Volkszählung per e-census: Ein Blick hinter die Kulissen

Volkszählung per e-census: Ein Blick hinter die Kulissen

27. November 2000 - Als Europa-Premiere ermöglicht das Bundesamt für Statistik (BFS) das Ausfüllen der Volkszählungs-Fragebogen per Internet. InfoWeek zeigt die Hintergründe.
Artikel erschienen in IT Magazine 2000/43

Singapur und die Vereinigten Staaten haben es bereits vor Jahresfrist vorgemacht: Das Zählen von Bevölkerungsdaten übers Internet funktioniert. Seit Montag dieser Woche ist es nun auch in der Schweiz soweit. Mit einer Parforce-Leistung hat es das Bundesamt für Statistik (BFS) mit dem Projekt e-census ermöglicht, dass die Fragebogen der Volkszählung 2000 von rund 90 Prozent der Bevölkerung auch im Internet ausgefüllt werden können.



Die Idee zu dieser Europa-Premiere entstand aus dem Auftrag zur Modernisierung der Volkszählung, den das Bundesamt für Statistik nach der letzten Zählung von 1990 von der parlamentarischen Geschäftsprüfungskommission erhalten hat. Damals gab es einige Proteste von Gemeinden, die mit der Durchführung der Zählung - Rekrutierung und Ausbildung der Zähler, Kontrolle der Fragebogen - einen riesigen Zusatzaufwand zu bewältigen hatten.


Modernisierung nötig

Unter zahlreichen anderen Ideen zur Modernisierung entstand so auch die Vision der Volkszählung per Internet, die damals allerdings aus technischen, organisatorischen und vor allem auch politischen Gründen noch nicht durchführbar erschien: In der Schweiz gibt es rund 3000 Gemeinden, die im Unterhalt ihrer Einwohnerregister weitgehend autonom sind. Während die einen noch mit Karteikasten arbeiten, verfügen andere über modernste Informatiksysteme. Ein weiteres Problem war die Kontrolle: Man musste einerseits sicherstellen, dass jeder Einwohner ein Formular ausfüllt, dass gleichzeitig aber auch keiner mehr als einen Fragebogen einreicht.



Um in diesem Umfeld eine modernisierte Volkszählung zu ermöglichen, müsste man zunächst zentral über alle Daten verfügen, diese auf den Formularen vordrucken und die von der Bevölkerung ausgefüllten Fragebogen den Gemeinden zur Kontrolle zustellen. Von da müssten die Fragebogen korrigiert an die Zentrale zurück. Dieser Weg beinhaltet aber massive organisatorische Probleme.



Eine andere Möglichkeit - der Vordruck der Formulare durch die Gemeinden - stiess auf technische Probleme, weil kaum eine Gemeinde über die nötige Infrastruktur (A3-Drucker etc.) verfügt und die Register darüber hinaus nicht harmonisiert sind.



Die nun gewählte Lösung besteht aus einem Mittelweg zwischen diesen beiden Möglichkeiten: Das Bundesamt für Statistik hat nach einer Bedürfnisabklärung bei den Gemeinden ein externes Dienstleistungszentrum (DLZ) geschaffen, durch das die Kommunen einen grossen Teil der Arbeiten gegen Bezahlung erledigen lassen können. Betrieben wird das DLZ von der DCL Data Care AG in Kriens, einer Tochtergesellschaft der schweizerischen Post und des Mediengiganten Bertelsmann.



Erst aufgrund dieser Infrastruktur mit zentraler Datenhaltung kam man auf die Idee mit der Volksbefragung per Internet zurück. Gegner des Projekts - etwa aus Bedenken um die Sicherheit - gab es dabei keine, wie Urs Germann, Projektverantwortlicher des BFS, festhält: "Für uns war e-census eine Herausforderung. Wir wollten einfach wissen, ob wir das schaffen. Gleichzeitig gab es keinen Zwang: Die Internet-Befragung war immer bloss eine mögliche Alternative zum klassischen Papierformular. Wir haben deshalb zuerst intern Prototypen entwickelt und Abklärungen betreffend der Sicherheit getroffen. Erst als wir sicher waren, dass es funktioniert, gingen wir damit an die Öffentlichkeit. Wir haben so bewusst eine öffentliche Diskussion vermieden, denn wir wollten eine zu grosse Erwartungshaltung vermeiden. Auch intern war Skepsis bloss hinsichtlich der Machbarkeit vorhanden."



 
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