CIO-Interview: "Das Wort Projekt mag ich nicht wirklich"

CIO-Interview: 'Das Wort Projekt mag ich nicht wirklich'

CIO-Interview: "Das Wort Projekt mag ich nicht wirklich"

(Quelle: SITM)
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/01
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2. Februar 2019 -  Der Immobilienmarktplatz Homegate befindet sich im Wandel. CTO Jens Paul Berndt erklärt, weshalb dieser nötig war und warum er nicht mehr in abgeschlossenen Projekten denken möchte.
"Swiss IT Magazine": Sie wurden jüngst als einer der Top CIOs 2018 ausgezeichnet. Wie sind Sie zu dieser Ehre gekommen?
Jens Paul Berndt: Die Auszeichnung kam mir deshalb zuteil, weil Homegate seit Herbst 2017 einen Wandel in einer Geschwindigkeit durchgemacht hat, die in der Schweiz in dieser Art einzigartig ist.

Können Sie das ein wenig ausführen?
Im September 2017, wenige Monate, nachdem ich den CTO-Posten übernommen hatte, haben wir vom Verwaltungsrat grünes Licht bekommen, massiv in die Zukunft von Homegate zu investieren. Das hatte zur Folge, dass wir das Engineering bei Homegate komplett anders aufstellen mussten und unser Team massiv vergrössert haben. Mittlerweile haben wir eine sehr grosse Diversität in unserem Team. Bei Homegate arbeiten heute Mitarbeiter aus 17 verschiedenen Nationen. Und die Kultur im Engineering hat sich massiv gewandelt.

Warum war dieser Wandel nötig?
In Vergangenheit gab es im Wesentlichen eine grosse Legacy-Anwendung, an der gearbeitet wurde und die man zirka alle vier Wochen mit grossem Aufwand als neuen Release ausgeliefert hat. Wir waren also weit entfernt von agiler Software-­Entwicklung, konnten kaum neue Features entwickeln und hatten vor allem keine Möglichkeit, diese am Markt zu testen. Zudem sind mehr als die Hälfte der Engineering-Ressourcen in den Betrieb und die Wartung der Plattform geflossen. Nur rund 20 Prozent der Ressourcen konnten für die Weiterentwicklung aufgewendet werden. Als wir uns im Herbst 2017 entschieden haben, dass dies für die Zukunft kein Weg mehr sein kann, haben wir uns das Ziel gesetzt, die Situation innerhalb von zwei Jahren zu drehen. Wir haben also ein komplettes Re-Engineering gestartet, entwickeln heute alles nativ auf Amazon Web Services, und bezahlen perspektivisch auch nur noch für die Services, die wir nutzen und für die Kapazitäten, die unsere User brauchen. Das hat zur Folge, dass beispielsweise auch unser eigenes Rechenzentrum, das auf die maximalen jährlichen Spitzen ausgelegt ist und das uns jährlich einen satten sechsstelligen Betrag kostet, über kurz oder lang nicht mehr gebraucht wird. Mit AWS bezahlen wir nur noch an Hosting-Kosten, was unsere Nutzer auch wirklich beanspruchen, und wenn wir wachsen, wächst die Plattform ganz einfach mit. Ausserdem profitieren wir von der rasanten Innovationskraft und den ständig neuen Services, die auf AWS bereitgestellt werden. Das spüren dann am Ende unsere Nutzer durch tägliche Deployments auf die Live-Umgebung.
Sie haben gesagt, das Ziel von Homegate sei, die starke Position am Markt deutlich auszubauen. Welchen Einfluss hat denn die IT auf dieses Ziel?
In der Vergangenheit wurde IT eher als ausführendes Organ gesehen. Heute und in der Zukunft wird aber erfolgsentscheidend sein, dass das Produkt und das Engineering Hand in Hand gehen – das gilt übrigens nicht nur für uns, sondern für jedes Classified Business. Denn die Innovation am Markt geschieht immer schneller und ist hauptsächlich technologiegetrieben. Hier muss man mithalten können und – wenn man der Stärkste am Markt sein will – sogar vorangehen und die Entwicklung treiben können. Das ist ganz klar unser Ziel.

Liegt Ihre Aufgabe ausschliesslich bei der Weiterentwicklung der Plattform, oder zeichnen Sie auch für die grundlegende IT-Infrastruktur verantwortlich?
Diese Trennung, wie Sie sie ansprechen, gibt es bei uns eigentlich nicht mehr. Wir haben uns so aufgestellt, dass wir im Wesentlichen drei Organisationseinheiten unterhalten. Eine ist direkt auf die User ausgerichtet, also dafür verantwortlich, mehr Nutzer auf die Plattform zu bringen, diesen möglichst viele nützliche Features und Content bereitzustellen, damit sie die beste Entscheidung für ihre zukünftige Wohnsituation treffen können und so Leads für unsere Kunden zu generieren. Das zweite Segment ist dafür verantwortlich, neue Funktionen für die Immobilienanbieter bereitzustellen beziehungsweise bestehende Features zu optimieren. Und das dritte Segment nennen wir Consumer Services, es umfasst alle weiterführenden Dienste um Homegate: Werbe- und Partnerintegrationen, die für unsere Kunden und Nutzer hilfreich sind, etwa wenn sie umziehen oder eine Immobilie kaufen. Ich habe also nicht nur Engineers in meinem Team, sondern auch Product Manager und UX/UI-Profis.
 
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