Swisscom kauft sich eine Finanz-Zukunft

60 Millionen Franken bezahlt Swisscom IT Services für den etablierten Bankendienstleister Comit.
23. September 2005

     

Swisscom IT Services (SCIS) hat eine Lösung für ihren AGI-Bereich gefunden. Sie kauft für
60 Millionen Franken den Bankendienstleister Comit. Seit die Deutschschweizer Kantonalbanken als ehemalige AGI-Besitzer die Abkehr von der Bankenplattform beschlossen hatten, war nicht klar, wie Swisscom die rund 220 in diesem Teilbereich tätigen Mitarbeiter weiter beschäftigen will. Jetzt sollen sie in die Comit integriert werden, die als selbständiges Unternehmen mit künftig 420 Mitarbeitern weitergeführt wird. Das Applikationsmanagement verantwortet künftig die Comit, der RZ-Betrieb bleibt bei SCIS.





Das Management der neuen Comit setzt sich aus sechs Partnern der bisherigen Comit und drei Vertreter von SCIS zusammen. Die Partner als bisherige Besitzer betonen ausdrücklich, dass sie auch weiterhin die Verantwortung übernehmen wollen. «Der Entscheid, vom Mitinhaber wieder zum Angestellten zu werden, war nicht einfach», gibt der neue CEO, Urs Buner, zu bedenken.
Aber ohne starken, im RZ-Geschäft etablierten Partner wäre die längerfristige Zukunft von Comit schwierig geworden. Heute profitiert der Dienstleister als grösster Avaloq-Implementationspartner und als bedeutender Finnova-Partner von der Gesamtbankenlösungswelle,
die über die Finanzinstitute rollt.
Es ist aber absehbar, das dieses Geschäft abnehmen wird. An die Wartungs- und Unterhaltsverträge für die Applikationen komme man einfacher über den Betrieb, so Buner.



Keine Stellengarantie

Für die AGI-Mitarbeiter bedeutet der Transfer zu Comit keine Stellengarantie. «Wir bieten ihnen eine Perspektive, von der AGI-Plattform auf moderne Standardplattformen wechseln zu können», wie SCIS-CEO und Comit-Verwaltungsratspräsident Michael Shipton erklärt. «Uns ist bewusst, dass die Integration der AGI-Mitarbeiter eine grosse Herausforderung ist», ergänzt der neue Comit-CEO Urs Buner. Tatsächlich sind die Unternehmenskulturen von Comit und AGI sehr unterschiedlich. Shipton führt die dynamische Kultur von Comit denn auch als einen der Kaufgründe an.



IT-Services gebären Service-Töchter

Das Comit-Modell setzt aber auch generelle Massstäbe für SCIS. Für sie sei es extrem wichtig, dass die Trennlinie zum Applikationsbetrieb klar definiert sei, damit keine unnötigen Reibungsflächen entstehen, erklärt das Comit-Geschäftsleitungsmitglied Marcel Walker. Diese klare Trennung kann aber nur aufrecht erhalten werden, wenn sie auch für andere vertikale Outsourcing-Kompetenzfelder gilt. SCIS wird also auch allfällige künftige E-Healthcare- oder Mediendienstleistungen als unabhängige Tochtergesellschaften führen müssen, wenn nicht ein Kompetenzdurcheinander entstehen soll.





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