Offshoring: erst denken, dann handeln

Offshoring: erst denken, dann handeln

25. Januar 2010 - Offshoring wird aufgrund des weiter zunehmenden Kostendrucks sowie des Fachkräftemangels in der Schweiz weiterhin an Bedeutung gewinnen. Der Erfolg von Offshoring ist dabei sehr vom differenzierten Einsatz von weichen und harten Faktoren sowie von der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Kunde und Offshoring-Partner abhängig. Dies sind die Haupterkenntnisse einer von der Fachgruppe Sourcing des SwissICT organisierten Veranstaltung.
Artikel erschienen in IT Magazine 2010/01

«Offshoring ist noch nicht ganz in der IT angekommen und akzeptiert», erklärte Professor Dr. Walter Brenner von der Universität St. Gallen, «da das Supply-Chain-Denken bei den Stakeholdern in der IT erst am Anfang steht.» Das sehe man beispielsweise daran, dass Unternehmen zentrale Instrumente wie Make-or-Buy-Rechnungen oder Stückkostenkalkulationen zur Optimierung der Wertschöpfungstiefe fehlten. Zudem mangelt es den Unternehmen am Verständnis, wie durch die internationale Arbeitsteilung sich die Wertschöpfungstiefe reduziert und sich dadurch die ganze IT Landschaft verändert. Öfter als man denkt hapert es laut Walter Brenner auch an den Englischkenntnissen.




Tagessatz darf nicht alleiniges Kriterium sein

Die Vorteile von Offshoring sind mittlerweile allseits bekannt: Neben der Kosteneinsparung durch günstigere externe Ressourcen kann ein Kunde sein Team flexibel mit Spezialwissen ergänzen. Falls der Kunde jedoch einzig und allein auf das Geld fixiert ist und nicht primär darauf, wie die Zusammenarbeit mit dem Offshoring-Partner ablaufen wird, werden Offshoring-Projekte oft teurer als berechnet. Aus diesem Grund empfahl Richard Heinzer, CEO von Adcubum, erst zu denken und dann zu handeln. Engagiert rief er die Teilnehmer auf, mit Bedacht zu überlegen, welche Dienstleistung oder welches Projekt sich zum Offshoring eignet: «Der Tagessatz ist nicht das allein seligmachende Kriterium, oder umgekehrt: Wenn man ihn übergewichtet, kann er in die Hölle führen.»



Till Hahndorf, Geschäftsführer der sourceconomy aus Deutschland, sieht beim Offshoring folgende Stolpersteine: Zeit, Sprache, Distanz und fehlendes Businesswissen auf Anbieterseite. Dabei beobachtet er vier Trends, mit denen Kunden versuchen, diese Stolpersteine zu umgehen:



Nearshoring: Mit dem Aufbau eines Teams in Osteuropa anstatt im fernen China werden zwei der vier erwähnten Stolpersteine bereits aus dem Weg geräumt: Das Team ist nun nicht mehr so weit entfernt vom eigenen Unternehmen und der Zeitunterschied beträgt höchstens noch eine Stunde.



Integration statt Lohn-Arbitrage: Durch eine höhere Integration des Offshoring-Teams in die eigenen Prozesse beschafft sich der Kunde nicht nur Man-, sondern auch Technologie- und Prozesspower. Zudem ermöglicht die Integration ein besseres Ein- und Mitdenken. Das führt zu einem grösseren Verständnis auf Anbieterseite, was die Qualität des Ergebnisses erhöht.



Infrastruktur: Die Anbieter verfügen heute mehr und mehr sowohl über eine unterbruchsfreie Energieversorgung und zuverlässige Kommunikationsverbindungen als auch über Tools wie Webex, mit der sich Teams in Echtzeit in Bild und Ton komplexe Sachverhalte gut zeigen und damit effizient besprechen können.



Projektmanagement: Dank agiler Projektmanagementmethoden wie Scrum oder XP kann die Zusammenarbeit enger und flexibler gestaltet werden, damit der Kunde die Kontrolle über das Projekt zu jeder Zeit behält und bei jedem Schritt genau weiss, wie der Prozess funktioniert und ob das Projekt auf Kurs ist.


 
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