Finanzdebakel bei Satyam

Finanzdebakel bei Satyam

22. Januar 2009 - Satyams Bilanzskandal erschüttert dasIT-Image Indiens. Nun soll ein neuer Besitzer das angeschlagene Unternehmen retten.
Artikel erschienen in IT Magazine 2009/01

Die IT-Branche in Indien wird derzeit vom wohl schlimmsten Bilanz­fälschungsskandal aller Zeiten erschüttert. Der CEO des IT-Dienstleisters Satyam, Ramalinga Raju, hatte Anfang Januar zugegeben, über Jahre hinweg die Bilanzen gefälscht zu haben. So wurde das Vermögen des Konzerns um 769 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen. Zudem soll die operative Gewinn-Marge im dritten Quartal statt der angegebenen 24 Prozent lediglich drei Prozent betragen haben. Auch beim Umsatz hat Raju geschummelt: Dieser wurde um 22 Prozent höher angegeben, als er eigentlich war.



Um noch schlimmeres zu verhindern, hat mittlerweile die indische Regierung die Führung des Konzerns übernommen, die nicht zurückgetretenen Management-Mitglieder abgesetzt und eine neue Führungsriege ernannt. Derweil hat die indische Börsenaufsicht Sebi ihre Ermittlungen aufgenommen und im Satyam-Hauptsitz in Hyderabad Dokumente beschlagnahmt. Die kurzfristig aufgetauchten Spekulationen, Raju habe sich nach Dubai oder Texas abgesetzt, verstummten, als der ehemalige CEO zusammen mit seinem Bruder, der für das operative Geschäft von Satyam zuständig war, verhaftet wurden. Den beiden wird Urkundenfälschung und Betrug vorgeworfen, worauf in Indien bis zu zehn Jahre Haft steht.



Satyam steht derweil kurz vor dem Kollaps. Die knappen Barmittel reichen kaum noch aus, um die Löhne der rund 53’000 Mitarbeiter zu bezahlen. 15’000 Angestellte sollen daher laut indischen Medienberichten fieberhaft nach einem neuen Arbeitsplatz suchen.



Analysten rätseln derweil darüber, wie es dem Management möglich gewesen ist, einen solchen Schwindel über Jahre zu verstecken. Ebenso fragwürdig ist hier die Rolle der Wirtschaftsprüfer von Price Waterhouse Coopers (PWC). Experten gehen davon aus, dass mehr Personen als nur die zwei Brüder daran beteiligt waren. Währenddessen sucht die Führungsriege einen Käufer für Satyam. Eine Investmentbank soll mit der Suche beauftragt werden. Zudem will man sich direkt an die Grosskunden in Übersee, wie beispielsweise American Express, wenden, um die jüngsten Bedenken auszuräumen. Ob dies reicht, um die Firmen zu beruhigen, ist allerdings fraglich.





(abr)

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