Gut versteckte Ärgernisse

Gut versteckte Ärgernisse

30. April 2004 - Die Verbreitung von unerwünschter, aber legaler Spyware und Adware nimmt weiterhin rasant zu. Die möglichen Gegenmassnahmen wirken allerdings nur beschränkt.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/09

Neulich beim Websurfen: Die Seite wird geladen, der Inhalt in einem kurzen Blitzer angezeigt. Und dann nur noch Weiss, das komplette Browserfenster absolut jungfräulich weiss. Zweiter Versuch mit einer anderen Site, Ergebnis dito. Beim dritten Versuch erscheinen zwar die gewünschten Inhalte, zahlreiche Wörter sind aber mit einer Site namens "ntsearch.com" verlinkt. Ein unbekannter Virus, der Webseiten reinwäscht und neue Links setzt? Und das hinter Corporate-Firewall und Enterprise-Virenscanner? Gibt's doch gar nicht!



Gibt es doch, wie eine kurze Suche bei Google zeigt: Der Unhold heisst Spooner und ist kein Virus, sondern ein sogenannter Hijacker. Er manifestiert sich in einem Task namens "sp.exe", einem ebenso benannten Programm im Windows-Ordner und einigen Registry-Einträgen. Spooner sammelt heimlich Daten über das Surfverhalten des Anwenders und versucht, diesen auf die Suchseiten des Anbieters CoolWebSearch (CWS) zu locken, zu denen auch "ntsearch" gehört - diese Firma hat mit ihren zahlreichen Trojanern und Hijackern, von denen Spooner nur einer ist, im Verlauf des letzten Jahres eine eher zweifelhafte Berühmtheit erlangt.



CWS ist allerdings nur einer von vielen Exponenten in der schnell wachsenden Szene der Hersteller von Spy- und Adware und ähnlichen digitalen Ärgernissen. Wurden noch im Jahr 2000 kaum solche Programme gefunden, findet sich heute kaum noch ein vernetztes System, das nicht mit derartiger Software verseucht ist.


Unlauter, aber legal

Nicht jedes der immer zahlreicheren Programme, die in die Kategorie der Spyware, Adware oder Sneakware gehört, ist dermassen einfach zu erkennen wie Spooner. Viele davon arbeiten komplett im Verborgenen und sind so gut getarnt, dass sie kaum zu identifizieren und noch weniger aufzuhalten sind. Entsprechend erbittert ist denn auch der Kampf, den sich die Hersteller von Antivirus-Programmen und spezialisierter Tools wie Ad-Aware oder Pest Patrol mit den Verbreitern von Spyware liefern - mit den immer raffinierteren Methoden der letzteren ist kaum Schritt zu halten.



Dabei sind Spy- und Adware keineswegs ein neues Phänomen. Erste derartige Programme wurden bereits vor Jahren entwickelt, weite Verbreitung fanden sie allerdings erst, als die Autoren von Freeware-Programmen und insbesondere von Filesharing-Tools erkannten, dass mit Adware bares Geld zu verdienen ist, indem der Anwender bei der Nutzung ihrer Software ständig mit Werbung berieselt wird.



Die harmloseren Adware-Tools beschränken sich denn auch auf die permanenten Werbeeinblendungen, andere dagegen sammeln im Hintergrund Informationen über den Anwender und leiten diese an den Hersteller und seine Partner weiter, auf dass diese ihre Werbung noch gezielter einsetzen können. Dabei werden mitunter auch Einstellungen des Browsers und anderer Software so verändert, dass sie zumindest von unbedarfteren Anwendern kaum wieder zurückgesetzt werden können.



Die eigentliche Tragik dahinter ist allerdings, dass weder Spyware noch Adware illegal sind. Im Gegenteil, bei vielen Programmen, mit denen die Unholde vertrieben werden, wird in den Lizenzvereinbarungen sogar explizit darauf hingewiesen, dass derartige Software-Bestandteile integriert sind; der Anwender gibt mit der Annahme der Bedingungen explizit seine Einwilligung dazu, dass die Hersteller seine Daten sammeln und die Sammlung ständig erweitern. Das Problem dabei ist einzig, dass kein Mensch die seitenlangen Lizenzvereinbarungen tatsächlich liest und es deshalb fraglich ist, ob die Einwilligung bewusst erfolgt.

 
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