Content Management: Darf’s ein bisschen weniger sein?

Content Management: Darf’s ein bisschen weniger sein?

29. April 2004 - Nicht jeder Webauftritt braucht ein CMS der Enterprise-Klasse: Für den Durchschnittsbedarf der meisten Websites eignen sich preisgünstige Lösungen und Open-Source-Systeme am besten.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/09

Die Einrichtung eines einfachen Content-Management-Systems kostet über eine halbe Million Dollar. Zu diesem Schluss kam Forrester Research 2001 am Ende einer Studie, die ein Dutzend der damals verfügbaren kommerziell erhältlichen CMS-Produkte von Branchenleadern wie Vignette, Broadvision und Interwoven unter die Lupe nahm. Im Jahr 2004 sieht es anders aus: Eine Unzahl von Content-Management-Anbietern buhlen um die Kundengunst, dazu kommen rund zwei Dutzend Open-Source-Projekte - kurz: Heute sollte sich für jedes Budget und jeden Bedarf das passende CMS finden lassen.


Ein CMS, was ist das bitte?

Mit ein Grund für die überbordende Üppigkeit des CMS-Markts: Es gibt keine allgemeingültige Definition, was ein Web-Content-Management-System im Detail ausmacht. Zwar erfüllen alle Systeme eine gemeinsame Grundfunktion. Sie erleichtern die Erstellung und Pflege einer Webpräsenz so, dass die damit betrauten Personen keine Webdesign- und -programmierkenntnisse benötigen. Im Markt reicht die Spanne aber von ganz einfachen Editiertools bis zu grossunternehmenstauglichen Monsterapplikationen, den sogenannten Enterprise CMS. Etwas genauer betrachtet, erfüllt ein ausgewachsenes CMS drei Hauptfunktionen und deckt damit den gesamten Lebenszyklus der Webinformationen ab:




Content Creation: Das System unterstützt die Autoren beim Erstellen der Inhalte für die Website. Dazu bietet es eine integrierte Authoring-Umgebung, mit der beispielsweise Texte direkt im Browser erfasst und editiert sowie Bilder und andere Medien per Mausklick importiert werden können. Wichtig dabei: Inhalt und Präsentation müssen getrennt gehandhabt werden können - Texte markiert man mit Stylesheets, die später an zentraler Stelle dem jeweiligen Publikationsmedium angepasst werden können; Bilder sollten nur einmal eingelesen vom CMS in verschiedenen Grössen bereitgestellt werden, ohne dass sie jedesmal von Hand bearbeitet werden müssen. Neben den Inhalten selbst muss das System auch die Struktur der Inhalte - ein Artikel besteht zum Beispiel aus Titel, Lead und Haupttext - sowie Metadaten wie Autor, Erstellungs- und Änderungszeitpunkt, Kategorien und Schlagworte speichern.




Content Management: Den Kern jedes CMS bildet eine zentrale Ablage, ergänzt durch verschiedene Tools für den Umgang mit den meist dezentral durch verschiedene Mitarbeiter erfassten Inhalten. Dazu gehört im Idealfall eine Versionskontrolle, die jede Änderung protokolliert, so dass der Publikationsstand an einem bestimmten Zeitpunkt später jederzeit rekonstruiert werden kann - wichtig im Fall juristischer Auseinandersetzungen. Ebenfalls essentiell: Irgendwann wird auch der interessanteste Inhalt nicht mehr unmittelbar benötigt. Besser als simples Löschen ist ein Archiv, auf das mit einer Suchmaschine auch nach dem Entfernen aus der aktuellen Website zugegriffen werden kann. Damit nichts Unpassendes veröffentlicht wird, muss das System auch mehr oder weniger ausgeklügelte Genehmigungs-Workflows unterstützen. Das absolute Minimum sind zwei Berechtigungsstufen: Der Autor erstellt den Inhalt, der Administrator gibt vor der Publikation das definitive O.K. Besser und in den meisten professionellen Systemen auch vorhanden sind mehrstufige, flexibel der Organisationsstruktur anpassbare Workflow-Mechanismen. Zum CMS-Kernbereich gehört auch die Einbindung externer Datenquellen: Webinhalte werden nicht nur statisch von Autoren erstellt, sondern auch dynamisch aus anderen IT-Systemen bezogen. Hier zeigen die verschiedenen CMS grosse Unterschiede. Vom völligen Fehlen jeder automatisierbaren Schnittstelle über simple Datenbankabfragen bis zu integrierten oder optionalen Schnittstellen zu ERP-, CRM- und anderen Business-Systemen findet man alles.




Content Publishing: Erst beim Aufruf durch den Surfer erzeugt das CMS die gewünschte Webseite in der definitiven Form, indem es die Inhalte aus der zentralen Ablage und den externen Quellen abruft und gemäss dem vorgegebenen Erscheinungsbild an den Browser schickt. Dazu braucht es Stylesheets, in denen Details wie Schriftart und Schriftgrösse festgelegt werden, und Seitenvorlagen oder Templates, die für die visuelle Grundstruktur der Seite und die Anordnung der Inhalte zuständig sind. Auch hier differieren die Systeme stark: Während in manchen CMS das Seitenlayout über ein simples HTML-Dokument "von Hand programmiert" werden muss, bieten andere Systeme einen WYSIWYG-Editor oder eine spezielle Template-Scriptsprache. In jedem Fall essentiell ist die saubere Trennung von Inhalt und Darstellung, ohne die gern gesehene Features wie das automatische Erzeugen einer Druck- oder PDF-Version sowie die Publikation für unterschiedliche Zielmedien wie PC, PDA, Handy und Hilfsgeräte für Behinderte nicht möglich sind. Am zukunftssichersten und flexibelsten ist Software, die für die Speicherung der Inhalte konsequent auf XML und für die Präsentation auf CSS und XSLT setzt. Leider erfüllen die meisten gängigen Produkte vor allem im Einstiegsbereich diese Anforderung noch nicht.

 
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