Test Center – Thinkpad X1 Fold

Das Origami-Tablet-Netbook

Das Origami-Tablet-Netbook

(Quelle: Lenovo)
5. Dezember 2020 - Mit dem Thinkpad X1 Fold hat Lenovo einen faltbaren Rechner im Verkauf, der sowohl als Tablet, als kleines Notebook oder auch als All in One verwendet werden kann. Wir haben das Konzept getestet und einige unschöne Designschwächen entdeckt.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/12
Die nicht mehr ganz jungen unter den Lesern mögen sich erinnern: An Netbooks, besonders kompakte und mobile, aber auch leistungsschwache Billig-Notebooks mit Atom-CPUs, die vor etwas über zehn Jahren für eine kurze Zeit im Trend waren. Ein klein wenig erinnert Lenovos Thinkpad X1 Fold an diese Netbooks, auch wenn der langerwartete neue Lenovo-Wurf alles andere als in der Vergangenheit schwelgt – sondern ganz im Gegenteil: Der Rechner könnte aufzeigen, wohin die Zukunft von Mobilrechnern gehen könnte. Doch der Reihe nach.

Mit dem Thinkpad X1 Fold bringt Lenovo den weltweit ersten Mobilrechner, der mit einem faltbaren Display ausgestattet ist – ähnlich dem des Samsung Galaxy Z Fold, das vor rund einem Jahr als erstes Smartphone mit Faltscreen lanciert wurde. Dessen Start aber verlief recht holprig – man erinnere sich an Schmutz, der seinen Weg via Scharnier unter das Display fand – und inzwischen wird das Gerät bereits in der zweiten Generation verkauft. Möglich, dass Lenovo genau diesen holprigen Start verhindern wollte und sich deshalb reichlich Zeit gelassen hat von der ersten Vorstellung des Falt-Notebooks Anfang Januar bis zum Release nun im Spätherbst.

Im Prinzip ist das Thinkpad X1 Fold ein grosses, 11,5 Millimeter dickes Windows-Tablet mit einem 13,3-Zoll-Display, einem Core-i5-Prozessor der 11. Generation, 8 GB RAM und 256 GB (opt. 512 GB) Speicher. Auf der Rückseite des aufgeklappten Geräts findet sich ein ausklappbarer Ständer, um den Rechner aufzustellen und zusammen mit Maus und Tastatur als eine Art mobilen All-in-One-Rechner zu verwenden. Alternativ kann man das Display auch halbieren und bekommt dann zwei 9,6-Zoll-Screens, die dank Lenovos Mode Switcher Software entweder im Zusammenspiel verwendet werden können, oder aber man packt auf einen Teil des Display das optionale Fold-Mini-Keyboard drauf und bekommt so quasi ein Mini-Notebook, das bezüglich Formfaktor, wie eingangs erwähnt, recht stark an ein Netbook erinnert.

Display und Scharnier

Das Bauteil, das bei Lenovos Falt-Laptop am meisten interessiert, ist zweifelsohne das Display im Zusammenhang mit dem Faltmechanismus. Lenovo hat ein OLED-Display verbaut, das mit 2048 x 1536 Pixeln auflöst. Da biegsam, ist es aus Kunststoff gefertigt, und so fühlt es sich bei Berührung auch an und so sieht es auch aus. Konkret bedeutet das: Es glänzt relativ stark, was sich je nach Lichtverhältnissen störend auswirken kann. Gleichzeitig ist es aber recht hell und stellt vor allem Farben brillant dar – nichts auszusetzen hier also.

Wie erwähnt kann man das X1 Fold in verschiedenen Modi verwenden – aufgeklappt als 13,3-Zoll-Display, gefaltet als Buch oder als Laptop mit zwei Touchscreens oder mit aufgesetzter Tastatur. Aufgeklappt ist es beeindruckend, wie wenig vom Falz zu sehen ist – es braucht wirklich einen fast schon extremen Einblickwinkel, damit man erkennt, wo der flexible Teil des Display in den fixen Teil übergeht. Ansonsten ist schlicht nichts vom Faltmechanismus zu sehen. Im gefalteten Modus dann wirkt das Bild innerhalb des gebogenen Teils des Displays heller, was wohl aber allein mit den Reflektionen des Displays zu tun hat. Richtig cool sieht die Wölbung des Diplays aus, wenn man die Tastatur auf die untere Hälfte des Screens aufgesetzt hat. Dann nämlich fliesst das Display förmlich unter die Tastatur, und die Taskleiste von Windows liegt im gebogenen Teil, was das Ganze fast schon plastisch wirken lässt.

Clever gemacht ist auch das Umschalten zwischen den verschiedenen Modi, die bereitstehen. Lenovo hat dazu den erwähnten Mode Switcher aufgespielt, ein Tool, das sich in der Taskleiste findet und das automatisch aufpoppt, wenn man das Display zu- oder auffaltet. Über den Mode Switcher kann man dann wählen, ob man das Display vollflächig oder zweigeteilt verwenden möchte – und das sowohl im Hoch- wie im Querformat.

Beim Scharnier scheint Lenovo ganze Arbeit geleistet zu haben. Es braucht genau die richtige Menge Druck, um es stufenlos und in jedem Winkel zu verstellen, und es schliesst praktisch ohne Spalt. Aus­serdem hat man nicht das Gefühl, dass man den Mechanismus oder auch den Teil des Displays, der über dem Scharnier liegt, mit Samthandschuhen anfassen muss. Lenovo ist von seinem Display auch überzeugt genug, dass die Eingabe per Pen (der optional für rund 100 Franken verkauft wird) unterstützt wird, was nicht selbstverständlich ist für ein faltbares Display. Etwas delikat wirkt einzig der Teil, wo der schwarze Displayrand über das Scharnier geht. Hier verwendet Lenovo eine ultradünne Gummimembrane, die sich mit dem Finger auch leicht anheben lässt und wo man das Gefühl hat, dass Schmutz ins Gerät eindringen kann. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass Lenovo seinen Thinkpad-Brand nicht für ein Gerät hergegeben hätte, bei dem mit ernsthaften qualitativen Schwächen zu rechnen ist. Etwas Vorsicht ist im Umgang mit dem Gerät sicher geboten und natürlich sollte man scharfe Gegenstände vom Display fernhalten, doch das ganze Konstrukt wirkt wertig und gibt einem nie das Gefühl, man halte Porzellan in der Hand.
Als mögliche Schwachstelle des Faltmechanismus könnte sich der Displayrand herausstellen, wo eine dünne Gummimembrane über das Scharnier gespannt wurde, sich allerdings ein dünner Spalt findet, wo Schmutz eindringen könnte. (Quelle: Lenovoa)
Das Falttablet im Netbook-Modus mit aufgepappter, magnetischer Tastatur. (Quelle: Lenovo)

 
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