Handy-Viren gehört die Zukunft

Handy-Viren gehört die Zukunft

23. Mai 2008 - Immer intelligentere und bessere Handys können immer mehr und bieten eine grössere Angriffsfläche für Kriminelle. Richtige Gefahr besteht heute jedoch noch kaum.
Artikel erschienen in IT Magazine 2008/10

Im Jahr 2004 tauchten die ersten Handy-Viren auf. Seitdem hat sich nicht viel verändert, das Risiko, dass man sich Schadprogramme einfängt, ist weiterhin gering. «Es herrscht noch kein Grund zur Beunruhigung», erzählt Candid Wüest, Security-Experte von Symantec. Das sieht man auch beim grössten Schweizer Mobilfunknetz-Betreiber Swisscom so. Die Gefahr, dass ein Endgerät aktuell mit einem Virus infiziert wird, stuft man als gering ein. Das selbe bei Handyhersteller Nokia: «Bislang gibt es eigentlich kaum bekannte Fälle von Virenproblemen auf einem Mobiltelefon», so Pressesprecherin Barbara Fürchtegott


Ein Grund, weshalb die Gefahr heute noch nicht riesig ist, liegt in der Anzahl der Viren: «In den ersten vier Monaten dieses Jahres verzeichnete unser Labor lediglich 13 neue Smartphone-Viren – allein in 5 Minuten werden mehr Windows-Viren verbreitet», erklärt Thorsten Urbanski, Pressesprecher des Antiviren-Herstellers G Data. Und von diesen 13 sind die meisten weiterhin «Proof-of-Concepts», also Viren, mit denen man nur zeigen möchte, was möglich wäre (ein paar aktuelle Handy-Viren gibt’s im Kasten auf der nächsten Seite). Punkto Plattformen beschränkt sich die Gefahr heute, laut Josef Huber, Pressesprecher von Swisscom, fast ausschliesslich auf Geräte der Symbian-Serie 60.


Smartphones fördern, viele Plattformen schützen

Aktuell hört man jedoch wieder vermehrt, dass bald der Zeitpunkt gekommen sei, ab dem die Mobiltelefon-Schädlinge so richtig zuschlagen. Damit rechnen alle, sowohl die Netzanbieter, wie die Antiviren- und die Handyhersteller. Was könnten Auslöser dafür sein? Zum einen bestimmt die wachsende Verbreitung von Smartphones, die komplexer sind als normale Handys und dadurch auch verwundbarer. Mit iPhones & Co. kommt auch die Vernetzung vermehrt auf.



«Seit Bluetooth und WLAN auf dem Vormarsch sind, sind die Gefahren grösser geworden», weiss Candid Wüest. Weitere Angriffsziele stecken in heute noch ganz selten missbrauchten Dingen wie Memory Cards, PC-Synchronisation, aber auch via IM-Dienste, also kurz in allen den tollen Funktionen, die unsere Smartphones heute bieten.
Eine weitere Gefahr liegt in den aufkommenden, neuen Plattformen wie beispielsweise Googles Android oder Apples iPhone-OS. Deren Software Development Kits (SDK) vereinfachen es Hackern, neue Schadsoftware zu entwerfen. Allerdings beleben sie auch den Plattform-Markt. Er ist heute bereits stark segmentiert, das heisst, es gibt im Gegensatz beispielsweise zu den Computern, auf denen in den meisten Fällen Windows läuft, keine marktbe­herrschende Plattform. Bei Swisscom beobachtet man jedoch einen Trend zu homogeneren Betriebssys­temen, vor allem Windows Mobile und Symbian würden zulegen.



Ein weiterer Angriffsvektor, der an Bedeutung gewinnt, ist das Ausnutzen von Schwachstellen in mobilen Webbrowsern. So könnte eine manipulierte Webseite unbemerkt Schadcode auf das Mobiltelefon einschleusen.
Weiter begünstigen zukünftige Dienste, die man mit dem Handy abwickeln möchte, den Trend hin zum Schreiben von mobilen Viren. Bisher lohnte sich das Entwickeln nämlich nicht: «Aus ökonomischer Sicht betrachtet, und danach handelt die E-Crime-Society heute, lohnt sich die Entwicklung und Verbreitung von Schadcode für Smartphones noch nicht», so Thorsten Urbanski von G Data. Was aber, wenn wie von Swisscom-Pressesprecher Josef Huber prophezeit, nun immer mehr werthaltige Dienste wie Payment, Ticketing etc. und immer kritischere Geschäftsprozesse über mobile Endgeräte abgewickelt werden?

 
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