Multiprovider Management und Service Integration im Lichte der COVID-Krise

Multiprovider Management und Service Integration im Lichte der COVID-Krise

5. Dezember 2020 - Wie Resilienz zu einer Schlüsselanforderung im gesamte Service-Ökosystem wird
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/12
Viele IT-Organisationen mussten durch die Corona-Krise erkennen, dass ihre IT-Infrastrukturen nicht genügend auf ein solches Pandemie-Ereignis ausgerichtet war. Man hat wohl mehr oder weniger Vorbereitungen getroffen, die Ausfälle von Systemen oder gar ganzen Rechenzentren abdecken können – dass jedoch das Business und alle Benutzer plötzlich von zu Hause aus arbeiten, war wohl in den meisten Fällen nicht Teil einer solchen Vorsorgeplanung. Wie gut und vor allem auch sicher ihre Sourcing-Partner auf diese Situation reagieren und den Service aufrechterhalten können, war angesichts der Pandemie wohl auch eher auf Best Effort ausgerichtet. Entsprechend unterschiedlich lange hatten IT-Organisationen alle Hände voll zu, diese neue Arbeitsrealität zu ermöglichen.

Disruptive Veränderungen der Geschäftsmodelle werden auch unabhängig von so einer «Jahrhundert-Pandemie» in Zukunft vermehrt zu erwarten sein. Auch das neue flexible Arbeiten hat sowohl für Mitarbeiter wie auch Unternehmen enormes Potential aufgezeigt, auf das man auch in Zukunft und auch nach der Pandemie nicht mehr verzichten möchte. Es stellt sich für IT-Organisationen so auch immer mehr die Frage, wie viel Sinn es ergibt, noch alles selber zu machen, oder wo verlassen wir uns in Zukunft auf professionelle Anbieter, damit die frei gewordene Zeit für Arbeiten an der digitalen Businessstrategie verwendet werden kann.

Auswirkungen der Coronakrise auf die Sourcing-Strategie der Unternehmen

Eine funktionierende Infrastruktur, unabhängig vom Standort und Verfügbarkeit von Schlüsselpersonen wird eine zentrale Anforderung an künftige Investitionsentscheide. Resilienz, respektive Widerstandsfähigkeiten von Unternehmen insbesondere zu solchen Krisenszenarien, die wir aktuell durchleben, werden im Fokus von Architektur-Strategien sein. Wer jetzt denkt, in Zukunft doch lieber wieder alles selbst zu betreiben, um die Abhängigkeiten zu externen Partnern zu reduzieren, wird sehr schnell realisieren müssen, dass dazu schlicht die Fähigkeiten und die notwendigen Ressourcen fehlen. Der Virus kann zudem alle treffen – unabhängig wo die Leistung erbracht wird.

Vielmehr wird es eine andere Qualität von Sourcing-Entscheidungen geben. Ein Cherry-Picking nach dem günstigsten Anbieter, ohne genau zu verstehen, wie die Leistung konkret erbracht wird und wer alles involviert ist, dürfte es in Zukunft nicht mehr geben. Vielmehr werden sich Sourcing-Partner in Bezug auf eine Pandemie-Strategie und Resilienz stärker differenzieren und im Markt entsprechend besser positioniert sein. Um die Abhängigkeit von einzelnen Partnern bei kritischen Services zu reduzieren, werden sich Unternehmen sogar eine Multisourcing-Strategie überlegen müssen.
Abhängig von der Kritikalität des Service, welcher bei einem oder mehreren Sourcing-Partner bezogen wird, ist die gesamte involvierte Service-Lieferkette zu betrachten. Welche Partner sind Teil der Leistungserbringung und besteht ein Resilienz-Konzept über das gesamte Service-Ökosystem? Neben der bereitgestellten Technologie ist insbesondere die Integration des Managements und der Support-Organisationen in das eigene Führungssystem von entscheidender Bedeutung.

Unternehmen müssen dabei auch ihre Business-Continuity Strategie bezüglich der Auswirkungen eines Pandemiefalles überprüfen und wohl anpassen dürfen. Der Wegfall von kritischen Ressourcen, Infrastrukturen und dabei auch von Sourcing-Partnern werden reale Szenarien, die in der eigenen Resilienz- und Continuity-Strategie berücksichtigt werden müssen. Die Anforderungen an den Sourcing-Partner bezüglich seiner Widerstandsfähigkeit sowie der gesamten Service-Lieferkette wird entsprechend Bedeutung erhalten. Hier werden sich viele Sourcing Partner wohl nach einer Zertifizierung wie beispielsweise ISO22301:2019 ausrichten, um den Nachweis eines geprüften Pandemie- und Continuity-Plans erbringen zu können.
 
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