Nokia Communicator 9210: Mobile Kommunikation total

Das Nokia-Smartphone Communicator 9210 vermag nur auf den ersten Blick zu überzeugen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2001/27

     

Alles in einem bringt Nokia mit dem neuen 9210 Communicator auf den Markt. Die Kommunikationszentrale vereint einen Internetzugang inklusive Mailzugriff mit mobilen Office-Anwendungen und diversen Entertainment-Funktionen. Telefonieren kann man damit natürlich auch.



Fans und Presse haben sich vor Begeisterung förmlich überschlagen, als der Nachfolger des legendären ersten Smartphones, des Nokia 9000, im Juni auf den Markt gelangte. Tatsächlich: Auf den ersten Blick macht das Gerät einen hervorragenden Eindruck, die Verarbeitung wirkt solide, das Design ist schlicht, die Bedienung weitgehend intuitiv.


Brillantes Display

Auf der Oberseite des Geräts sind ein kleines Monochrom-Display und die Handy-Tastatur mit dem Nokia-üblichen Bedienungskonzept plaziert. Die Funktionalität dieses Telefonteils entspricht derjenigen anderer moderner Handys, Überraschungen gibt es keine.



Die eigentlichen Leckerbissen verbergen sich im Inneren des aufklappbaren Gehäuses. Auffällig ist insbesondere das 640x200 Pixel grosse Aktivmatrix-TFT-Farbdisplay, das 4096 Farben darstellen kann. Der Bildschirm ist von einer hervorragenden Qualität und dank einstellbaren Kontrast- und Helligkeitswerten in verschiedenen Lichtsituationen gut lesbar. Texte und Bilder werden gestochen scharf angezeigt.




Die andere Hälfte des aufgeklappten Geräts wird von der Tastatur (leider ohne Tastenbeleuchtung) und weiteren Bedienelementen in Anspruch genommen. Hier finden sich Funktionstasten, über die die Applikationen des Smartphones schnell erreichbar sind, dazu ein Wippbutton für die Navigation sowie die neue "Menü"-Taste. Letztere ruft in den einzelnen Anwendungen Drop-Down-Menüs auf. Zusätzlich sind neben dem Display vier Buttons angebracht, die kontextmenüartig den Zugriff auf die wichtigsten Funktionen sicherstellen. Bei der Bedienung muss so ständig zwischen der Tastatur und diesen Knöpfen hin- und hergewechselt werden, was doch recht gewöhnungsbedürftig ist.



Insgesamt zeigt das Nokia 9210 aber ein durchdachtes, intuitives Bedienkonzept, auch wenn in einigen Situationen wie etwa beim Websurfen ein Touchscreen bessere Dienste leisten würde.




Lahme Performance

Angetrieben wird das Smartphone von einem 32-Bit-RISC-Prozessor auf ARM-Basis, dessen Taktrate Nokia nicht bekanntgeben will. Das erstaunt wenig, legt der Communicator doch eine ziemlich behäbige Arbeitsgeschwindigkeit an den Tag. Der Wechsel zwischen einzelnen Applikationen dauert mehrere Sekunden, und auch innerhalb der Anwendungen ist oft Warten angesagt.




Auch weitere technische Details werden von Nokia geheimgehalten. So bleibt etwa unbekannt, wie viel interner Speicher dem Anwender zur Verfügung steht. Immerhin können Daten zusätzlich auf austauschbare MultiMedia-Cards gespeichert werden. Der Lithium-Ionen-Akku kommt im Standby-Betrieb mit einer Ladung für 230 Stunden aus, bei intensiver Nutzung des Communicators sinkt die Einsatzdauer rapide.


Umfangreiche Software

Auf der Softwareseite glänzt der Communicator einerseits mit einer hohen Funktionalität, bietet andererseits aber auch einige Enttäuschungen.



Auf der einen Seite finden sich hier mit einem Kontaktmanager und einem Kalender die typischen PDA-Funktionen, die mit zahlreichen weitverbreiteten Desktop-PIMs wie Outlook oder Notes synchronisiert werden können. Allerdings liefert Nokia keine passende PIM-Software mit, was bei PDAs eigentlich eine Selbstverständlichkeit wäre. Dazu kommen Probleme mit der Synchronisation: Mitunter verträgt sich die Nokia-Anwendung mit eigentlich unterstützten PIMs nicht, und bei Outlook werden als privat markierte Adresseinträge schlicht ignoriert.




Seinem Namen als Communicator wird das Nokia mit dem Webbrowser und den verschiedenen sogenannten Mitteilungsanwendungen gerecht. Neben E-Mails kann der Mitteilungsteil auch mit Faxen und SMS umgehen, die sich über die Tastatur sehr komfortabel erstellen lassen. Der Zugriff auf Internet und Mail funktioniert entweder über GSM oder über das HSCSD-Protokoll, das zwar höhere Durchsatzraten garantiert, aber auch ziemlich teuer kommt.



Ein Highlight sind die integrierten Office-Anwendungen. Hier finden sich eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation sowie eine Anwendung zum Betrachten von Präsentationen. Die einzelnen Applikationen sind zu ihren Microsoft-Pendants kompatibel, allerdings werden nicht alle Funktionen und Formatierungen von Desktop-Word oder -Excel-Dokumenten unterstützt.



Der Datenabgleich zwischen Desktop und Communicator erfolgt über ein serielles Kabel und die mitgelieferte PC-Suite, die leider ausschliesslich für Windows erhältlich ist.



Schliesslich verfügt das Nokia 9210 standardmässig über diverse Zusatzanwendungen, einige davon auf der mitgelieferten CD-ROM. Herkömmliche Symbian/Epoc-Software lässt sich auf dem Communicator allerdings nicht installieren.



Unter dem Strich

Mit einer Grösse von 158 x 56 x 27 Millimeter und gut 250 Gramm Gewicht ist das Gerät für die Jackentasche zu gross. Ein separates Handy und ein handelüblicher PDA bringen es zwar zusammen auf ein ähnliches Gewicht, sind aber insgesamt flexibler einsetzbar und deutlich günstiger. Dafür hat man mit dem Communicator - so man ihn denn überhaupt ständig mitträgt - garantiert immer sowohl Handy als auch Organizer zur Hand. Leider trüben diverse Ungereimtheiten den zunächst guten Eindruck.



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