeiten und verhindert eine produktneutrale Ausbildung an Bildungsinstitutionen", heisst es in einer entsprechenden Mitteilung. Der bedingte Gratiszugang für Schüler und Studierende habe offensichtlich zum Ziel, die Bildungsinstitutionen zum Abschluss von Lizenzverträgen mit Microsoft zu zwingen. Damit stünden Entscheidungsträger unter Druck, dieses Gratisangebot von Microsoft ihren Lernenden zu ermöglichen. Zudem habe im August 2013 das Luzerner Bildungsdepartement den Pilotbetrieb von Office 365 abgebrochen, weil Microsoft die Wahrung der gesetzlichen Grundlagen zum Datenschutz bei diesem neuen Produkt nicht habe garantieren können.


Unterstützung erhält /ch/open mit seiner Kritik von der Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen (SFIB). In einer Stellungnahme an die Kantone empfiehlt die SFIB den Verzicht von Office 365 wegen datenschutzrechtlicher Bedenken und der gefährdeten Unabhängigkeit des Bildungsumfelds bezüglich einzelner Software-Anbieter.

Gegenüber der "NZZ" nimmt Microsoft-Sprecherin Babara Josef Stellung zu den Vorwürfen. "Das Schreiben der SFIB enthält Aussagen, die nicht korrekt sind. Entgegen der Behauptungen der SFIB ist es nicht zutreffend, dass Bildungseinrichtungen, die nicht mit der Online-Version von Office arbeiten, auf Office 365 migrieren müssen", so Josef. Es bestehe keinerlei Zwang, auf Office 365 zu wechseln. Es handle sich hier lediglich um ein Zusatzangebot. Zudem sei nicht klar, wieso die SFIB davon ausgehe, dass mit der Nutzung von Office 365 dem Datenschutz nicht entsprochen werden könne. Microsoft erfülle mit dem vertraglichen Einbezug der EU-Standardvertragsklauseln sogar die strengen Datenschutzbestimmungen der EU sowie die des schweizerischen Bundesgesetzes über den Datenschutz. (abr)

Kommentare

Montag, 21. Oktober 2013 Christian Zumbrunnen
> Unternehmen, egal welcher Art, haben an öffentlichen Schulen in der Schweiz nichts verloren wenn es um Schulmaterial geht. @Marco Genau: und Bleistift und Papier bitte auch selber erstellen und Lehrmittel nur herstellerneutral und markktfremd....

Montag, 21. Oktober 2013 Solo
Wo liegt das Problem, wenn Microsoft "gratis" Angebote an Schulen macht? ...Opensource ist auch "gratis" also liegt es an den Schulen, dies einzusetzen und zu nutzen. Die Schulen werden nicht gezwungen Microsoftprodukte einzusetzen. Aber viele verteufeln gerne Microsoft und nur das "gute" Open Source Gedönse ist zu nehmen. Hallo?!? Man könnte auch argumentieren, dass Libre-Office und Open-Office viel unsicherer seien. Immerhin gibt's dort auch schon ne Abspaltung... und durch die "Rechtsunsicherheit" bei Patentfragen ist nicht sichergestellt, dass Funktionen, welche heute in den Produkten vorhanden sind, nicht irgendwelche Patente verletzen und dementsprechende Probleme verursachen. ...schlussendlich muss auch die Schule für ihre Infrastruktur "Support" anbieten können. Durch die Verzettelung wird dies auch immer schwieriger. Nicht jede IT ist bereit, alles auf Opensource aufzubauen und sich den Support im Internet zusammenzusuchen oder sich Linux-Cracks zu züchten, damit sie die Sicherheitsanforderungen erfüllen können.

Montag, 21. Oktober 2013 Adrian
Zur Schule: Da der Staat in anderen Dingen investiert, haben gewisse "Förderprogramme" eher ein Gehör... Zu MS/ Apple/ OSS: Ich hatte auch den Kopf geschüttelt als ich gelesen hatte, dass die Polizei nun iPad für Vorort Rapports bekommt (obwohl es stabilere und extra für Ausseneinsätze konzipierte Geräte gibt...). Aber eben.. Apple ist Cool (Lifestyle und so) und gegen OpenSource darf man auch nicht wettern (ist ja alles Gratis.. nur vergisst jeder der Initialaufwand). Zum Thema: Im Bereich Word, PowerPoint und Publisher mag Open/ LibreOffice mithalten, im Bereich Excel/ Calc ist noch einige Arbeit nötig und: Solange es kein VBA Konverter gibt, werden wir leider noch lange mit dem Geschwür VBA+Office leben müssen. Zum Thema Usability müssten sehr viele OSS Entwickler ebenfalls dringend mal Nachhilfe holen und ja.. auch OSS Produkte sollten anständige UI-Designer organisieren... Swiss Open Systems User Group / ch/ open sollte mal da ansetzen. Wettern und Kritisieren kann jeder. Wichtig ist, dass die Produkte überzeugen (und "Gratis", was eh naiv gedacht ist, reicht als Argument nunmal nicht)

Montag, 21. Oktober 2013 Wolge
Schon spannend das immer geschossen wird sobald Microsoft sich in den Schulen breit machen will. Bei Apple hingegen hört man nie etwas. Dies obwohl allerorts iPad Projekte an schulen gestartet werden. Wurde hier jemals seriös evaluiert ob es auch Geräte von anderen Anbietern gibt?

Freitag, 18. Oktober 2013 Marco
Wann greift die Politik endlich ein? Unternehmen, egal welcher Art, haben an öffentlichen Schulen in der Schweiz nichts verloren wenn es um Schulmaterial geht. Ich würde sogar so weit gehen, dass ein Gesetz her muss, welches die Schulen verpflichtet Schüler ausschliesslich auf OpenSource Software arbeiten zu lassen.

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