Videoschnittlösungen: Fünf Werkzeuge für den goldenen Schnitt

Videoschnittlösungen: Fünf Werkzeuge für den goldenen Schnitt

23. April 2001 - Ein Vergleich von fünf professionellen Tools zur Videobearbeitung zeigt keine extremen Unterschiede in den Basisfunktionen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2001/15

Zum trivialen Vergnügen wird die Videobearbeitung am PC auch mit den aktuellsten Schnittlösungen nicht. EditDV, Premiere, Movie Pack, Vegas Video und Media Studio Pro sind umfangreiche Softwarepakete mit komplexen Funktionen, die teilweise schwierig zu bedienen sind.



Es gibt drei Kategorien von PC-basierten Videoschnittlösungen: Entry-Level-Pakete zum effektvollen Schneiden von Home-Videos wie Videowave, professionelle Lösungen mit Spezialhardware zum Erstellen von Videomaterial in Broadcast-Qualität wie Media 100 sowie die hier vorgestellten, rein softwarebasierten semiprofessionellen Produkte, die zu Preisen zwischen tausend und fünfzehnhundert Franken erhältlich sind und sich für die gesamte Verarbeitung der Videodaten auf die Leistung des PC-Prozessors und der Grafikkarte verlassen. Sie eignen sich sowohl für den ambitionierten Videoamateur als auch zur professionellen Produktion von Videomaterial für Multimedia-Titel und fürs Web.
Eines der wichtigsten Features dieser Produktekategorie: Alle Pakete unterstützen in der neuesten Version die Erfassung und Ausgabe im Digital-Video-Format (DV) von und zu den weitverbreiteten Mini-DV-Camcordern. Damit entfallen zahlreiche Probleme bei der Verarbeitung analoger Videosignale, und das Aufnahmegerät lässt sich dank OHCI-Gerätesteuerung (Open Host Controller Interface) in genormter Weise über die FireWire-Schnittstelle kontrollieren. Die DV-Unterstützung ist allerdings unterschiedlich gut implementiert - einigen Capture-Programmen sieht man deutlich an, dass sie eigentlich für Analogvideo konzipiert sind.


EditDV 2.0

Das Quicktime-basierte EditDV, verfügbar für Windows und MacOS, wird gelegentlich "Media 100 für Arme" genannt - es stammt ja auch von der hundertprozentigen Media-100-Tochter Digital Origin. Von allen vorgestellten Semipro-Paketen gleicht seine Oberfläche am ehesten den High-End-Lösungen: Man arbeitet grundsätzlich im Single-Track-Editing-Modus, auch 3-Point-Editing genannt, in dem Clips und Übergänge in der Timeline auf der selben Spur bearbeitet werden und nicht im A/B-Modus, der bei den anderen Programmen Standard ist - ausser bei Premiere, das die Wahl zwischen beiden Verfahren bietet. Wie Premiere ist EditDV eine reine Schnittlösung; Compositing-Funktionen sind mit Ausnahme einiger Titling-Effekte nicht enthalten. Das Single-Track-Editing ist für den Anfänger klar weniger eingängig als die A/B-Darstellung mit den beiden Clips auf separaten Spuren und dem Übergangseffekt auf einem dritten Track; für Profis ist es das tägliche Brot.



Die Oberfläche von EditDV ist schnörkellos und übersichtlich; sie bietet die üblichen Elemente, die bei allen Lösungen zu finden sind: ein Objektbrowser, der die Clips, Bilder und anderen Elemente zusammenfasst, aus denen das Projekt besteht, ein Monitor für Anzeige und Trimming von Quellclip und Programm, die Timeline, hier Sequenz genannt, sowie ein Hilfsfenster zur Effektwahl und einen Audio-Monitor. Ebenfalls in das Hauptprogramm integriert: das Capture-Fenster zur Vorschau und clipweisen Übertragung des Videomaterials vom Camcorder auf die Harddisk, das sehr bequemes Batch-Capturing erlaubt. Das Programm verzichet dagegen auf die Unzahl von Paletten und Fensterchen, die bei Multimedia-orientierter Software heute fast schon die Regel sind.



EditDV bietet - getreu der Maxime, wonach die Güte eines Films nicht proportional zur Verrücktheit der eingesetzten Special Effects ist - im Vergleich mit den anderen Produkten nur eine kleine Zahl von Filtern, die allerdings qualitativ absolut hervorragende Ergebnisse liefern: Neben einigen Quicktime-Filtern wie Weich- und Scharfzeichnen sind klassische, mit Keyframes animierbare Filterfunktionen wie Chroma- und Luma-Key, Picture-in-Picture, Pan-Zoom-Rotate und diverse Farbmanipulationen enthalten; dazu kommen konfigurierbare Übergangseffekte wie Iris, Dissolve und Wipe. Weitere Effekte von Drittherstellern lassen sich dank konsequenter Quicktime-Unterstützung beliebig ergänzen.



Das Produkt ist entweder als reines Softwarepaket oder zusammen mit einer IEEE1394-Karte erhältlich. Das 400-seitige Manual informiert kompakt und umfassend über die Programmfunktionen. Interessante Beigabe: Aufkleber für die Tastatur, mit denen die von Profi-Usern gerne gebrauchten Tastaturbefehle auf den ersten Blick ersichtlich werden.
Die Nachfolgeversion des getesteten Pakets ist bereits erschienen, stand uns aber nicht zur Verfügung. Version 3.0 heisst neu Cinestream und konzentriert sich vermehrt auf die Produktion von Streaming-Video in diversen Formaten samt interaktiven Möglichkeiten auf Basis der EventStream-Technologie von Media 100. Schon Version 2 bietet jedoch Unterstützung für die Ausgabe von Web-Video im Quicktime-Format.



 
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