Urs Binder: Search Engines - Höchste Zeit für die nächste Generation

Urs Binder: Search Engines - Höchste Zeit für die nächste Generation

3. September 2001 - Das grassierende Search-Engine-Dickicht kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Resultate oft dürftig sind.
Artikel erschienen in IT Magazine 2001/30

Es gibt viel zu viele Search Engines. Webmaster stöhnen ob der Sisyphus-Aufgabe, ihre Site bei all den Such- und Verzeichnisdiensten anzumelden, womöglich noch mit guter Positionierung: Kaum hat man die Arbeit vermeintlich erledigt, hört die Welt schon wieder von neuen Web-Directories. Tools fürs Massen-Submitting verzeichnen immerhin drei- bis viertausend solch dienstbarer Seiten, die dem Surfer den idealen Weg durch die Wogen des stürmischen Web-Ozeans weisen sollen.


Gewünschtes nicht gefunden

Das grassierende Search-Engine-Dickicht kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Resultate oft dürftig sind. Ich unterscheide drei Missliebigkeiten, die leider oft auch in Kombination auftreten:




• Im Dutzend ist's billiger: Am entnervendsten sind ellenlange Listen, in denen verschiedene Seiten von ein und der selben Website gleich dutzendweise hintereinander erscheinen. Wenn ich nach "Mathmos" suche, erwarte ich eine Übersicht über die Lavalampenhändler dieses Landes, und nicht die einundvierzigfache Wiederholung einer bestimmten Domain mit verschiedenen Seiten. Die bekannteste Schweizer Suchmaschine hat dies gelernt und präsentiert gefundene Seiten der selben Domain nun brav per Link: "Mehr Resultate von..."




• "Oder" statt "und": Wann endlich begreifen die Betreiber der Suchmaschinen, dass ich auf die Eingabe "Peter Merian" (170'000 gefundene Seiten) eben gerade nicht sämtliche Seiten sehen will, die entweder "Peter" (210'000) oder "Merian" (650) enthalten? Logisch wäre ja wohl, dass "Peter Merian" viel weniger Ergebnisse liefert, wenn "Merian" allein schon bloss 650fach vorkommt. Ich plädiere mit Inbrunst dafür, dass alle Search Engines in der Grundeinstellung eine Und-Verknüpfung verwenden, die Suchresultate also jeweils alle eingegebenen Wörter zwingend enthalten müssen. Alles andere ist künstliches Aufplustern der Resultatmenge.




• Bezahlte Positionierung, im Jargon als "Pay-per-Placement" bekannt: Da erdreisten sich doch tatsächlich einige Engine-Betreiber, offenbar weil es mit der Bannerwerbung nicht so richtig klappt, für die vorteilhafte Plazierung einer Website Geld zu nehmen. Immerhin stehen sie dazu: GoTo.com wirbt gleich auf der Einstiegsseite mit "Premium Listings" - per Obolus freigekaufte Sites erscheinen in den ersten drei Positionen.



Den meisten Mammon scheint GoTo.Com jedoch mit der Weitervermietung der künstlich hochgepushten Seitenverweise zu machen: GoTo-Material treibt sich unter anderem bei Altavista, Hotbot, Lycos, Netscape und Cnet herum, wo es dem Surfer mit euphemistischen Begriffen wie "Featured Link" oder "Partner Site" schmackhaft gemacht wird. Also, Augen auf! Ganz schlimm wäre es allerdings, wenn sich diese prostitutiv entstandenen Surftips unerkannt in die stinknormalen Ergebnisse einschlichen - das wäre dann nichts geringeres als Betrug am Konsumenten.

 
Seite 1 von 2

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Wieviele Zwerge traf Schneewittchen im Wald?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER