Tarifchaos auf hohem Preisniveau

Tarifchaos auf hohem Preisniveau

15. September 2006 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2006/16

In einem früheren Leben kategorisierte mich ein Chef angesichts meines regen Discman-Modellwechsels als «Gadget Junkie.» Heute höre ich trotz iPod weniger Musik und muss einen Partner und zwei Hunde ernähren. Gelegentlich aber kann ich Verlockungen in Form von Mobilgeräten doch nicht widerstehen. Der neueste Sündenfall, eingetreten vor drei Wochen, heisst E61 und verfügt über eine gar nicht so schlechte Mickymaus-Tastatur zur Texteingabe. Es gibt sogar separate Tasten für Ä, Ö und Ü.




Damit aber genug der Finnenwerbung. Ein E-Mail-fähiges Mobiltelefon mit brauchbarem Webbrowser schreit nämlich geradezu nach regem Mobildatenverkehr. Die exorbitanten GPRS-Normaltarife in der Höhe fünf bis zehn Franken pro Megabyte kommen dafür nicht in Frage. Die Swisscom-Mobile-Website gibt ja selbst zu, dass ein MB beim Surfen gerade mal zwanzig Webseiten entspricht. Das Fazit: Ein reduzierter Datentarif muss her.
Bei der Recherche nach dem passenden Mobildatenpaket bestätigte sich wieder einmal, dass die Mobilfunkprovider alles tun, um dem Kunden das Leben – na, sagen wir mal: interessant zu gestalten.
Bei Orange zum Beispiel gibt es für knappe fünf Franken eine Option, die sich verheissungsvoll «Mobile Internet» nennt. Auf den zweiten Blick sind damit gerade mal zwei Megabyte, gemäss Swisscom-Umrechnungsfaktor also vierzig Webseiten inbegriffen. Jedes weitere MB kostet zwei Franken fünfzig zusätzlich. Mit anderen Worten: «Mobile Internet» ist für den mobilen Internetnutzer völlig ungeeignet. Besser wäre der Tarif «Data Flat», hier kosten 2500 Megabyte GPRS oder 2500 Minuten Hotspot-WLAN 59 Franken im Monat. Allerdings ist dieser Tarif offenbar nur im Zusammenhang mit dem Angebot «Business Everywhere» zu haben, das zusätzlich eine Datenkarte für den Laptop umfasst - und die brauche ich als E61-Anwender ja eben gerade nicht. Ebenso wenig bringt mir die im Angebot enthaltene Daten-SIM-Karte etwas, mit der man nicht telefonieren kann: Mit meinem Endgerät will ich sowohl surfen als auch quatschen, und zwar ohne jedes Mal die SIM-Karte zu wechseln.




Beim Konkurrenten Swisscom gibt es das vergleichbare Nutzungsmodell «Mobile Unlimited», vertrackterweise für Privat- und Geschäftskunden völlig unterschiedlich nach Minuten beziehungsweise Datenvolumen abgerechnet. Ganz abgesehen davon, dass ich mich als Poweruser angesichts solcher Unterscheidungen sowieso immer als Zweitklasskunde vorkomme, kommt die Option für mich eh nicht in Frage – auch hier gehört eine PC-Card oder gleich ein ganzer Laptop zum Paket dazu.
Fündig werde ich schliesslich bei der «Data Option 2000». Sie ist laut Swisscom für «Vielnutzer ab 7 MB pro Monat» geeignet, im Klartext also für jeden ernsthaften Mobilsurfer ein Muss. Die geforderten 69 Franken pro Monat sind zwar nicht gerade ein Pappenstiel, aber noch einigermassen erträglich. Im Gegensatz zu den Everywhere- und Unlimited-Preismodellen gilt die 2000er-Datenoption aber bloss für GPRS; WLAN muss separat berappt werden.
Die Überlegungen der Provider gehen irgendwie nach wie vor in die Richtung «warum einfach, wenn’s doch kompliziert so wunderbar geht.» Und ganz abgesehen von Tarifmodellen, die mit den Möglichkeiten der neuesten Endgeräte nicht so ganz mithalten, ist das Niveau der Datentarife immer noch ganz klar zu hoch. Vielleicht sollte man sich in den Chefetagen von Orange, Swisscom & Co. einmal überlegen, dass 100’000 Abos zu 30 Franken mehr einbringen als 10’000 zu 60 oder 70...

(ubi)

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