MySQL-Geschäftsmodell und Open Source auf Kollisionskurs

MySQL-Geschäftsmodell und Open Source auf Kollisionskurs

16. April 2004 - Mit dem Lizenzwechsel von der LGPL zur GPL zeigt MySQL die Grenzen der Open-Source-Lizenzen auf.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/08

Mit der Veröffentlichung von MySQL 4.0 hat MySQL verhältnismässig still und leise die Lizenz der Client Library von der LGPL auf die GPL umgestellt. Was an sich nicht spektakulär klingt, hat für ordentlich Wirbel gesorgt, als die ersten Betaversionen von PHP 5 auf einmal ohne MySQL-Extension ausgeliefert wurden. Von einem Tag auf den anderen geisterte ein Schreckgespenst durch das WWW, und unzählige Entwickler fragten sich, ob sie bald all ihre Webapplikationen mit MySQL-Back-end auf eine andere Datenbank portieren oder Lizenzgebühren an MySQL entrichten müssten.


Früher war alles einfacher

Um das ganze Problem beleuchten zu können, muss man ein bis zwei Jahre zurückgehen. Damals war, wie der Grossvater sagen würde, vieles besser. Der MySQL-Datenbank-Server, veröffentlicht unter der GPL, konnte noch nichts, und die passende Client Library stand unter der LGPL und durfte ohne grosse Bedenken jeder Open-Source-Software beigelegt werden. Frei und kostenlos war das Motto. Das nötige Kapital zur Bezahlung der Entwicklung beschafften sich die Schweden durch kommerziellen Support, Schulungen und Lizenzverkäufe an Kunden. Wenn man sich nun fragt, was es denn da zu kaufen gäbe, wenn die Software unter der GPL respektive LGPL veröffentlicht ist, heisst das Zauberwort, damals wie heute, Dual Licensing.
Jeder Verfasser eines Objekts, das unter das Urheberrecht fällt, darf es so lizenzieren, wie er will. Er bleibt auch nicht auf eine einzelne Lizenz beschränkt, so kann man beispielsweise eine Software-Bibliothek unter der GPL veröffentlichen. Wem die GPL nicht gefällt, kann dafür eine Lizenz verkaufen, die ihn von der GPL befreit. Eigentlich noch immer ein einfaches Prinzip, denn für die Autoren von GPL-Software ist somit alles klar, sie können die GPL-Version der MySQL Client Library verwenden. Und Entwickler kommerzieller Software kaufen eine Lizenz. Doch gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl an Software, die in keine der beiden Schubladen passt. Es handelt sich dabei um Programme, die unter einer der Nicht-GPL-Lizenzen veröffentlicht wurden, beispielsweise der Apache-Lizenz (vgl. InfoWeek 06/2004), aber trotzdem der Open-Source-Definition entsprechen. Da die GPL nur mit sich selber kompatibel ist und eine Verwendung von GPL-Code in nicht GPL-kompatibler Software nicht gestattet, beginnt hier ein grosses Problem: Open-Source-Software wie PHP darf nicht mit der MySQL Client Library ausgeliefert werden.

 
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