Editorial

Weshalb Schweizer Firmen Intel den Vorzug geben

Im Zusammenhang mit der jüngsten Intel-Roadmap ist InfoWeek der Frage nachgegangen, ob die Wahl des Prozessorherstellers in grösseren Unternehmen überhaupt von Bedeutung ist.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2002/36

     

Im Zusammenhang mit der jüngsten Intel-Roadmap ist InfoWeek der Frage nachgegangen, ob die Wahl des Prozessorherstellers in grösseren Unternehmen überhaupt von Bedeutung ist. Abgesehen von einer Ausnahme sind sich die angefragten Firmen einig: Sie setzen auf Intel.



Doch hat dies etwas mit der Qualität der Prozessoren zu tun? Ich denke nicht. Die wenigsten Schweizer IT-Verantwortlichen dürften überhaupt in der Lage sein, die technischen Spezifikationen der jeweiligen Prozessoren zu beurteilen oder zu gewichten. Hier vermag AMD als Herausforderer dem Marktführer sicherlich auch das Wasser zu reichen. Dasselbe gilt für die Performance: Wie die zahllosen Benchmark-Tests zeigen, hatte AMD beim Speed über Monate hinweg die Nase vorn. Im laufenden Jahr musste die Performance-Krone dann wieder an Intel abgegeben werden, da der Konzern die Taktraten rasanter in die Höhe schrauben konnte.




Doch auch die Geschwindigkeit dürfte für die Wahl von Intel kaum relevant sein: Ob eine Excel-Kalkulation nun in 7 oder 9 Sekunden erledigt ist, ist für die Wahl des Prozessorherstellers von untergeordneter Bedeutung.



Auch die Tatsache, dass Hersteller wie Dell nach wie vor den Einsatz von Intel-Prozessoren vorziehen, hat kaum etwas mit der Qualität oder der Leistungsfähigkeit der Pentium-Chips zu tun. Es geht um etwas ganz anderes. Michael Dell hat es im InfoWeek-Interview vorletzten Sommer mit aller Deutlichkeit auf den Punkt gebracht: "Welcher Hersteller hat mit AMD-Chips schon Geld verdient?"



Der Grund, dass Intel als Prozessorlieferant bei Grosseinkäufern vorgezogen wird, hat vielmehr mit der Marktführerschaft zu tun: Das Gros der Firmen legt Wert auf verlässliche Standards, und diese werden nun einmal eher durch Intel als durch AMD definiert. Verlässliche Standards heisst denn auch, dass das Zusammenspiel zwischen Prozessor und Motherboard sichergestellt ist oder dass die einschlägigen Softwarehersteller ihre Applikationen rechtzeitig auf die jüngsten Prozessor-Funktionen trimmen.



Doch ist dies bei AMD nicht auch der Fall? Ich bin mir hier nicht so sicher. Wirft man einen Blick auf die Diskussionen in der InfoWeek-Online-Community, wird offensichtlich, dass Risiken durchaus existieren: Angefangen von der Brenner-Software WinOnCD, die ihren Dienst auf AMD-Chips verweigert, bis hin zu Überhitzungen, die den Einsatz weiterer Lüfter nötig machen, finden sich allerhand Ungereimtheiten, mit denen sich AMD-Kunden auseinandersetzen müssen.



Bestellt ein Unternehmen nun 500 Clients, will man sich mit derlei "Kinderkrankheiten" - egal, von wem verschuldet - nicht auseinandersetzen. Da spielt es keine Rolle mehr, ob ein einzelner Rechner mit AMD-Prozessor jetzt 100 oder sogar 200 Dollar günstiger ist.



Dass es Intel gerade in der aktuell doch eher desolaten Wirtschaftslage gelingt, dem günstigeren Konkurrenten wieder Marktanteile abzunehmen, zeigt, dass nicht der Preis, sondern die Verlässlichkeit, die das Logo "Intel Inside" impliziert, das gewichtigere Argument ist.

(rd)


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