XML soll schneller werden

Die flexible Markup-Sprache XML erzeugt bei der Verarbeitung zuviel Overhead. Abhilfe soll nun eine binäre Version schaffen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2005/02

     

Da XML ideal für den unkomplizierten Datenaustausch zwischen ansonsten inkompatiblen Applikationen ist, verwundert es wenig, dass die flexible Markup-Sprache äusserst beliebt ist. Der flächendeckende Einsatz bringt aber Probleme mit sich. So sorgt XML besonders im Internet-Bereich und bei der Verwendung mit leistungsschwachen
Clients wie Mobiltelefonen für grosse Performance-Probleme. Sowohl Sun als auch die XML-Erschafferin W3C wollen sich dem Problem nun annehmen. Die Lösung soll ein binäres XML sein.



Ressourcenintensives Parsen

Das Problem dürfte vor allem der programmierenden Zunft bekannt sein: Der XML-Standard verlangt, dass XML als Plaintext mit Markup abgespeichert wird. Dies hat zwar den Vorteil, dass jedes XML-Dokument, ob Export aus einem Adressbuch oder Informationen über eine Bestellung in einem Webshop, sowohl von Menschen mit einem Standard-Texteditor gelesen als auch von Maschinen auf einfache Weise geparst werden können. Allerdings bringt dieses Parsen den Nachteil, dass die maschinelle Verarbeitung von XML mit steigender Dokumentgrösse immer langsamer wird und dabei unverhältnismässig viele Ressourcen verbraucht. Dieses Problem wird dadurch noch verschärft, dass bei XML das Verhältnis zwischen gesendeten und realen Daten sehr ungünstig ist.






Um dies in den Griff zu bekommen, haben sowohl Sun Microsystems als auch das World Wide Web Consortium (W3C) damit begonnen, Gedanken in Richtung eines binären XML-Formats zu spinnen. Während das W3C die Binary Characterization Working Group eingesetzt hat, welche darüber nachdenken soll, in welchen Fällen ein binäres XML sinnvoll sein könnte, hat Sun mit dem Open-Source-Projekt Fast Infoset bereits Nägel mit Köpfen gemacht und präsentiert nach einem Jahr Arbeit erste Resultate. So gelang es den Sun-Ingenieuren, Applikationen mit Hilfe des binären XMLs um den Faktor 2 bis 3 zu beschleunigen.
Neben Sun stehen auch weitere Firmen hinter der Idee des binären XMLs, insbesondere die Hersteller von Consumer-Electronics wie Canon oder die Handyproduzenten wie Nokia.



Inkompatibilität befürchtet

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. So äusserst sich vor allem Tim Bray, Mit-Erfinder von XML und Leiter in Suns Softwaregruppe, kritisch. Er fürchtet insbesondere, dass das klassische und das binäre XML zueinander inkompatibel sein könnten, da gerade die Textform das ist, was XML in der Praxis so erfolgreich macht. So ist er dafür, keine Risiken einzugehen, zumal er der Meinung ist, dass die Personen, die hinter dem binären XML stehen, sicher auch eine bessere Lösung finden könnten. Ähnliche Stimmen kommen auch von IBM, wo man insbesondere den zusätzlichen Traffic-Verbrauch des klassischen XML als unproblematisch ansieht, da sich die verfügbaren Bandbreiten kontinuierlich erhöhen.
Ob das binäre XML jemals kommt, wird vor allem von der neu eingesetzten Working Group des W3C Consortium abhängen. Und die hat sich bislang noch nicht geäussert.





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