5 Fragen an Franz Grüter

5 Fragen an Franz Grüter

6. März 2016 - Interview Fridel Rickenbacher

Der ICT-Unternehmer und Nationalrat über Chancen und Pflichten der 45+ und der Gesellschaft und den Inländervorrang.
Artikel erschienen in IT Magazine 2016/03
(Quelle: Swiss ICT)
1. Welche Probleme sehen Sie bei Arbeitgebern, die Angestellte 45+ beschäftigen?
Die Lohn- und Lohnnebenkosten steigen mit zunehmendem Alter. Dafür bringen ältere Berufsleute einen grossen Erfahrungsschatz mit ein und sind tendenziell länger im gleichen Unternehmen tätig. Dabei müssen sie beachten, leistungsfähig zu bleiben und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Denn dies sind die Bedenken, die am meisten gegenüber älteren Angestellten geäussert werden. Aufgrund der demografischen Entwicklung in der Schweiz tun wir gut daran, altersgemischte Teams zu fördern und unser Personal weiterzubilden. Durch die kommenden geburtenschwachen Jahrgänge sind wir auf fähige und motivierte Kräfte Ü50 angewiesen.

2. Welche bei Arbeitnehmern?
Arbeitnehmer ab 45 Jahren benötigen erfahrungsgemäss mehr Zeit, um eine neue Stelle zu finden, als jüngere Berufsleute. Dementsprechend häufiger sind sie dann auch von einer Aussteuerung nach 18 Monaten Stellensuche betroffen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Die Profile passen nicht immer auf die Anforderungen der Unternehmen, vor allem in Branchen, die sich schnell entwickeln. Das sehen wir ganz exemplarisch bei der IT. Viele Berufsleute sind Quereinsteiger, mit Erfahrung «on the job», aber Lücken in der Aus– und Weiterbildung. Zieht man dann noch die höheren Lohn- und Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber in Betracht, so müssen die älteren Berufsleute nebst guten Qualifikationen mit Flexibilität und Leistungsbereitschaft punkten.

3. Entsteht der Fachkräftemangel aus Ihrer Sicht, weil man 45+ nicht beschäftigen oder weiterentwickeln will?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Es ist viel eher eine Frage von Angebot und Nachfrage. Auf dem Arbeitsmarkt sind flexible, gut ausgebildete Fachkräfte unabhängig ihres Alters gesucht. Bringen Bewerber die geforderten Qualifikationen mit, so bestehen auch über 45 gute Chancen. Aber die Suche gleicht häufig dem Finden der Stecknadel im Heuhaufen. Es braucht Geduld und vielleicht ein Coaching oder eine Weiterbildung, wenn kleinere Lücken zu schliessen sind. Und in gewissen Fällen macht eine Umschulung oder Neuorientierung dann auch Sinn.

 
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