Die Renaissance des Micropayments

Die Renaissance des Micropayments

5. März 2011 - Viele Menschen aus dem IT-Umfeld verziehen bei der Erwähnung des Wortes „Micropayment“ das Gesicht. ‚Hat noch nie funktioniert’, ‚Braucht kein Mensch’ oder ‚Gibt es doch schon lange’ sind typische Kommentare. Heute ermöglicht Micropayment dem Kunden jedoch eine Bezahlweise, die so einfach ist wie Bargeld.
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/03
Simon Felsenstein
Tatsächlich hat das Thema eine gewisse Vorgeschichte und wird schon seit den Anfängen des Internets höchst kontrovers diskutiert. Was aber ist Micropayment eigentlich? Im Grunde geht es darum, ein Bezahlverfahren im Internet zu etablieren, das so einfach ist wie das gängigste Verfahren der realen Welt: Bargeld. Internetprodukte bestehen allerdings nur aus Bits und Bytes und können praktisch ohne Zusatzkosten beliebig oft repliziert werden. Der Preis einer einzelnen Seite läge deshalb höchstens bei einigen Rappen, also im Mikrobereich.
Somit scheiden viele Bezahlverfahren wie Banküberweisungen oder Kreditkartenzahlungen von vornherein aus. Bei diesen entstehen allein schon wegen der extrem aufwendigen Verschlüsselungsverfahren Transferkosten, die den transferierten Geldbetrag übersteigen. Eine Gebühr von 30 Rappen ist für einen Bezahlvorgang über 5 Rappen natürlich nicht akzeptabel.
In den 90er Jahren arbeiteten deshalb weltweit zahlreiche Firmen an speziellen Micropayment-Systemen, von denen sich keines auch nur ansatzweise durchsetzen konnte. Die benutzte Technologie war vielfach nicht geeignet, die Anforderungen zu erfüllen. Einige Konzepte wiesen Sicherheitslücken auf. Es bestand die Gefahr des Double-Spending, wobei eine Drittpartei eine transferierte elektronische Münze einfach kopieren konnte. Andere Anbieter setzten darauf, dass sich eine sogenannte Public-Key-Infrastruktur durchsetzt, was bis heute jedoch nicht geschehen ist.
In den Folgejahren entwickelte sich die Technologie weiter, noch mehr tat dies aber das Internet selbst. Google revolutionierte Sektor für Sektor, und werbefinanzierter kostenloser Inhalt erschien als einzig denkbares Businessmodell. Da aber jede Werbefinanzierung schlussendlich an ein real verkauftes Produkt gebunden sein muss, ist Onlinewerbung zwar ein wachsender, aber doch begrenzter Markt. Immer mehr und immer neue Internet-Service-Provider wollen ein Stück von demselben Kuchen. So verschiebt sich die Macht zusehends von den Providern zu den Werbenden. Konnte vor wenigen Jahren noch viel Geld mit dem blossen Aufschalten von Werbung verdient werden, so wird heute oft nur noch bezahlt, wenn der Endkonsument auf das Banner klickt oder sogar tatsächlich etwas beim Werbenden kauft.
 
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