Asus Eee PC: Mobile Surfstation

Ist der Hype um Asus‘ Eee PC berechtigt? Wir haben das Paket aus Mini-Notebook und Orange Internet Everywhere auf seine Business-Tauglichkeit getestet.
9. Mai 2008

     

Die IT-Industrie versucht, die Lücke zwischen Smartphone und Notebook zu schliessen. Nachdem die UMPCs mangels Leistung und wegen eines zu hohen Preises spektakulär gefloppt sind, hat Asus mit dem Eee PC einen Überraschungserfolg gelandet. Im Internet hat sich ein veritabler Hype um das kleine und billige Gerät entwic­kelt, Asus kommt mit dem Nachschub kaum nach, und die Konkurrenz arbeitet eifrig daran, eigene Mini-Notebooks nach Eee-Vorbild auf den Markt zu werfen.



Die Nachschubprobleme sind auch der Grund, warum es gedauert hat, bis das Gerät offiziell in der Schweiz auf den Markt kam. Seit dem 28. April bietet es Orange in einer auf die Schweiz adaptierten Version mit einem USB-UMTS-Modem (Option iCON 225) sowie Internet-Everywhere-Abo an. Damit positioniert es Orange als Werkzeug für mobile Information Worker. Doch ist ein Billig-Notebook überhaupt dazu geeignet?



Schnellstarter

Auf den ersten Blick sind Zweifel angebracht. Der Mini-Laptop erinnert nicht nur optisch mit seinem kleinen 7-Zoll-Bildschirm (Auflösung 800 x 480) und den überdimensionalen Lautsprechern an einen Spielzeugcomputer aus dem Warenhaus. Auch die Ausstattung ist keineswegs High-end: Ein von 900 auf 630 MHz heruntergetakteter Intel Celeron M ULV wird von 512 MB RAM und einer 4 GB fassenden SSD unterstützt, die gemeinsam ein auf den Eee PC angepasstes Xandros Linux antreiben. Doch auf den zweiten Blick hält der Eee PC die eine oder andere Überraschung bereit.


Bezüglich Konnektivität mit der Aussenwelt bietet der Eee PC beispielsweise einiges: Einen VGA-Ausgang (maximal 1600x1280), 3 USB-Ports, einen Fast-Ethernet-Anschluss, WLAN (802.11b/g), einen Audio-Aus- und Eingang, einen MMC/SD-Slot und eine VGA-Webcam samt Mikrofon, womit sich der Eee PC auch für Videotelefonie eignet. Dank dem vom Orange beigelegten UMTS-Modem kann man auch fernab vom drahtgebundenen oder drahtlosen Büronetzwerk ins Internet gehen und ist somit bestens ausgerüstet.



Startet man den Eee PC, fährt er dank SSD in gerade einmal 25 Sekunden hoch. Es erwartet einen ein aufgeräumter Desktop, der mit den herkömmlichen Desktops – sei es Windows, Mac OS X oder Linux – nur wenig gemein hat. Die Programme sind über eine Reiterleiste am oberen Bildschirmrand erreichbar. Die aufs nötigste reduzierte Taskleiste kuschelt sich an den unteren Bildschirmrand. Die Programme sind nach Kategorien wie Internet, Arbeiten oder Lernen gruppiert und werden weitgehend durch einheitlich gestaltete Icons repräsentiert, die ihre Aufgabe symbolisieren. Auch sind sie nicht mit dem eigentlichen Produktnamen angeschrieben. Die Tabellenkalkulation aus OpenOffice namens Calc versteckt sich beispielsweise hinter der Bezeichnung «Tabellenkalkulationen», der Webbrowser Firefox hinter «Web». Nur einige Ausnahmen wie Skype blieben von dieser Änderung unberührt. So sollten sich sowohl Laien als auch Profis schnell in der ungewohnten Umgebung zurechtfinden.



Angestaubte Software

Als Window Manager kommen weder KDE noch GNOME, sondern der schlanke IceWM zum Einsatz. Eine Vielzahl der Programme sind allerdings KDE entlehnt. Dazu gesellen sich die üblichen Top-Shots der Open-Source-Applikationen: Firefox als Webbrowser, OpenOffice.org als Büroanwendung und Mplayer zum Abspielen von Multimedia. Mit Skype und dem Acrobat Reader sind auch zwei proprietäre Applikationen vertreten.


Die Applikationsauswahl wirkt insgesamt stimmig und bringt Anwendungen für die wichtigsten Aufgaben mit: Nebst den bereits erwähnten Programmen findet man unter anderem Instant Messenger, Hilfswerkzeuge wie einen Taschenrechner, ein paar Lernprogramme (Funktionsplotter, Planetarium usw.) und sogar einige Spiele sind vorhanden. In Kombination mit Webcam und Mikrofon können auch Video- respektive Tonaufnahmen vorgenommen werden. Dazu gibt es allerlei Verknüpfungen zu Webdiensten wie Google Docs oder verschiedenen Webmail-Anbietern wie Hotmail oder Yahoo.



Ein für Business-User wichtiges Synchronisationswerkzeug ist in Form von KitchenSync zwar vorhanden, aber nicht über das GUI zugänglich. Die noch wichtigere VPN-Unterstützung fehlt komplett. Die Software ist allgemein etwas alt. OpenOffice.org ist gerade einmal in der Version 2.0 vorhanden, dabei ist 2.4 aktuell. Software-Updates lassen sich zwar über ein integriertes Programm vornehmen, nur ist Asus beim Bereitstellen von Upgrades sehr konservativ.


Ein Modifizieren der Arbeitsumgebung und das Ergänzen weiterer Programme ist nur sehr begrenzt möglich und erfordert in der Regel den Umweg über die Shell (aufzurufen mit Ctrl + Alt + T) und ordentliche Linux-Kenntnisse. Damit dürfte es für die wenigsten Anwender ein gangbarer Weg sein, auch wenn es viele Anleitungen im Netz gibt (Einstiegspunkt www.eeeuser.com). Insofern muss man sich mit der vorhandenen Software zufriedengeben. Immerhin lässt sich beispielsweise Firefox mit Extensions erweitern, sodass man über diesen Weg beispielsweise einen RSS-Reader erhält.



Zügige Arbeit

Trotz der schwachbrüstigen Hardware lässt sich mit dem Eee PC zügig arbeiten. Die Programme laden schnell, und Ruckler konnten bei den verschiedenen Aufgaben wie dem Aufnehmen oder Wiedergeben von Videos nicht festgestellt werden.


Der Bildschirm wie die Benutzer­oberfläche ist deutlich und angenehm zu lesen. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich noch einiges erkennen. Die Blickwinkelabhängigkeit ist gering. Angenehmem Arbeiten unterwegs steht damit nichts im Weg. Selbstverständlich könnte der Bildschirm grösser sein. Er ist zum Surfen, zum Lesen und Schreiben von
E-Mails aber ausreichend. Selbst zum Editieren von Textdokumenten oder Präsentationen hat man genug Platz.



Den Spass beim Schreiben von E-Mails oder Dokumenten vergällt die Tastatur: Der Anschlag ist wenig präzise. Für Irritation sorgt ausserdem, dass auf den Tasten zwar das Schweizer Layout aufgedruckt ist, beim Eee PC aber nach wie vor die deutsche Tastenbelegung voreingestellt ist – ohnehin ist als Umgebug de_DE statt de_CH konfiguriert. Um dies zu ändern, muss man wieder zur Konsole greifen und dort das Programm kcontrol aufrufen. Von der Grösse reicht die Tastatur nur leidlich fürs 10-Finger-System, mit dem Adler-Such-System geht’s dank dem vertrauten QWERTZ-Layout aber ganz flott von der Hand.



Soundmaschine

Kamera und Mikrofon lassen sich sowohl für Video- respektive Audioaufnahmen als auch für (Video-)Telefonie nutzen. Bei Bedarf kann man auch ein Headset über die Klinken-Buchsen anschliessen. Die Kamera liefert gute Bilder selbst bei abgedunkelten Räumen und schafft 30 Frames pro Sekunde. Die Qualität der Lautsprecher ist überraschend gut, sodass sogar das Ansehen von Musikvideos Spass machen kann.



Ausser Flash spielt der Eee via Mplayer auch Windows-Media-, Real- und Quicktime-Streams und -Videos ab, womit sich so ziemlich jedes Internet-Videoangebot nutzen lässt. Allerdings muss man beachten, dass die Codecs nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit sind und deshalb vielleicht mal der Ton fehlt oder das Video zu schnell abgespielt wird.



Wenig Speicher

Die Festplatte selbst ist bei der 4-GB-Version des Eee zu gut zwei Dritteln mit dem Betriebssystem belegt. Das heisst, es bleiben nur 1,3 GB für eigene Daten übrig. Wer mehr braucht oder will, kann sie entweder mit einem USB-Stick oder mit einer Speicherkarte um einige Gigabytes vergrössern, was für die meisten mobilen Anwender reichen dürfe.


Die UMTS-Verbindung funktioniert einwandfrei. Leider hat Orange vergessen, die APN («mobileoffice3g») anzugeben, ohne die man sich nicht anmelden kann. Bei der Kontaktaufnahme zu kabelgebundenem Ethernet muss man ab und zu die Verbindung erst von Hand aktivieren, wenn man das Kabel während des Betriebs einsteckt. Beim WLAN vergisst der Eee PC gerne das Netzwerk-Passwort.



Der Akku hält laut Hersteller etwa 3 Stunden, was je nach Nutzungsintensität etwa hinkommt. Das Netzteil scheint allerdings etwas schwach zu sein, sodass der Akku bei gleichzeitiger Nutzung des Eee PC nur sehr langsam lädt.


Ist dem vorinstallierten Betriebssystem etwas zugestossen oder möchte man Windows oder ein anderes Linux ausprobieren, muss man mangels optischem Laufwerk auf ein externes CD-ROM oder einen USB-Stick/Festplatte als Bootmedium zurückgreifen. CD, Anleitung und Werkzeuge zum Restore von Xandros Linux liegen bei. Auch die Installation von Windows ist erklärt, wenn auch wenig empfehlenswert, da es nicht auf den kleinen Bildschirm ausgelegt ist. Dies gilt auch für andere Linux-Distributionen.





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