Niklaus meint: In die 22-Uhr-Falle getappt

Niklaus meint: In die 22-Uhr-Falle getappt

8. Juli 2012 - Von Daniel Niklaus
Artikel erschienen in IT Magazine 2012/07
Ein neuer Trend ist in Europa angekommen. Matrix 42, ein Anbieter von Bring-your-own-Device (BYOD)-Produkten, liess eine Studie erstellen, und diese Studie stellt – oh Wunder - fest: BYOD ist in Europa wichtig. Nachdem die Mitarbeiter nicht nur nach Feierabend per E-Mail und Handy erreichbar sein sollen, dürfen sie neu auch ihre eigenen Geräte ins Unternehmen mitbringen.
Einige Unternehmen tun alles, um die Grenze zwischen Geschäft- und Privatleben niederzureissen – der Mitarbeiter soll sich ganz dem Unternehmen verpflichten. BYOD ist dabei nur ein weiterer Baustein. Wer auf seinem eigenen Notebook arbeitet, hat neben den privaten Dingen auch immer gleich die Geschäftsanwendung offen. Und weil es das eigene Gerät ist, empfindet der Mitarbeiter dies nicht einmal als störend, so das Kalkül der Firmen.
Als Unternehmer habe ich für mich selbst kein Problem mit einem fliessenden Übergang vom Geschäft- ins Privatleben. Wie für die meisten Firmenchefs ist Arbeit sowieso mein Hobby. Oft bin ich froh, wenn ich abends Zeit für die «wichtigen» Dinge habe, ohne dabei von Telefonaten unterbrochen zu werden.
Wer seine eigene Firma hat, empfindet Arbeit weniger belastend. Dazu gibt es bestimmt auch eine Studie. Denn für Chefs ist es einfacher, Grenzen zu ziehen. Will ich am Freitagabend noch etwas für einen Kunden tun, in den Ferien eine Fernwartung-Session starten oder zwischen Weihnacht und Neujahr eine Offerte schreiben, ist dies meine Entscheidung – die ich als Chef ohne Rechtfertigung treffen kann. Aber wie sieht es mit den Mitarbeitern aus? Wie und wann ziehen sie ihre Grenzen, wenn das Privatleben nahtlos ans Geschäftsleben anknüpft? Welche Erwartungshaltung entsteht innerhalb des Teams durch diese Verknüpfung? Muss man in der Badi das Notebook dabei haben, um noch schnell einen Report fertigzustellen? Wir Chefs werden diesen Einsatz gerne annehmen, selbst dann wenn wir ihn nicht verlangen. Aber was ist, wenn die Mitarbeiter dabei ausbrennen?
Es ist schon richtig: Heute fordern die Mitarbeiter selbst, das eigene Gerät mitzunehmen, und sie wünschen sich Home Office. So auch bei mir in der Firma. Offen gestanden bin ich kein Fan davon. Den jedesmal, wenn ich jemandem Home Office gewährte, passierte folgendes: Hetzte ich tagsüber von der Kundensitzung zur Telefonkonferenz, zur internen Besprechung und wieder zum Kunden, hatte ich am Abend trotzdem noch etwas Zeit für mich. Sobald aber ein Mitarbeiter Home Office erhielt, zeigte mir Skype nachts um 22:00 Uhr einen Anruf dieses Mitarbeiters an – und weg war sie, meine letzte private Zeit für das Geschäft. Auf einmal sass ich in der 22:00-Uhr-Falle und konnte selbst nicht mehr die Grenze ziehen.
 
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