Editorial

Philanthropen gegen Spam

Als typischer Papiertiger greifen die meisten Anti-Spam-Gesetze in der Praxis nicht.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/21

     

Montag morgen, 09:15, der Computer ist gebootet, die frischgefüllte Kaffee-Tasse dampft auf dem Tisch. Nun noch Outlook und Browser starten, gemütlich zurücklehnen und die erste Zigarette geniessen: Am Montag früh arbeitet zuerst mal nur der Rechner. Schliesslich dauert es seine Zeit, bis der Transfer der Nachrichten vom Server zum Mail-Client abgeschlossen ist.



126 neue Mails, davon zwei abonnierte Newsletter, eine Abwesenheitsmeldung und drei effektiv brauchbare Nachrichten. Zusätzlich auf dem GMX-Account 48 neue Mails, davon 48 im Ordner "Spamverdacht". Und dabei sind all die Nachrichten, die den Filter unbeanstandet überwunden und einen schon am Wochenende belästigt haben, noch nicht einmal berücksichtigt. Macht summa summarum gegen 200
überflüssige Spam-Mails.




Die typische Ausbeute eines normalen Wochenendes und eine Szene, die wohl jedem Leser bekannt vorkommt.



Da ist es nur recht und billig, dass Spam endlich Chef-Sache wird (vgl. Seite 14). Einer der grössten Philanthropen unserer Zeit, Bill Gates, hat jüngst in einer Rede verkündet, dass er sich des Problems künftig annehmen wird. Mit neuer, intelligenterer Filtersoftware und diversen anderen Massnahmen will Microsoft den Spammern das Handwerk erschweren und mittelfristig sogar ganz legen.



Dass Spam eine ernstzunehmende Plage ist, hat mittlerweile auch die Politik erkannt. Und schon wimmelt es von Richtlinien und Gesetzen wie jüngst in der EU und den USA, und sogar die Schweiz will ins künftige Fernmeldegesetz einen Anti-Spam-Artikel integrieren. Das Problem mit Richtlinien und Gesetzen: Sie klingen zwar hübsch und bringen möglicherweise sogar den Hinterbänklern in den Parlamenten zusätzliche Stimmen, als typische Papiertiger greifen sie in der Praxis aber nicht oder gehen schlicht zuwenig weit.



Andere Vorschläge der jüngsten Zeit, darunter die Möglichkeit, die unerwünschten Nachrichten ausnahmslos zu retournieren und so die Spammer zuzuspammen, sind - mit Verlaub - wohl auch nicht der Weisheit letzter Schluss.



Die eleganteste Lösung, zu der Bill Gates und einige seiner Kumpels aus dem Club der spendablen Superreichen durchaus die Mittel hätten, blieb bisher allerdings ausser acht: Wenn nämlich die Spammer generös dafür bezahlt würden, dass sie absolut nichts tun, hätten sie es vielleicht auch nicht mehr nötig, die Welt mit ihren Botschaften zu beglücken...




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