Besuch im Linux-Kanton

Besuch im Linux-Kanton

6. Juni 2008 - Solothurn hat als erster Kanton auf Server und Desktop die Linux-Migration im Vollzug. Windows und Office wird keine Träne nachgeweint.
Artikel erschienen in IT Magazine 2008/11

Der zunehmende Kostendruck in öffentlichen Verwaltungen und die steigende Qualität von Open-Source-Software lässt immer mehr Behörden darüber nachdenken, der proprietären Software von Microsoft und Co. den Rücken zu kehren. Den Mut zum Schritt zu Open Source haben freilich nur wenige getan, handelt es sich doch mangels Erfahrungen um unerforschtes Territorium. Entsprechend grosse Bedeutung kommt sogenannten «Leuchtturm-Projekten» zu, bei denen die Migration zu freier Software aller Unkenrufe zum Trotz gewagt wird.


Eines dieser Leuchtturm-Projekte wird seit 2001 im Kanton Solothurn durchgeführt. Die kantonale Verwaltung hat dabei nicht nur wie einzelne andere Stellen die Windows-Server gegen Linux-Server ausgetauscht, sondern löst seit Anfang 2007 auch auf den rund 2000 Desktops Windows durch Linux ab. Wir haben knapp eineinhalb Jahre nach dem Start der Einführung von Linux auf dem Desktop mit Kurt Bader, Leiter des Amts für Informatik und Organisation (AIO), über die Motive, Erfahrungen und Lehren aus der Migration gesprochen.




Aktuelle Systemarchitektur des Kantons Solothurn


Frühe Weichenstellung

Die ersten Weichenstellungen mit Hinblick auf eine mögliche Migration der Kantonsinformatik wurden in Solothurn bereits im Jahr 1999 vorgenommen. Damals wurde entschieden, die rund 2000 teils sehr unterschiedlichen Fat Clients, die auf Basis von Windows NT betrieben wurden, gegen Thin Clients auszutauschen und auf Server-based Computing mit Windows NT und Citrix Metaframe zu setzen. Ziel war die Reorganisation und Zentralisierung der gesamten IT, um den Unterhaltsaufwand zu minimieren, beispielsweise durch Minimierung der Anwendungen und durch Einschränkung der Anwenderfreiheiten. Dadurch sollte ausserdem die künftige Migration auf ein anderes Betriebssystem erleichtert werden.




Im Jahr 2001 fiel der Entscheid, auf Seite der Server und auch langfristig auf Seite der Clients auf Linux zu setzen. Ausschlaggebend für diesen Entscheid waren mehrere Kriterien: einerseits die Kosten und andererseits die Reduktion der Lieferantenabhängigkeit wie die Möglichkeit, schlanke Umgebungen zu realisieren. «Man kann beispielsweise selber entscheiden, welche Services auf einem Server installiert und aktiv sind, was positive Auswirkungen auf die Sicherheit hat.



So gibt es bei uns Server, die aus diesem Grund über Jahre hinweg nicht verändert werden müssen», erläutert AIO-Vorsteher Bader. Das schrittweise Vorgehen wählten die Verantwortlichen aus mehreren Gründen, wie Kurt Bader erklärt: «2001 haben die Desktop-Lösungen noch nicht unseren Vorstellungen entsprochen. Wir haben dann die Serverumstellung genutzt, um intern Linux-Know-how aufzubauen, damit wir dann für die Desktop-Umstellung bereit sind.» Zweifel, dass die Linux-Desktops nicht die nötige Reife erreichen würden, hatte Kurt Bader nicht: «Die Zeit hat für uns gearbeitet.» Vermisst wurden vor allem Managementlösungen, die ein automatisches Aufsetzen von Systemen und ein komplettes Benutzer- und Rechtemanagement ermöglichen.




Bei der Serverumstellung wurden die Datei-, Print- und Messa-
ging-Server durch Red Hat Enterprise Linux respektive Fedora Core und Scalix an Stelle von Exchange ersetzt. Für die Clients kam nach wie vor Windows NT mit Microsoft Office 97 und Outlook 98 zum Einsatz, das über einen Connector mit Scalix verbunden war. Ebenfalls wurde damit begonnen, neue Applikationen so auszuschreiben, dass sie entweder auf Windows und Linux laufen (Java) oder direkt webbasiert sind. Ebenfalls eingeführt wurde das Tarantella-Webportal von der gleichnamigen, mittlerweile zu Sun gehörenden Firma, das den Browser-basierenden Zugriff auf sämtliche Intranet-Applikationen ermöglicht.

 
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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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