Flash MX: Webentwicklung mit Vektorgrafik wird erwachsen

Flash MX läutet ein neues Zeitalter ein: Weg von Einzeltools für das Seitendesign, hin zu Komplettlösungen für Web-Applikationen.
11. März 2002

     

Die neuen und verbesserten Features von Flash MX sind rasch zusammengefasst, aber nicht minder aufregend: eine stark überarbeitete Oberfläche, ein neuer ActionScript-Editor mit ausgefeiltem Debugger, ein Komponentenmodell für wiederverwendbare interaktive Seitenelemente samt mitgelieferten Basisfunktionen, Direktimport und objektartiges Handling von Video-Content sowie zahlreiche Detailverbesserungen vom vertikalen Text bis zum vereinfachten Color-Picker.



Zielgruppenorientierte Oberfläche

Beim ersten Start fragt Flash MX den Benutzer, ob die Oberfläche für Designer, für Entwickler oder für allgemeinen Gebrauch eingerichtet werden soll. Je nach Antwort erscheint eine unterschiedliche Kombination von Paletten - der Designer bekommt die Timeline, eine grosse Arbeitsfläche sowie sämtliche grafikorientierten Paletten wie Ausrichten, Farbmischer und Transformieren, während dem Entwickler die Actions, Direktzugriff auf die ActionScript-Referenz und die Komponentengalerie präsentiert werden. Es versteht sich von selbst, dass jederzeit zwischen den beiden Modi umgeschaltet werden kann: Flash MX belegt per Default den gesamten Bildschirm, bietet jedoch auch eine Reihe vordefinierter Layouts für diverse Auflösungen. In jedem Layout lassen sich die einzelnen Bereiche beliebig auf- und zuklappen, verschieben und andocken, wobei sich die übrigen Paletten automatisch in der Grösse anpassen - inklusive das bisher immer etwas einsame Library-Fensterchen.



Zur Runderneuerung kommen eine Menge nützlicher Detailverbesserungen. Endlich können mehrere Frames auf einen Schlag ausgeschnitten, eingefügt und verschoben werden. Der neue Ebenentyp "Folder Layers" erlaubt die Zusammenfassung und gemeinsame Bearbeitung logisch zusammengehöriger Ebenen in der Timeline. Neben der Timeline wird auch der Umgang mit Objekten auf der Arbeitsfläche einfacher: Sie lassen sich nun pixelgenau ausrichten (ein Segen für jeden Flash-Designer, der schon mal zwei aufeinanderfolgende Frames aufeinander abstimmen musste) und mit dem Free-Transform-Tool kombiniert rotieren, skalieren und verzerren. Das Envelope-Tool bringt zusätzliche Freiheit beim Umformen.




Brandneu und hochattraktiv: eine Property-Palette, wie man sie von Dreamweaver kennt. Hier werden zum selektierten Objekt kontextsensitiv die passenden Parameter angezeigt, so dass die entsprechenden Einzelpaletten nicht mehr zwingend ebenfalls geöffnet sein müssen. Urteil: stark!





Professionelle Entwicklungsumgebung

Schon Version 5 brachte wesentliche Verbesserungen beim ActionScript-Editor; Flash MX setzt noch einen drauf und bringt neben farbcodiertem Syntax-Highlighting, Code Hinting (beim Eintippen von ActionScript-Befehlen schlägt Flash mögliche Parameter, Properties und Events zur Auswahl vor), dem Jump Bar zum schnellen Zugriff auf alle mit Script ausgestatteten Objekte des Movie und einem Reference Panel einen Debugger in Profiqualität samt Breakpoints und Code-Stepping. Damit kommt man auch in komplexen Scripts allfälligen Fehlern rasch auf die Spur.



Viele raffinierte Neuerungen auch unter der Haube: Die Frames eines Flash-Movie lassen sich nun mit Framed Anchors markieren, somit vom Surfer bookmarken und direkt ansprechen. Endlich erhalten so das Favoriten-Menü und die Vor/Zurück-Buttons des Browsers auch innerhalb von Flash-basierten Websites ihre Funktion - logisch sinnvolle Implementation der Anchors vorausgesetzt; den Flash-Designern blüht hier ein zusätzlicher Usability-Challenge.




Auch in der Zugänglichkeit für Behinderte macht Flash MX vorwärts: Die einzelnen Objekte eines Movie lassen sich über die Accessibility-Palette mit Textanmerkungen ausstatten, die beim Betrachten zum Beispiel von einem Screenreader für Blinde akustisch ausgegeben werden.



Verbessert und beschleunigt - Macromedia spricht von bis zu zwanzigfacher Geschwindigkeit - wurde auch der Datentransfer per XML. Noch besser soll die Kommunikation mit Applikationsservern am Back-end werden, wenn im Sommer der neue, ebenfalls mit dem MX-Label versehene Coldfusion-Server auf den Markt kommt, der unter anderem mit dem Flash Application Server Gateway aufwartet, der seinerseits mit J2EE- und .Net-basierten Servern kommunizieren kann.



Authoring mit visuellen Komponenten

Was in Flash 5 mit den Smart Clips begann, geht in Flash MX mit dem neuen Component Model weiter: Der Flash-Entwickler kann nach einigem Lernaufwand wiederbenutzbare visuelle Komponenten mit Eigenschaften, Methoden und Events erstellen, die der Designer dann per Drag&Drop samt zugehöriger Funktionalität ins Movie einsetzt. Einige Beispiele solcher Komponenten werden gleich mitgeliefert: Gewöhnliche Buttons, Checkboxen, Listboxen, Komboboxen, Radio Buttons, Scrollbars und Scroll Panes müssen nun nicht mehr mühsam von Hand als einzelne Movie Clips erstellt werden - man zieht sie in der neuen Version einfach aus der Components-Palette auf die Arbeitsfläche, stellt die Parameter passend ein, und sie funktionieren ohne weiteres Zutun.






Video-Content à Gogo

Bewegte Bilder konnten bis anhin zwar in Flash-Movies wiedergegeben, aber nur schlecht kontrolliert und manipuliert werden. Die MX-Version bringt nun dank der von Sorenson zugekauften Spark-Technologie die Möglichkeit, Videoclips in allen von Quicktime oder dem Windows Media Player unterstützten Formaten ins Flash-Movie zu importieren, wobei sie in ein internes Streaming-Format umgewandelt werden. Die so entstandenen Video-Objekte können auf der Arbeitsfläche wie Bitmap-Bilder plaziert und manipuliert werden - sie lassen sich zum Beispiel skalieren, verzerren, drehen, maskieren und per Motion-Tween animieren. Flash MX bietet damit bisher unerreichte kreative Möglichkeiten zum Umgang mit Videomaterial, die enorm Spass machen.




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