Editorial

Totgesagte leben länger - erst recht der PC

In der IT-Welt ist es gang und gäbe, Technologien für tot zu erklären.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2001/01

     

In der IT-Welt ist es gang und gäbe, Technologien für tot zu erklären.
Angefangen bei den Mainframes über die Client/Server-Anwendungen bis hin zur lokal installierten Software; Beispiele finden sich zuhauf. Ein Dauerbrenner bei
derartigen Voraussagen ist und bleibt der PC. In regelmässigen Intervallen bemühten sich in den vergangenen fünf Jahren Larry Ellison, Scott McNealy und wie die typischen Anti-Wintel-Protagonisten auch alle heissen mögen, das Ableben des Personal Computers heraufzubeschwören. Dass dahinter handfeste Interessen stecken, ist ebenso einleuchtend wie offensichtlich.




Fakt ist, dass die einschlägigen Marktforscher für das laufende Jahr geringere Wachstumsraten bei den PC-Absätzen prognostizieren. IDC beispielsweise hat seine Zahlen für das weltweite PC-Wachstum kurz vor Weihnachten auf 16,6 Prozent revidiert. Zum Vergleich: Im Vorjahr wuchs der globale Markt noch um 18,8 Prozent. Die Prognosen der weiteren einschlägigen Marktforscher tendieren in die selbe Richtung. Wie diese im Detail aussehen, lesen Sie auf Seite 8.


Erneut ein Rekordjahr

Doch was heisst das im Klartext? Dass sich die PC-Absatzmärkte in Europa und den USA nicht mehr in derselben Weise werden ausdehnen können wie in den vergangenen Jahren, leuchtet ein. Dennoch sind die Wachstumsraten nach wie vor gewaltig: Von einem Zuwachs von über 16 Prozent können andere Industriezweige allenfalls träumen. Die Zahlen sagen aber auch etwas anderes aus: Noch nie wurden weltweit derart viele Rechner abgesetzt, wie es im laufenden Jahr der Fall sein soll.



Von einem baldigen Tod kann damit kaum gesprochen werden. Dies ist allenfalls Wunschdenken der oben genannten Sun- und Oracle-Vorsitzenden.




Die Omnipräsenz der PCs lässt sich meines Erachtens auch in den nächsten Jahren nicht wegdiskutieren, auch wenn durch die revidierten Prognosen die Hoffnungen an der Wallstreet gesenkt wurden und die Börsenkurse zahlreicher PC-Hersteller und -Ausstatter in den letzten Wochen massiv nachgaben.



Doch die Welt besteht nicht aus den USA und Europa allein. China und Indien, um nur zwei Beispiele zu nennen, werden sich zu gewaltigen Absatzmärkten entwickeln. Der führende PC-Hersteller in China, Legend Holdings, erwartet für das laufende Jahr eine Verdoppelung der Stückzahlen. Damit auch die US-Konzerne im Reich der Mitte kräftig werden mitmischen können, hat die Clinton-Administration vergangene Woche die PC-Export-Restriktionen für gerade diese Märkte gelockert, was schon im laufenden Jahr Wirkung zeigen dürfte.




Dotcom ist nicht gleich Dotcom

Andernorts hat das grosse Sterben allerdings tatsächlich eingesetzt, obwohl dies noch vor einem Jahr nur von den wenigsten Analysten für möglich gehalten wurde: Unzählige Dotcoms starben weg wie die Fliegen. Wer wie CDNow.com von einem Big Player à la Bertelsmann übernommen wurde, konnte noch von Glück reden.



Das jüngste Beispiel ist LetsBuyIt.com, wir berichten darüber in dieser InfoWeek-Ausgabe (Seite 15).




Dass sich die Geschäftsgänge bei Online-Shops aber auch zur Zufriedenheit entwickeln können, zeigen die Schweizer Anbieter. Gemäss unserer kleinen Umfrage sind viele Unternehmen mit den Umsätzen aus dem letztjährigen Weihnachtsgeschäft durchaus zufrieden.



Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Welche Farbe hatte Rotkäppchens Kappe?
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER