Editorial

Google-Erfolgsgeschichte: Ein zweischneidiges Schwert

Durch den bahnbrechenden Erfolg von Google wird die Suchmaschinen-Vielfalt gewaltig bedroht.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2001/43

     

Hat sich auch bei Ihnen Google als die leistungsfähigste Suchmaschine durchgesetzt? Seit rund einem Jahr setze ich mehrheitlich auf die innovative Search Engine.



Dass ich bei weitem nicht der einzige bin, der so denkt, zeigen auch die fantastischen Userzahlen, die Google verbuchen kann.


Allein auf weiter Flur

Die Konkurrenz muss angesichts dieser Erfolgsgeschichte vor Neid erblassen. Genau hier liegt aber auch die Kehrseite der Medaille: Zwar indexiert Google zur Zeit die meisten Webseiten, dennoch handelt es sich dabei nur um einen Bruchteil der weltweit aufgeschalteten Sites. Ein Grossteil der von Google nicht erfassten Webseiten findet sich aber zweifelsohne bei Konkurrenz-Engines wie AltaVista oder Lycos. Dass dem so ist, zeigt sich unmittelbar, wenn das Web mit einem Meta-Such-Tool wie etwa Copernic durchstöbert wird. Erst die Vielfalt der Suchmaschinen sorgt dafür, dass relevanter Content auch aufgefunden werden kann.



Durch den bahnbrechenden Erfolg von Google wird die Suchmaschinen-Vielfalt somit gewaltig bedroht. Immer mehr Konkurrenten müssen Federn lassen und sind gezwungen, ihren Laden dicht zu machen, da die einst so zahlreiche Klientel zu Google abgewandert ist.




Bereits heute nimmt Google eine Monopol-ähnliche Position ein; eine Tendenz, die sich meines Erachtens in der kommenden Zeit noch massiv verstärken dürfte.




Auf dem Weg zum Monopol

Die Beliebtheit von Google liegt aber nicht allein in der herausragenden Qualität der Treffer begründet. Diese werden auch in Sekundenschnelle geliefert; eine Leistung, die vergleichbare Engines auch nach x Jahren Webpräsenz nicht fertiggebracht haben. Last but not least kommt hinzu, dass die Site nicht mit bandbreitefressender Online-Werbung überladen ist.



Der jüngste Coup der Google-Macher wird den Trend noch weiter verstärken: Künftig sollen die Google-Benutzer über das Ranking abstimmen, wodurch die besten Treffer in der Resultatliste eine höhere Position erklimmen sollen. Wir berichten darüber in dieser InfoWeek-Ausgabe.




Der Plan ist nicht dumm: Grosse Investitionen sind nicht nötig, und man ist einzig darauf angewiesen, dass sich Otto Normalsurfer hierfür die Zeit nimmt. Wenn dem so sein wird, könnte das Konzept problemlos aufgehen. Bleibt nur zu hoffen, dass Business-User ihre Zeit nicht damit vertrödeln, die Google-Erfolgsstory anzuheizen, statt im eigenen Unternehmen den nötigen Effort zu leisten.



Eine weitere Google-Neuerung betrifft die Indexierung von Office-Dokumenten. Auch hier handelt es sich um ein Feature, das man bei den meisten Konkurrenz-Engines vergebens sucht.



Mit einem Rezept, um der googleschen Entwicklung in Richtung Monopol Einhalt zu gebieten, kann ich leider nicht aufwarten. Fakt ist: Wer sucht, der findet - und hat bei Google die besten Aussichten auf eine hohe Trefferquote.



Wie sehen Sie die Entwicklung auf dem Search-Engines-Markt? Was halten Sie von der marktbeherrschenden Stellung von Google? Schreiben Sie mir.



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