Vom eigenen Rechenzentrum ins externe Datacenter

Vom eigenen Rechenzentrum ins externe Datacenter

Artikel erschienen in IT Magazine 2018/11
Seite 2

Das Datencenter wird zum Daten-Hub

Wenn es ein entscheidendes Argument für den Gang ins Datacenter gibt, ist dies wohl der direkte Anschluss an die Cloud (Cloud Connect Services) ohne Umweg über das Internet. Auch wenn Verschlüsselungen heute üblich sind, mag die Vorstellung, vertrauliche Daten in grossem Umfang über das Internet übertragen zu müssen, nicht jedermann behagen. Das Datacenter bietet hingegen eine Art sicheren Mikrokosmos. In der Regel sind dort alle Connectivity-Anbieter und zunehmend auch verschiedene grosse Cloud-Anbieter, sogenannte Hyperscaler, präsent. Durch den Wechsel in das Datacenter profitiert ein Unternehmen natürlich von der dort vorhandenen Connectivity. In den letzten Jahren sind bestimmte Applikationen, vor allem in der Entwicklung, ohnehin schon in die Cloud verlagert worden. Wenn also bereits hybride Cloud-Lösungen betrieben werden, liegt es auf der Hand, sich Gedanken da­rüber zu machen, grössere Teile der IT in die Nähe der Cloud-Anbieter zu rücken. Einzelne Applikationen können zum Beispiel in eine Colocation-Zone verlagert werden, um die Vorteile der Private Cloud mit denen der Public Cloud zu verknüpfen. Die Cloud-Anbieter lassen sich dann schneller ansprechen, Verbindungen einfacher eingehen und meistens auch kostengünstiger betreiben. Dies gilt umso mehr, wenn das eigene Rechenzentrum nicht zentral gelegen ist und die Kosten für Connectivity ohnehin schon hoch sind. Im Datacenter sind Verbindungen jederzeit überallhin möglich, ohne dass hohe Kosten entstehen. Der Weg in die Cloud könnte gar nicht mehr kürzer sein. Dementsprechend niedrig sind auch die Latenzzeiten. In Zukunft werden maximale Latenzzeiten wohl sogar garantiert werden können. Das bietet Vorteile für Anwendungen – von der Datenbank-Applikation unter Office bis hin zum Hochfrequenzhandel. Neue Anbindungen sind schnell und kostengünstig erstellt – und so wird das Datacenter immer mehr zum Daten-Hub. Es kombiniert dabei seine Hub-Eigenschaften mit einer extrem hohen physischen Widerstandsfähigkeit, Ausfallsicherheit, Überwachung und Personal vor Ort. Immer mehr Betriebe verlangen die hohe Sicherheit, die nur im Datacenter selbstverständlich ist.

Die Firmenkulturen müssen passen

Eine ganze Reihe von Überlegungen beeinflussen die Entscheidung für oder gegen den Umzug ins Datacenter. An erster Stelle steht die Betriebssicherheit des eigenen Geschäftes: Dazu zählen Aspekte der Ausfallsicherheit, wie Stromversorgung und Klimatisierung, Redundanz, physische Sicherheit und Zutrittskontrollen. Die zweite Überlegung betrifft die Lage des Datacenters und ist somit auch eine Vorauswahl der in Frage kommenden Anbieter. In aller Regel ist es sinnvoll, einen Ort in der Nähe des Firmensitzes, aber in einer anderen geografischen Kammer als das Erst- oder Zweitrechenzentrum zu bestimmen. Kurze Wege sind durchaus wichtig, damit Mitarbeiter nicht zu viel Zeit mit Pendeln verlieren.

Des weiteren sucht man mit Vorteil einen Datacenter-Betreiber, bei dem sowohl die Kompetenzen wie auch die Firmenkultur zum eigenen Unternehmen passen. Bei den Ausschreibungen geht es daher immer auch um kaum messbare Faktoren. Können wir mit dem Anbieter arbeiten? Hat er die Services, die zu uns passen? Heute sind Remote Hands oder Smart Hands selbstverständlich, das heisst, der Betreiber des Datacenters bietet bei Bedarf und auf Abruf Hilfe vor Ort an. Es geht darum, Geräte ein- und auszuschalten, Tapes zu wechseln, ein falsch gestecktes Kabel umzustecken oder einfach nur zu schauen, ob Kontrolllampen leuchten oder nicht. Solche sachverständige Unterstützung ist vor allem in der Installationsphase gefragt, denn dann werden eigentlich zwei Teams gleichzeitig benötigt: Eines für den Betrieb der bestehenden Infrastruktur und eines für den Aufbau der neuen. Ein erfahrener Datacenterbetreiber mit eigenem Technikerteam – und nach Möglichkeit eigener Connectivity – kann Gold wert sein. Denn so lassen sich Installationszeit und Aufschaltphase verkürzen – und damit wieder Zeit und Geld sparen.

Die Nachfrage und potentielle Aufgaben für Remote-Hands-Services nehmen laufend zu, denn die eigenen Leute sollen nach Möglichkeit am Arbeitsplatz bleiben und keine Zeit im Auto verlieren. Natürlich liessen sich solche Dienstleistungen auch extern einkaufen, aber die Geschäftsleitung und der Einkauf des Unternehmens wünschen sich meist einen Single Point of Contact für alle Belange im Datacenter – und überschaubare Rechnungen von möglichst nur einem Kreditor. Ausserdem wirkt es sich vorteilhaft auf den Preis aus, wenn kombinierte Leistungen von nur einem Anbieter bezogen werden können. Auch in der Schweiz gibt es Datacenterbetreiber, die von der Planung des Gebäudes und sämtlicher Infrastrukturen über die Ausrüstung der Cages einschliesslich Connectivity bis hin zum Aufbau und der Verbindung der Racks alles aus einer Hand anbieten können – mit eigenen, eingespielten Teams.
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