Wenn Terroristen noch die Schulbank drücken

Wenn Terroristen noch die Schulbank drücken

14. Mai 2004 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/10

Der Geduldsfaden ist inzwischen bei den meisten gerissen. Virenautoren sind keine Robin Hoods für ein freies Internet. Es sind Kriminelle, die beträchtlichen Schaden anrichten Terroristen, um sie auf den gemeinsamen Nenner für alles Böse zu Beginn des dritten Jahrtausends zu bringen. Und was wirkt gegen Terroristen, die in Sympathisanten-Kreisen untertauchen? Denunziation! Ein Kopfgeld hat schliesslich auch Saddam Hussein zur Strecke gebracht. Also hat Microsoft einen Fonds eingerichtet, um Hinweise auf Virenautoren und -verbreiter dank schnödem Mammon zu erhalten.



Und die Taktik wirkt. Der Sasser- und Netsky-Schreiber wurde verpfiffen. Für lumpige 250'000 Dollar notabene, die zudem erst nach der Verurteilung ausgezahlt werden sollen. Dummerweise ist den Strafverfolgungsbehörden dabei nicht ein menschenverachtender Terrorist mit fundamentalistischem Bart in die Hände geraten, sondern ein knapp 18-jähriger Schüler, von dem es zudem heisst, er hätte mit seinem ersten Virus, Netsky, eigentlich nur Gutes tun wollen ein tragischer Robin Hood des Internets in nächtlicher Computer-Einsamkeit. Diese Tatsache mindert zwar nicht den Schaden, den der ostdeutsche Teenager angerichtet hat. Der Ruf, die Gesetze mit grösstmöglicher Härte zuschlagen zu lassen, bleibt allerdings schon im Hals stecken.



Und im Grunde wundert dies auch kaum. Denn eigentliche Kriminelle Trojaner-Schreiber aus dem Umfeld von organisiertem Verbrechen und Spam-Industrie wird man auf diese Weise kaum je zur Strecke bringen. Zumal in diesen Kreisen die Verantwortlichkeiten so verteilt sein dürften, dass es schwierig wird, einzelnen bestimmte Tatbestände überhaupt nachzuweisen.



Aber warum kommen Teenager auf die Idee, sich im Internet ausserhalb der Gesetze zu stellen? Könnte dies auch damit zusammenhängen, dass sie mit dem Traum des freien weltweiten Netzes gross geworden sind und ihnen jetzt die Computer- und Medienindustrie mit Patent- und Urheberrechtsgesetzen selbst überlieferte analoge Rechte wie Privatkopie und Geräte-Modding wegnehmen will?



Sind Sie der Meinung, für Virenautoren sollte unbesehen von Alter, Motivation und Herkunft «Null Toleranz» gelten, oder sind nach Ihrer Ansicht in erster Linie die Hersteller selber für die Sicherheitsprobleme verantwortlich? Schreiben Sie mir an dmeierhans@compress.ch.

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