ASP in der Schweiz: Das Rennen ist eröffnet

ASP in der Schweiz: Das Rennen ist eröffnet

6. November 2000 - Software im Mietverfahren eignet sich vor allem für KMU. Viele Anbieter sind bereits an den Start gegangen, Angebote für den Massenmarkt sind aber noch selten.
Artikel erschienen in IT Magazine 2000/40

In der klassischen Unternehmensinformatik läuft die Software in jeder Firma auf eigenen Servern, setzt umfangreiche Installationen auf allen Clients voraus und erzeugt einen immensen Wartungsaufwand. Dieser fällt zu allem Übel nicht bloss in der IT-Abteilung an: Studien zeigen, dass sich jeder Mitarbeiter im Durchschnitt täglich 27 Minuten unproduktiv mit Konfiguration und Unterhalt seines PC beschäftigt.



Die Lösung dieses und anderer Probleme verspricht ein neues IT-Betriebsmodell, das die Informatikwelt dieser Tage wie ein magisches Mantra durcheilt: Mit Application Service kauft man seine Software nicht mehr, sondern man mietet sie gegen eine zeitabhängige Gebühr vom Application Service Provider (ASP).



Ausserdem läuft die Software nicht mehr auf jedem Client-PC als vollfette GUI-Anwendung: Die gesamte Programmlogik wird auf dem Server abgearbeitet; die Eingabe von Daten und Anzeige der Ergebnisse übernimmt ein schlankes "Thin Client"-Programm oder ein Web-Browser.
Der Server steht dabei nicht etwa beim Kunden, sondern im Rechenzentrum des ASP, der damit auch gleich die gesamte Wartung und Datensicherung übernimmt. Dazu wird eine sichere, leistungsfähige Verbindung zwischen den Client-PCs beim Kunden und dem ASP-Server benötigt. Sie erfolgt entweder mit verschlüsselten Verbindungen übers Internet (VPN) oder über die Standleitungen eines dedizierten, privaten Netzwerks, das verschiedene ASP anbieten. Für mobile Mitarbeiter lässt sich auch eine punktuelle Nutzung über Remote-Wählzugang realisieren. Einige Grossunternehmen arbeiten in einem "internen" ASP-Modell mit eigenen Servern, die wahlweise von der firmeninternen IT-Abteilung oder ebenfalls von einem ASP unterhalten werden.


Mehr als "Software aus der Steckdose"

ASP beschränkt sich weder auf eine neue Technologie zur Softwarenutzung, noch handelt es sich einfach um eine weitere Variante von Outsourcing. Auch sarkastische Bemerkungen, man kehre mit ASP in die EDV-Steinzeit mit riesenhaften Hosts und tumben Terminals zurück, treffen nicht zu. Vielmehr ist Application Service Providing, konsequent umgesetzt, eine völlig neue Strategie zum Aufbau einer IT-Umgebung, die sich insbesondere auch für kleine und mittlere Unternehmen eignet.



Wie in manchen IT-Bereichen sind die USA uns auch punkto ASP-Nutzung einige Zeit voraus. Dort nutzen bereits 80 Prozent der Unternehmen ASP-Dienstleistungen, davon sind wiederum 70 Prozent KMU.



Unsere Recherchen zeigen, dass die meisten Schweizer ASP bisher vor allem einzelne, kundenspezifische Projekte realisiert haben. Standardangebote für ein breiteres Publikum starten Ende 2000 oder Anfang 2001. Dementsprechend sind die potentiellen Kunden noch skeptisch: Neben Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit - ein gewisser Abwehrreflex gegen die Lagerung unternehmensinterner Informationen auf den Servern eines externen Rechenzentrums ist nichts als natürlich - ist auch überhaupt noch nicht klar, welche ASP langfristig überleben und welche nicht über die Akquisitionsphase hinauskommen werden: Beobachter der Branche prognostizieren, dass in den USA höchstens die Hälfte der heute als ASP tätigen Anbieter auf lange Sicht konkurrenzfähig bleibt.



 
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