Schweizer Informatik revolutioniert Rechtsmedizin

Schweizer Informatik revolutioniert Rechtsmedizin

4. Oktober 2015 - Von Marcel Gamma

Wer die TV-Serie «CSI» sieht, hat «Virtopsy» im Einsatz gesehen. Aber weiss kaum, dass die Pioniertechnologie aus der Schweiz stammt. Nun wird «Virtopsy» mit dem Swiss ICT Special Award 2015 ausgezeichnet.
Artikel erschienen in IT Magazine 2015/10
Untersuchung in Sekunden und in 3D: Virtopsy (Quelle: zVg)
Viele Erfolgsgeschichten der Informatik begannen in Garagen. Aber nicht diejenige von «Virtopsy» . Diese begann in einer halbvergessenen Baracke der Uni Bern, als Mitte der 1990er Jahre Rechtsmediziner und 3D-Spezialisten eine Idee hatten, die sich zur Revolution der Forensik entwickelte.
Sie wollten die Trennungen in der traditionellen Rechtsmedizin auflösen, bei welcher Kriminaltechniker den Tatort untersuchen und die Rechtsmediziner anschliessend Opfer autopsieren. «Virtopsy» («virtuelle Autopsie» ) kombiniert heute und weltweit erstmals beide Untersuchungen und dies in modernster 3D-Technologie: die Forensiker scannen den Tatort digital und die Rechtsmediziner das Opfer mit MRI und Computertomograf (CT), zusätzlich kommt ein Roboter zum Einsatz, der via Schnittstelle mit dem CT verbunden ist. So kann ein Mensch samt allen Auffälligkeiten als detaillierter 3D-Körper abgebildet werden.

Digitale 3D-Dokumentation für die Ewigkeit


«Virtopsy» kann in der Folge den Tatort, Täter und Opfer kombinieren und einen Tathergang in 3D-Bildern wiedergeben. Dies erleichtert es vor Gericht, bspw. die Aussagen von Tätern zu verifizieren oder zu widerlegen. «Die gute Dokumentation bildet das Fundament jeden Kriminalfalles» , erläutert Professor Dr. Michael Thali, Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts der Universität Zürich (IRM-UZH) und Leiter des Virtopsy-Teams.
Die Vorteile sind gut nachvollziehbar: Die digitalen Scans können personenunabhängig untersucht werden und man kann von Auge schwer erkennbare Verletzungen aufdecken. Und dies rasch: Eine Erstuntersuchung ist innert Sekunden möglich, während früher allein die Untersuchung eines Schädels 30 Minuten kostete.
Zudem kann die virtuelle Autopsie den Gebrauch eines Skalpells ersparen und – nicht zuletzt – können Taten und Verletzungen auch Jahre später in 3D analysiert werden.
 
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