Adobe Premiere 6: Link zum DV-Interface

Mit Unterstützung für digitale Videocams richtet sich Adobes Videobearbeitungstool Premiere 6 primär an Profi-User.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2001/07

     

Integrierte Vollunterstützung für Digital Video, Direktexport in diverse Webformate sowie verbesserte Tools und Workflows sind die Hauptattraktionen der neuen Version des Videoschnittpakets Premiere von Adobe. Mit Premiere 6 will der Hersteller, getreu seiner Network-Publishing-Vision, das ideale Videoschnitt-Tool für alle denkbaren Ausgabeformen wie Onscreen-Präsentation, Broadcast-Video und Web anbieten.


DV inklusive

Zwar nicht so einfach wie bei Einsteigertools à la Microsoft Windows Movie Maker oder iMovie auf dem Mac, aber dennoch hinreichend gradlinig gestaltet sich die Übernahme von Videomaterial ab einem Camcorder der beliebten MiniDV-Klasse: Gerät via iLink-Kabel an den PC anschliessen, aus dem Menü Movie Capture wählen, unter Settings/Device Control den Typ des angeschlossenen Video-Equipments einstellen und mit den Kontroll-Buttons im Capture-Fenster das aufgenommene Material Clip für Clip einlesen. Das Programm enthält dazu Voreinstellungen zur Steuerung der meisten aktuellen DV-Geräte vom Consumer-Camcorder bis zur Profi-DV-Maschine und berücksichtigt DV-Interna wie nicht quadratische Pixel und Widescreen-Format. Die Windows-Version unterstützt zudem das Open Host Controller Interface OHCI, das auch Windows-Usern die einheitliche Steuerung von DV-Geräten via IEEE-1394 (Firewire) erlaubt.



Bereits vor dem Überspielen erweist sich der neue Settings-Viewer als nützlich: Er zeigt alle relevanten Einstellungen (Capture, Clip, Project und Export) kombiniert in ein und demselben Fenster an und weist mit roten Markierungen auf inkompatible Kombinationen hin. Auch das Capture-Fenster selbst wurde verbessert; neben einem neu gestalteten Shuttle-Schieber fällt das integrierte Settings-Tab angenehm auf.





Web-Output in einem Schritt

Den fertig geschnittenen Videofilm bringt man in Premiere 6 mit wenigen Mausklicks aufs Web. Dazu stehen mehrere Möglichkeiten bereit: Der Menübefehl Save for Web übergibt den Film an die mitgelieferte EZ-Version der bekannten Video-Aufbereitungssoftware Media Cleaner, die den Export in verschiedenen Streaming- und Download-Formaten wie QuickTime, Real G2, Windows Media, AVI CD-ROM und MPEG 1 vornimmt. Wer eine genaue Kontrolle über die Exportdetails wünscht, erhält mit den Advanced-Ausgabemodulen für RealMedia und Windows Media (nur in der Windows-Version) die Gelegenheit dazu.



Hochinteressante Möglichkeiten bieten die Web Markers: Erreicht ein Streaming-Video eine mit einem Web Marker markierte Stelle, wird die im Marker definierte URL aufgerufen, was auch in einem anderen Frame der Website erfolgen kann. So lässt sich zum Beispiel ein mitlaufender Textkommentar zum Film realisieren.






Produktionserleichternde Tools

Im neuen Storyboard-Fenster stellt man die erfassten, im Project-Window versammelten Clips und Standbilder per Drag&Drop rasch in der gewünschten Folge zusammen, ergänzt durch eigene Kommentare.



Zu jedem Clip werden Angaben wie Titel und Timecode angezeigt, ebenso die kombinierte Gesamtlaufzeit. Als praktisch erweist sich dabei die Tatsache, dass sich per Doppelklick auf einen Clip In- und Out-Points sowie Markers direkt aus dem Storyboard heraus ändern oder neu definieren lassen.




Einmal zusammengestellt, lässt sich die im Storyboard definierte Clip-Abfolge mit dem Befehl Automate to Timeline vollautomatisch samt Überlappungen und Überblendeffekten zur Timeline übertragen, dies auf Wunsch auch anhand vorher definierter Marker, so dass die Clip-Folge sich zum Beispiel dem Rhythmus eines bereits in der Timeline angeordneten Soundtracks anpasst - das Instant-Musikvideo rückt damit schon ziemlich nahe.



Auch der Umgang mit Audiotracks fällt in Version 6 bedeutend leichter. Der im Mischpult-Outfit gehaltene Audio-Mixer erlaubt die kontinuierliche, automatisierbare Einstellung von Pegel und Pan für beliebig viele Audiospuren und bietet für jeden Kanal einen Mute- und Solo-Button sowie eine simulierte LED-Pegelanzeige. Mehrere Spuren lassen sich zu einer Gruppe zusammenfassen und gemeinsam manipulieren.


Verbesserte Oberfläche

Neben den völlig neuen Features bringt Premiere 6 unzählige Detailverbesserungen, die in erster Linie die Bedienung betreffen. Das Wichtigste in Kürze: Die History-Palette, bekannt von Photoshop, bietet nun 99 Undo-Stufen, in denen alle erfolgten Arbeitsschritte nach Herzenslust vor- und zurückgefahren werden können. Die Effekt-Einstellungen fasst die neue Version in einer Effect-Controls-Palette zusammen, die Benutzern des Schwesterprodukts AfterEffects bekannt vorkommen dürfte. Änderungen, die man in der Palette vornimmt, zeigt das Monitorfenster sofort an.



Video- und Audiofilter, aber auch die Überblendeffekte, sind in den entsprechenden Paletten thematisch gegliedert und in Ordnern zusammengefasst; zusätzlich lassen sich eigene Ordner definieren. Eine Suchfunktion erleichtert das Auffinden eines bestimmten Effekts. Die in der Commands-Palette zusammengefassten Programmfunktionen lassen sich für eine erhöhte Übersicht farbig hinterlegen und mit frei definierbaren Tastaturbefehlen ergänzen.




Zahlreiche Verbesserungen gibt es auch in den eigentlichen Editierfenstern: Marker lassen sich via Marker-Menü direkt in Source- und Programm-Fenster setzen; In- und Out-Points können für Video- und Audiospuren eines Clips getrennt definiert werden. Das Monitorfenster zeigt auf Wunsch nur die Programm-Seite an und lässt die Source-Seite weg - besonders nützlich bei begrenzter Bildschirmfläche.



Stark überarbeitet erscheint auch die Darstellung der Timeline. So ändert der Cursor seine Form entsprechend dem gerade aktuellen Editierwerkzeug, was ein stark intuitivers Arbeiten erlaubt, und der Status der verschiedenen Timeline-Abschnitte (nur Cuts, Preview muss erstellt werden, Preview bereits vorhanden) wird durch unterschiedliche Farbgebung visualisiert.



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