Seitenblick: Das Salz in der Suppe

Seitenblick: Das Salz in der Suppe

10. Mai 2015 - Von Thomas Flatt
Artikel erschienen in IT Magazine 2015/05
Das Salz in der Suppe der diesjährigen Generalversammlung des swiss-ICT war mit Sicherheit der Besuch von Prof. Nils Jent, einem Mann, der uns allen durch seinen Auftritt Respekt und Bescheidenheit gelehrt hat.
Als 18jähriger nach einem Unfall im Koma und von den Ärzten bereits abgeschrieben, hat er nie aufgegeben und es trotz seiner starken körperlichen Behinderung, dem Verlust des Augenlichts und grossen Sprechschwierigkeiten zum Professor an der HSG gebracht.
Mindestens so beeindruckend wie sein Weg zurück waren seine Äusserungen über Gleichstellung und Diversity (Vielfalt). In einer Klarheit, wie es nur ein Betroffener darf, sprach er über Nutzen und Zweck von Diversity. Das Erfüllen politischer und regulatorischer Vorgaben im Bereich Gleichstellung verursache nur Kosten («Diversity 1.0») oder im besten Fall eine Umverteilung der ökonomischen Rente zwischen den Akteuren. Darauf war ich nicht vorbereitet, aber recht hat er.
Professor Jent forscht nun am Thema Diversity 3.0. Er will, dass die Vielfalt der Mitarbeiter mit unterschiedlicher Herkunft, Geschlecht, Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen in einem Unternehmen mehr Wert schafft, als die bisherige Organisation. Also keine Quoten als Selbstzweck, sondern Vielfalt als Quelle besserer Ergebnisse. Dass er seinen Vortrag, den er in Dialogform hielt, auch noch mit Humor und Witz versah – das war wirklich das Salz in der Suppe. Hut ab!
Bevor Professor Jent sprach, war natürlich die ordentliche GV. Die Highlights sind schnell zusammengefasst. Geri Storz wurde mit Akklamation als Vorstandsmitglied wiedergewählt und einig waren sich auch alle, dass die anstehenden Investitionen notwendig und sinnvoll sind.
Im Anschluss musste ich einmal mehr an die Bemerkung des Leiters unserer Rechtskommission, Robert Briner, denken, der vor einigen Jahren sagte: «Gute GV, einzig die nordkoreanischen Zustände bei uns machen mich nachdenklich.» Gemeint hat er damit, dass alle Anträge des Vorstandes ohne Gegenstimme gutgeheissen wurden.
 
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