Superschlankes Subnotebook

Das MacBook Air kommt elegant daher und bietet ordentliche Performance, eignet sich aber fast nur als Zweitgerät.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2008/07

     

Es sei extrem dünn, extrem mobil und mit nichts vergleichbar, meint Apple zu seinem neuen Subnotebook MacBook Air. Mit einem Gewicht von 1,36 Kilo und dem maximal 1,94 Zentimeter dicken Gehäuse aus eloxiertem Aluminium erfüllt das Gerät die ersten zwei Claims. Als unvergleichlich sieht Apple die Tatsache, dass das MacBook Air trotz seiner fast schon anorektischen Schlankheit mit einem 13,3-Zoll-Breitbilddisplay mit 1280x800 Pixel und einer hintergrundbeleuchteten Tastatur in voller Normalgrösse aufwartet.


Viel Notebook auf kleinem Raum

Die technischen Daten weisen auch sonst darauf hin, dass es sich beim MacBook Air in den meisten Punkten nicht um ein abgespecktes Kompromissmodell handelt, sondern um einen vollwertigen Mobilcomputer. Mit einem Core-2-Duo-Prozessor in verkleinerter Spezialvariante, wahlweise mit 1,6 oder 1,8 GHz getaktet, GMA-X31000-Grafik, 2 GB RAM und den integrierten Funktechnologien 802.11n und Bluetooth entspricht das Gerät den heute gängigen Anforderungen an Midrange-Notebooks. Auch die Apple-typische integrierte iSight-Kamera fehlt nicht – wer allerdings Stereo-Ton will, muss auf den kombinierten Kopfhörer/Line-Ausgang ausweichen – das MacBook Air hat bloss einen Mono-Lautsprecher an Bord.


Interessant ist das multitouch-fähige Trackpad: Auf der berührungsempfindlichen Fläche kann man in geeigneten Anwendungen wie der Mac-Oberfläche Finder und der mitgelieferten iLife-Suite mit zwei Fingern blättern, zoomen und drehen. Das Trackpad wirkt im Vergleich zu anderen Notebooks geradezu riesig, umso kleiner fällt allerdings die «Maustaste» aus: Sie ist derart schmal, dass man oft «danebentrifft» und stattdessen auf dem Trackpad herumtippt. Apple weigert sich ausserdem nach wie vor, seinen Trackpads auch eine zweite Taste zu gönnen, obwohl ja auch das Mac-Betriebssystem mittlerweile Kontextmenüs und ähnliche Funktionen kennt, die man am bequemsten mit einer «rechten Maustaste» bedient.



Die Akkulaufzeit gibt Apple mit bis zu fünf Stunden an. In der Praxis wird dieser Wert, wie bei solchen Angaben üblich, nicht ganz erreicht. Die Netzunabhängigkeit ist aber auf jeden Fall mit anderen Apple-Notebooks vergleichbar. Bei der Batterie zeigt sich indes, dass das MacBook Air doch nicht völlig ohne Kompromisse auskommt: Der Akku ist fix im Geräteinneren eingebaut und lässt sich vom Anwender selbst nicht austauschen. In dieser Hinsicht verhält sich das Apple-Subnotebook also wie ein iPod: Wenn die Kapazität nachlässt, muss der Akku von einem autorisierten Servicetechniker ausgewechselt werden.


Einiges fehlt doch

Als Subnotebook verzichtet das MacBook Air auch auf ein integriertes optisches Laufwerk – von Haus aus könnte man also bei einem gröberen Fehler nicht einmal das System mit den beiliegenden Installations-DVDs wiederherstellen. Apple bietet deshalb optional ein externes Superdrive-Laufwerk mit USB-2-Anschluss an. Als Alternative lässt sich mit der beiliegenden Remote-Disc-Software das optische Laufwerk eines beliebigen Mac oder PC im Netz freigeben und vom MacBook Air aus nutzen. Das funktioniert in der Praxis anstandslos, wenn auch naturgemäss nicht gerade mit einer berauschenden Geschwindigkeit.



Platz sparen musste Apple auch bei den Schnittstellen. Der Magnet-Anschluss für das Netzteil musste verkleinert werden, ein Ethernet-Port fehlt ganz. Das MacBook Air bietet bloss einen Audio-Ausgang, einen einzigen USB-2-Anschluss und einen Micro-DVI-Ausgang zum Anschluss eines externen Bildschirms mit maximal 1920x1200 Pixel. Die drei Anschlüsse sind an der rechten Gehäuseseite hinter einer Klappe verborgen. Besonders das Fehlen weiterer USB-Ports macht sich rasch unangenehm bemerkbar: Wer nur schon gleichzeitig eine Maus und einen Speicherkartenleser anschliessen will, ist auf einen externen USB-Hub angewiesen.


Leistung ordentlich

Punkto Performance kommt das MacBook Air nur schon wegen der niedriger getakteten CPU und der langsameren 4200-rpm-Harddisk nicht ganz ans Niveau der anderen Apple-Notebooks heran. Das schlanke Gerät muss sich aber nicht wirklich verstecken: Unter Mac OS X erreicht das Testgerät mit 1,6-GHz-Prozessor im Xbench-Test 47,52 Punkte. Ein 2-GHz-MacBook mit ebenfalls 2 GB RAM kommt auf 98,04 Punkte.



Dank Boot Camp lässt sich das MacBook Air wie alle anderen Intel-Macs auch unter Windows betreiben. Die Installation des Microsoft-Betriebssystems – in unserem Test Windows Vista Ultimate – geht problemlos und in etwa mit der gleichen Geschwindigkeit wie auf einem «echten» Windows-Notebook vonstatten. Danach müssen in einem zwar automatischen, aber etwas langfädigen Prozess noch die mitgelieferten Treiber für die Apple-Hardwarekomponenten wie das Trackpad und die iSight-Kamera nachgerüstet werden. Im Vista-spezifischen «Windows-Leistungsindex» kommt das MacBook Air auf einen Wert von 3,5. Beim Performance Test 6.1 von Passmark werden 230,3 Punkte erreicht. Die Vergleichswerte für das 2-GHz-MacBook liegen bei 3,1 (Windows-Leistungsindex, schlechter schneidet vor allem die Grafik ab, die bei unserem Vergleichs-MacBook noch aus einer älteren Generation stammt) beziehungsweise 322,9 für den Passmark-Test. Beide Geräte wurden mit angeschlossenem Netzteil im Energiesparmodus «Ausbalanciert» geprüft. Zum Vergleich: Ein Desktop-PC mit 2,4-GHz-Quad-Core-CPU und Radeon-X1650-Grafik kommt beim Passmark-Test auf 940,5 Punkte.

(ubi)


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