InfoWeek-Leserumfrage: Entsetzen und Erleichterung

InfoWeek-Leserumfrage: Entsetzen und Erleichterung

1. Juli 2002 - Ferien ohne IT-Equipment ist für viele InfoWeek-Leser ein Ding der Unmöglichkeit.
Artikel erschienen in IT Magazine 2002/25

Es ist kaum zu glauben: Achtunddreissig Prozent (in Zahlen: 38%; Stand 27. Juni mittags) der Umfrageteilnehmer haben im neuesten InfoWeek Quick Poll angegeben, sie könnten in den Ferien "auf keinen Fall" auf ihr Handy verzichten. Ich bin entsetzt. Umfassende Erreichbarkeit ohne auch nur den geringsten Unterlass scheint zumindest für einen wesentlichen Teil der IT-interessierten Schweizer Bevölkerung wichtiger zu sein als eben die Erholung, die der Sommerurlaub eigentlich bringen sollte.



Auch am Strand, zwischen coolen Drinks, frischer Brandung und heissen Nächten will man also nicht auf die permenante Störung durch Anrufe verzichten, die sich überdies im Nachhinein meist sowieso als völlig überflüssig erweisen. Sind all diese Handy-Maniacs denn wirklich so unentbehrlich, wie ihr Erreichbarkeitswahn glauben macht? Und ist denn nicht allgemein bekannt, dass es erstens kein Mobiltelefon ohne Abschaltknopf gibt, und dass man zweitens das ganze Gerät ohne strafrechtliche Folgen auch zu Hause lassen könnte?


Zumutung für die Mitreisenden

Neben der nachhaltigen Negativbeeinflussung der eigenen Befindlichkeit hat das auch ferienhalber aktivierte Handy einen zweiten Nachteil: Es nervt den Nachbarn am Strand, auf der Bergtour, im Zug sowie - auch das kommt wirklich vor! - im Konzert, während der Zirkusvorstellung oder gar der kirchlichen Andacht.



Es sind ja nicht nur die Gespräche selbst, die in den meisten Fällen entweder vor Inhaltslosigkeit nur so strotzen oder aber deren Inhalt entweder so persönlich-peinlich ("Heschs scho ghört Schatz - bim Sitesprung isch mer letscht Nacht de Pariser platzt!") oder so sensitiv ist ("Verkaufen Sie sofort meinen 70-Prozent-Anteil an der Mops AG!"), dass in den Vor-Handy-Zeiten kein Mensch, der sein Leben nicht in einer geschlossenen Anstalt fristet, auf die Idee gekommen wäre, dergleichen Inhalte telefonisch von sich zu geben, nicht einmal in einer absolut schalldichten Telefonzelle.



Nein, es ist vor allem auch das unsägliche Gepiepse. Von Geklingel kann man ja bei den allermeisten Mobiltelefonen mit Ausnahme der neuesten Modelle mit 16-stimmiger Ruftonpolyphonie nicht reden. Und noch schlimmer: Statt sich auf kurze, periodisch wiederholte Ruftöne zu beschränken, wählt der Löwenanteil der Handy-User, darunter vor allem auch die seriösesten Zeitgenossen vom gestandenen Manager bis zur nobelpreisverdächtigen Professorin, ein Tonsignal im Stil der Beethovenschen Neunten, das bei nicht abgenommenem Telefon mindestens fünf Minuten vor sich hindudelt.



 
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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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