Verbände tun weit mehr als politisieren

Verbände tun weit mehr als politisieren

10. Juli 2021 - Die drei Präsidenten der Verbände Asut (Peter Grütter), Swico (Andreas Knöpfli) und SwissICT (Thomas Flatt) haben sich in einem virtuellen Roundtable mit «Swiss IT Magazine» über Themen wie die E-ID, das neue Datenschutzgesetz, den 5G-Ausbau und die Relevanz der Verbände unterhalten.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/07
Swiss IT Magazine: Seit dem Ausbruch der Coronapandemie ist es schwieriger geworden, persönliche Treffen zu arrangieren. Ihre Verbände leben aber ein Stück weit von der Kommunikation und dem Austausch mit den Mitgliedern. Wie haben Sie diese Zeit bisher erlebt?

Peter Grütter, Präsident, Asut:
Wir konnten im Öffnungsfenster im letzten Herbst eine physische Ausgabe der IoT-Konferenz im Kursaal in Bern durchführen. Der Anlass wurde zwar mit weniger Teilnehmern als üblich abgehalten, aber er war dennoch erfolgreich. Und wir hatten auch das Glück, dass wir am 24. Juni den Swiss Telecommunication Summit mit Genehmigung des Kantons Bern ebenfalls im Kursaal durchführen durften. Seit dem ersten Lockdown haben auch etliche rein virtuelle Anlässe und Treffen von Fachkommissionen stattgefunden und wir haben festgestellt, dass diese fast besser besucht waren als die physischen Events.

Andreas Knöpfli, Präsident, Swico: Wir haben den Kontakt mit unseren Mitgliedern unter anderem über die Newsletter aufrechterhalten, vor allem aber auch über Merkblätter. Wir haben solche bereits im ersten Lockdown verfasst, um unseren Mitgliedern Informationen zur arbeitsrechtlichen Situation während der Pandemie oder auch zum Thema Home Office im In- und Ausland zukommen zu lassen. In unseren Interessengruppen lief derweil das Programm wie gewohnt weiter, wobei die Gruppenmitglieder sich über Videokonferenzen ausgetauscht haben. Daneben haben wir mit vielen Verbandsmitgliedern auch das persönliche Gespräch gesucht, vor allem mit mittelgrossen Unternehmen, die uns über unseren Rechtsdienst kontaktiert haben. Wir haben so versucht, mit ihnen in Kontakt zu bleiben, auch abseits konkreter Problemstellungen im Zusammenhang mit der Coronapandemie. Auf diese Weise sind wir eng mit unseren Mitgliedern verbunden geblieben, wobei dennoch gesagt werden muss, dass die realen Kontakte definitiv gefehlt haben. Wir freuen uns deshalb sehr, wenn wir diese bald wieder aufleben lassen können.

Thomas Flatt, Präsident, SwissICT: Uns erging es ähnlich. Wir sind bekannt für unsere Grossveranstaltungen, die im letzten Jahr leider ins Wasser gefallen sind. So zum Beispiel der Digital Economy Award, den wir aber in diesem Jahr wieder durchführen werden, und zwar im Zürcher Hallenstadion. Im vergangenen Jahr hätten wir auch unser Jubiläum gefeiert, doch wir mussten es verschieben, und heuer wird zwar unsere Generalversammlung stattfinden, doch die Party danach wird nicht im gewünschten Umfang durchgeführt werden können. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass viele Projekte von SwissICT Fortschritte gemacht haben. So sind beispielsweise sowohl unsere Ü50-Kampagne als auch die Zertifizierung von Informatikern in Kooperation mit unserer Tochtergesellschaft 3L Informatik auf Kurs. Dass dies möglich ist, ist wohl auch unserer Organisation mit vielen Fach- und Arbeitsgruppen geschuldet. Es handelt sich dabei um relativ kleine Zellen, die ihre Arbeit auch während der Pandemie im virtuellen Rahmen vorantreiben konnten. Und nicht zuletzt freut uns natürlich, dass uns unsere Mitglieder in dieser Zeit die Treue gehalten haben.

In die Zeit der Pandemie fiel auch die Abstimmung zum E-ID-Gesetz, das im vergangenen März an der Urne ziemlich klar scheiterte. Das Resultat zeigte, dass sich die Bevölkerung Gedanken macht zur Digitalisierung und dieser teils skeptisch gegenübersteht. Welchen Standpunkt vertreten Sie, und wie sieht Ihrer Ansicht nach die Zukunft der Schweizer E-ID aus – Stichwort SwissID?
Peter Grütter:
Wir haben mit viel Kraft versucht, dem E-ID-Gesetz zum Erfolg zu verhelfen. Wir sind klare Befürworter dieses Gesetzes und der Meinung, dass der Nutzen, den eine E-ID gebracht hätte, nämlich sowohl für Unternehmen als auch für Individuen mehr Vertrauen zu schaffen in den Verkehr im Datennetz, allfällige Befürchtungen bei weitem überwogen hätte. Wir waren sehr enttäuscht, dass das Gesetz abgelehnt wurde. Persönlich finde ich, dass die Diskussion darüber, ob nun Private eine E-ID herausgeben dürfen, eine sehr politische und künstliche Debatte war. Ich möchte daran erinnern, dass der Schweizer Pass jahrzehntelang von einer privaten Firma hergestellt wurde, und dass auch die Identitätskarte bis 2015 ausschliesslich von Privaten produziert wurde, einschliesslich der Identifikationsmerkmale der Träger. Jetzt wurde das Gesetz abgelehnt und der Staat soll es richten. Ich zweifle allerdings daran, dass dies in absehbarer Zeit der Fall sein wird. Und allein die Tatsache, dass es eine vom Staat herausgegebene E-ID gibt, heisst noch lange nicht, dass sie auch genutzt wird. Die SwissID nutze ich persönlich für die Services der Post, aber ich empfinde das Login-Verfahren als zu umständlich.

Thomas Flatt: Ich trage in dieser Sache zwei Hüte. Als Präsident von SwissICT sehe ich es genauso wie Herr Grütter. Wir haben uns auch sehr für die Vorlage engagiert und sind überzeugt, dass mit dem E-ID-Gesetz eine Basis-Infrastruktur hätte geschaffen werden können, von der vor allem staatsnahe und staatliche Organisationen profitiert hätten. In diesem regulierten Kontext braucht es eine gesetzliche Grundlage. Im unregulierten Bereich kann man mit E-IDs operieren, die keiner gesetzlichen Grundlage bedürfen, beispielsweise mit Logins wie bei Facebook. Als Verwaltungsratspräsident der Swisssign Group, der Herausgeberin der SwissID, bin ich ein wenig frustriert, weil wir schon sehr viele private Gelder investiert haben. Wir hätten den Rückenwind, den das E-ID-Gesetz generiert hätte, gut brauchen können, um das Projekt voranzutreiben. Der Hauptgrund, weshalb es meiner Ansicht nach in Bezug auf die E-ID eine Partnerschaft zwischen dem Staat und privaten Unternehmen braucht, ist nicht der, dass der Staat nicht in der Lage wäre, ein Informatik-Projekt zu realisieren. Was der Staat aber nicht kann, ist verkaufen, sprich Unternehmen als Partner akquirieren, welche die E-ID einsetzen wollen. Selbst wenn also der Bund nun in einigen Jahren eine fertige E-ID-Lösung präsentieren sollte, bedeutet das nicht, dass diese zum Einsatz kommt. Das Swisssign-Gremium mit über 50 Prozent staatlicher Beteiligung und vielen namhaften Unternehmen hat eine gute Ausgangslage für eine breite Nutzung der E-ID geschaffen.

Andreas Knöpfli: Ich bedaure ebenfalls, dass das Gesetz nicht angenommen wurde. Wir haben die Vorlage als Verband unterstützt, auch wenn wir anfänglich eher für eine hoheitliche Lösung waren. Nach internen Debatten haben wir aber den Gesetzesentwurf befürwortet. Was mich sehr überrascht hat ist die klare Ablehnung an der Urne, die meine schlimmsten Befürchtungen übertroffen hat. Es ist uns nicht gelungen, der breiten Bevölkerung die Vorteile einer E-ID näher zu bringen. Da müssen wir uns auch als Branche an der eigenen Nase nehmen. Das Problem ist auch, dass bisher wohl niemand die E-ID wirklich vermisst hat, auch nicht im ersten Jahr der Pandemie. Wir haben in der Schweiz ein signifikantes E-Commerce-Wachstum und erleben eine Transformationsphase hin zum Home Office, und alles hat auch ohne E-ID bestens funktioniert. Ich selbst nutze aber die SwissID rege, etwa im Kontakt mit der Post oder der Pensionskasse.
 
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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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