Informatiker unter Stress

Informatiker unter Stress

10. Februar 2006 - Schweizer Informatiker gehören zu den am meisten gestressten Berufsleuten. Abhilfe verspricht nur Spezialisierung und dauernde Weiterbildung.
Artikel erschienen in IT Magazine 2006/03

Vor dem New-Economy-Crash zählte der Informatiker zu den Traumberufen. Jeder, der sich ein wenig für IT interessierte, konnte auf den lukrativen Zug aufspringen und ein Stück vom Kuchen für sich abschneiden. Die Löhne lagen sogar für Quereinsteiger jenseits der heutigen Vorstellungskraft.
Diese Zeiten sind bekanntlich vorbei. Das Bild, das sich heute präsentiert, sieht ganz anders aus: Es dominieren Stress und Leistungsdruck, und die Löhne sind längst kein Argument mehr für den Einstieg in die IT. Dies zumindest ist der allgemeine Tenor, der unter den Usern der InfoWeek-Community derzeit vorherrscht.
Angeregt wurde die Diskussion durch eine Studie des internationalen Personaldienstleisters Kelly Services. Das Ergebnis der Umfrage unter rund 19‘000 europäischen Angestellten: Die Schweizer Informatiker gehören zu den am meisten gestressten Arbeitnehmern in ganz Europa. Laut der Kelly-Studie gehört Stress in der Schweiz zum Berufsalltag. Rund 33 Prozent aller Schweizer Arbeitnehmer gaben an, unter sehr grossem Stress zu leiden, und die am meisten gestresste Berufsgruppe in der Schweiz ist mit 46 Prozent die der Informatiker.


Supporter leiden häufig

Aus der derzeitigen Diskussion in unserem Forum geht hervor, dass es hauptsächlich der Support-Mitarbeiter ist, der unter Dauer-stress leidet. «Helpdesk und User-Support sind wohl das Schlimmste, was einem Informatiker passieren kann», sagt ein Online-User, der alleine für rund 160 Anwender verantwortlich ist. Dabei ist er täglich mit den gleichen Problemen konfrontiert. So etwa mit Anwendern, die den Vorortsupport bemühen, weil sie das Passwort vergessen haben. «Ein Informatiker muss nicht nur stressresistent sein, sondern auch die nötige Portion Gefühlsleere mitbringen», so das Fazit des frustrierten Supporters, der aus Angst vor einem Burnout seinen Job so schnell wie möglich wechseln möchte.
«Ich möchte den Job des Supporters nicht machen, auch wenn ich mir das früher noch gewünscht habe. In diesem Bereich ist man nicht mehr der Freak, der die Leute mit seinem Wissen erstaunen kann, sondern man ist nur noch der Idiot, wenn etwas mal nicht läuft», resümiert ein anderes Mitglied der Community.





• Die Spar-Schere in den Unternehmen hat dazu geführt, dass ein Supporter einerseits immer mehr User betreuen muss. Andererseits beklagen sich die Informatiker aber auch über schlechte Anstellungsbedingungen und tiefe Löhne. So hätten sie immer straffere Arbeitszeiten, fühlten sich zunehmend als Werkzeug der Anwender und verdienten nur ein paar Franken mehr als eine Hilfskraft.
«Kein Wunder will heute niemand mehr Informatik studieren», sagt ein anderes Mitglied, das zusammen mit seinem Kollegen rund 350 Arbeitsplätze betreut. Weitere Aussagen wie «hätten wir doch was Anständiges gelernt» oder «in meinem nächsten Leben züchte ich Schafe oder werde Gärtner, dann kann ich sicher nichts falsch machen», machen jeden Kommentar überflüssig.

 
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Kommentare

Dienstag, 7. Juli 2020 mike
ich habe die schnauze voll als informatiker mir ständig von mehreren schlaumeiern etwas sagen zu lassen

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Anti-Spam-Frage Vor wem mussten die sieben Geisslein aufpassen?
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