Messemüdigkeit unbekannt

Messemüdigkeit unbekannt

31. Januar 2008 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2008/02

Dank der freundlichen Einladung eines Softwareherstellers durfte ich Mitte Januar wieder einmal eine US-amerikanische Messe besuchen. Zugegeben, es handelte sich um die Macworld Expo & Conference in San Francisco, und Mac-User gelten im Vergleich zum durchschnittlichen IT-Anwender auch ennet dem grossen Teich als lockerer – aber die nachfolgenden Betrachtungen gelten auch für manch andere IT-Veranstaltung, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten über die Bühne geht.



Eines fiel mir als Schweizer Macworld-Besucher sofort auf: Es herrscht Andrang! Nicht nur am ersten Tag, direkt nach der völlig überbelegten Steve-Jobs-Keynote, waren die beiden Hallen teils so mit Messebesuchern vollgestopft, dass es an manchen Ständen viel Geduld brauchte, um die Aufmerksamkeit
des Ausstellerpersonals auf sich zu lenken. Auch am zweiten und dritten Tag war die Expo bestens besucht. Und dies nicht etwa, weil man gratis in die Ausstellungshallen kam – das günstigste Ticket kostete 45 Dollar. Da fragt man sich schon, weshalb sich die typische IT-Messe in der Schweiz oft durch gähnende Leere auszeichnet. Ich habe das Geschehen in San Francisco beobachtet und drei mögliche Gründe identifiziert.



Erstens: Die Macworld Expo ist weder eine reine Consumer-Messe, noch beschränkt man sich auf den hierzulande immer wieder beschwörten Business-User. Es ist der Mix aus Business- und Entertainment-orientierten Exponaten, der Besucher aller Art anzieht und der ganzen Messe pulsierendes Leben einhaucht. Meiner Ansicht nach entspricht ein strikter Fokus auf Business-IT nicht dem menschlichen Naturell: Auch der seriöseste CIO ist spätestens am Wochenende Konsument. Ausserdem wurde an vielen Ständen direkt verkauft. Es macht definitiv mehr Freude und beschert dem Aussteller vermutlich auch mehr Umsatz, wenn der Besucher statt einem Prospekt und einer Visitenkarte gleich sein Wunschprodukt mitnehmen kann. Zugegeben, das ist bei einem Game einfacher als bei einem CRM-System.



Zweitens: Auch die Aussteller von Geschäftssoftware und Business-Dienstleistungen treten nicht mit tierischem Ernst auf. Selbst die seriöseste Arbeit soll Spass machen. Nach dieser Maxime waren die Stände gestaltet, mit dieser Prämisse sprach das Personal die Besucher an. Schweizer Aussteller sollten im Übrigen vielleicht einmal zur Erkenntnis kommen, dass auch ein geschauspielertes Lächeln und einstudierte Freundlichkeit immer noch besser sind als das gelangweilte Miesepeter-Gesicht, das dem Messebesucher hierzulande oft entgegengestreckt wird. Merke: Der Besucher will sich nicht dafür entschuldigen, dass er den Aussteller mit seiner Präsenz oder gar mit einer Frage belästigt.



Drittens: Es gab wirklich etwas zu sehen und zu erfahren. Während an Schweizer IT-Ausstellungen vor allem die grösseren Auftritte den Eindruck erwecken, dass die ach so cool gestalteten Stände in erster Linie der Selbstverwirklichung eines minimalistisch orientierten Standdesigners dienen, lag an der Macworld der Fokus klar auf den Produkten und Dienstleistungen. Der Vorteil für den Besucher: Man konnte nicht bloss gelangweilt an Salzstängeli und Wasabi-Kichererbsen herumkauen, sondern sich praxisnah informieren und vom Know-how der Hersteller profitieren.



In diesem Sinn: Auf zur nächsten Orbit-iEX!

(ubi)

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