Surfer's Corner: Zweifelhafte Wahl durch das Zürcher Kaufleuten-Publikum

Die beste Website der Schweiz kommt bunt daher, ist animiert und wirbt für Knabbersachen - sie entspricht jedoch nicht den Bewertungskriterien für den Master-of-Swiss-Web-Titel.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2001/18

     

Der Würfel ist gefallen: Die beste Website der Schweiz kommt bunt daher, ist animiert und wirbt für Knabbersachen. Dem Auftritt des altgedienten Kartoffelfritierunternehmens Zweifel wurde in der Schlussrunde der "Master of Swiss Web"-Award verliehen, von den Veranstaltern als "Schweizer Oscar der E-Business- und Internetbranche" etikettiert.



Den Entscheid für die Site mit Frischegarantie fällte, nach der Vorauswahl durch eine Fachjury, letzten Endes das zur Preisverleihung in den Zürcher In-Club Kaufleuten geladene Publikum. Und hier liegt vermutlich das Problem - ich finde nämlich, man hat falsch entschieden.


Bloss ein grosser Werbespot

Die Website www.zweifel.ch ist zwar, das gebe ich unumwunden zu, wunderschön, ultracool, technisch einwandfrei umgesetzt und ein Paradestück von Flash-Design (mit der Ausnahme, dass zum Weiterscrollen bei den meisten Textfeldern für jede Zeile einzeln geklickt werden muss). Sie entspricht jedoch nicht den Bewertungskriterien für den Master-of-Swiss-Web-Titel, die unter www.bestofswissweb.ch aufgeführt sind: Weder scheint mir der Auftritt "richtungsweisend" noch wird damit in der Branche "eine Revolution ausgelöst".



Ähnliche Flash-basierte Sites gibt es im Web zuhauf, wenn auch eher selten aus Schweizer Produktion und von Schweizer Auftraggebern. Um "das umfassendste Enterprise Information Portal" handelt es sich ebenfalls nicht: Zweifel Online ist nichts anderes als ein gigantischer Web-Werbespot, der den "Krack-Znacks" des Herstellers zur szenengerechten und jugendorientierten Positionierung verhelfen soll. Wäre ich bösartig veranlagt, würde ich www.zweifel.ch als eine von vielen Websites im gerade modischen Stil bezeichnen.





Informationen rar

Eigentliche Informationen finden sich bei Zweifel nur am Rande: Neben den in dieser Web-Kategorie offenbar unvermeidlichen Elementen Online-Spiel ("Spiel das T. Crax Game"), Wettbewerb ("Snack&Win!"), Chat ("Snack and Chat!"), Screensaver-Download ("Get interactive toys") und der animierten Vorstellung des aktuellen Knabbersortiments ("Chips Show") finden sich an informativem Gehalt einzig einige grundlegende Angaben über das Unternehmen, darunter eine schön gemachte Tonbildschau zur Herstellung von Pommes Chips, eine illustrierte Firmengeschichte sowie aktuelle Stellenangebote. Auffallend ist das Fehlen jeglicher Ernährungsangaben - und nicht mal ein Gratismüsterli kann bestellt werden.





Mehr Gehalt und Innovation beim Zweitplazierten

Wie man liest, obsiegten die Zweifel-Seiten in der Publikumsgunst in erster Linie gegen das Reiseportal Beyoo, das die Swissair-Gruppe zusammen mit HP ins Leben gerufen hat. Immerhin hat diese Site mit dem ersten Platz in der Kategorie "Technologie" einen Sub-Oscar erhalten - meiner Meinung nach hätte sie gut und gerne den Hauptpreis verdient.



Beyoo ist ein Musterbeispiel für echten Surfer-Nutzen: Das Portal unterstützt den interessierten Kunden vor, während und nach der Reise. Natürlich steckt auch hier die Idee dahinter, dass irgendwann einmal ein Flug gebucht wird; es werden auf den Seiten immer wieder Spezialtarife beworben - aber www.beyoo.ch ist weit mehr als ein simpler Wrapper um ein Buchungssystem. Von der "Inspiration" (Reiseführer, interaktive Karten und Stadtpläne, Wetter, Wechselkurse und vieles mehr) und "Buchung" (bei über 540 Airlines, sortierbar nach Preis oder Flugplan) über die Unterstützung "Unterwegs" (SMS mit bestätigten Abflugs- und Ankunftszeiten, medizinischer Betreuung, Online-Übersetzungen) bis zur Betreuung "Nach der Reise" (Feedback, Linkliste aller Vielfliegerprogramme) finden Geschäftsreisende und Touristen in vier klar gegliederten Schritten eine Fülle von Informationen.




Das Ganze ist in einem durchaus attraktiven, aber für den Preisverleihungsrahmen Kaufleuten halt eben zu sachlichen Kleid gehalten. Doch ob der Surfer wirklich Show statt Information will, ist, man verzeihe mir den Kalauer, zweifelhaft. So manche rein werbeorientierte Website fristet ein schwach frequentiertes Dasein - leere Chats und Gästebucheinträge im Monatsabstand zeigen es deutlich.



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