CIO-Interview: «Dann krieche ich selbst unter den Tisch»

CIO-Interview: «Dann krieche ich selbst unter den Tisch»

4. Juni 2011 - 250 Mitarbeiter, 35 Filialen, eine eigene Ski-Produktion und ein Informatiker: Das ist die Ausgangslage bei Stöckli Swiss Sports. IT-Leiter Marc Hauser erklärt die Situation.
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/06
Marc Hauser ist bei Stöckli Swiss Sports Leiter Dienste und damit auch für die IT verantwortlich. Das in den 30er-Jahren gegründete Unternehmen beschäftigt aktuell rund 250 Mitarbeiter und erwirtschaftet mit der Herstellung und dem Verkauf von Skis, Bikes und weiteren Outdoor-Sportartikeln einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken. Nebst dem Hauptsitz in Wolhusen unterhält das Unternehmen neun Retail-Filialen sowie fünf Miet- und Servicecenter und bedient gut 35 Händler in der Schweiz. Ausserdem werden die Produkte in 33 Nationen exportiert.
Swiss IT Magazine: Sie sind der einzige Informatiker bei Stöckli, einem Unternehmen mit 250 Mitarbeitern und 60 Millionen Franken Umsatz. Eine aussergewöhnliche Ausgangslage.
Marc Hauser: Definitiv. Die Situation kommt daher, dass Stöckli in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist. Wie so häufig bei einem solchen Wachstum hinken gewisse Strukturen dann etwas hinterher. So ist es auch in der Informatik bei Stöckli der Fall. Ich übe die Funktion als IT-Leiter in der Firma nun seit fünf Jahren aus, und in dieser Zeit ist bereits einiges passiert. 2002 gab es im ganzen Unternehmen beispielsweise genau zwei PCs. Sie müssen verstehen, Stöckli ist im Prinzip ein Retailer mit eigener Ski- und Bike-Produktion, und die Informatik ist Mittel zum Zweck. Wir müssen uns als kleiner Schweizer Hersteller mit den grossen Anbietern auf dem Weltmarkt messen, und der Kostendruck ist entsprechend hoch. Deshalb müssen wir versuchen, mit möglichst geringen Mitteln möglichst viel herauszuholen und innovativ zu sein.


Also wird Informatik bei Stöckli weitgehend als notwendiges Übel angesehen?
Früher war das sicher so. Mittlerweile konnten wir den Spiess aber umdrehen und der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern zeigen, dass es möglich ist, dank funktionellen IT-Lösungen Prozesse zu automatisieren und die Arbeit zu erleichtern.

Ist ein Teil Ihrer Aufgabe also auch, der Geschäftsleitung zu zeigen, dass IT nicht nur kostet, sondern auch Nutzen bringt?
Auf jeden Fall. Doch dies ist ein wenig eine Winkelried-Funktion. Die Geschäftsleitung sieht zuallererst die Kosten, weshalb man behutsam vorgehen und den Nutzen einer Lösung aufzeigen muss, was zuweilen eine Herausforderung ist.

Ist diese Überzeugungsarbeit nicht auch ermüdend?
Nein, im Gegenteil. Ich empfinde dies als eine spannende Herausforderung, die anspornt.

Sie sind Mitglied der Geschäftsleitung und damit nahe an der Stöckli-Führung. Hilft das bei Ihrer Aufgabe?
Sicher, ja. Ich habe nebst der Informatik noch andere Verantwortungsbereiche bei Stöckli – etwa die Bereiche Finanzen oder Personal. In all diesen Bereichen hilft es mir enorm, nahe bei den Entscheidungsträgern zu sein.

Und wie steht es um das Verständnis ihrer Geschäftsleitungskollegen für Informatikfragen?
Dieses ist sehr unterschiedlich. Hilfreich ist sicher, dass Beni Stöckli, unser CEO, unter anderem Wirtschaftinformatik studiert hat und entsprechend über IT-Affinität verfügt. Er war es beispielsweise auch, der 2004 die Einführung einer ERP-Lösung vorangetrieben und eingeführt hat. Ebenfalls hilfreich ist zudem sicher, dass ich selbst auch der Finanzchef bin (lacht).
Können Sie mir dieses ERP-System erläutern?
Im Bereich ERP arbeiten wir mit einem externen Partner zusammen. Unsere Lösung ist stark Warenbewirtschaftungs-lastig, gekoppelt mit einer tollen Kassenlösung. Das Besondere ist die Tatsache, dass es bei uns relativ komplexe Prozesse im Hintergrund gibt durch die Tatsache, dass wir zum einen Retailer und zum anderen auch Hersteller sind und auch die Logistik selber machen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an unsere Lösung, und ein grosses System wie etwa SAP konnten und wollten wir uns nicht leisten. Doch wir hatten das Glück, dass wir die 2004 eingeführte Lösung DIAS gemeinsam mit unserem Partner Acommit stark weiterentwickeln konnten und immer noch weiterentwickeln. Die Server fürs ERP betreiben wir übrigens inhouse.

Ich verstehe Sie richtig? Sie betreiben inhouse eine eigene Server-Landschaft und sind selbst der einzige Informatiker?
Das stimmt. Wenn es ein Problem mit den Servern gibt, versuche ich das zu lösen – im Sinne eines First-Level-Supports. Bei tiefergehenden Problemen rufe ich dann nach unserem Partner.

Wie sieht es beim Support der klassischen Informatik aus? Wenn bei einem Mitarbeiter der Drucker nicht funktioniert, kommt dann auch der IT-Chef von Stöckli und löst das Problem?
Dann kremple ich die Ärmel hoch und krieche selbst unter den Tisch, ja (lacht). Den First-Level-Support versuche ist tatsächlich selbst zu machen. Vor einigen Jahren bin ich auch selbst noch in die Filialen ausgerückt, wenn es Probleme gab. Heute aber haben wir eine Helpdesk-Lösung mit einem externen Partner. Doch auch hier spiegelt sich die Grundphilosophie des Unternehmens wieder: Wir versuchen mit möglichst wenig möglichst viel zu erreichen und jeder packt an, wo er kann.
 
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