Prof. Niklaus Wirth fordert Programmierunterricht an Gymnasien

Prof. Niklaus Wirth fordert Programmierunterricht an Gymnasien

2. April 2011 - Am zweiten Schweizer Tag für den Informatikunterricht wurde Informatikpionier Prof. Niklaus Wirth vom Ausbildungs- und Beratungszentrum (ABZ) der ETH Zürich für seine langjährigen Verdienste in der Informatikausbildung mit der Goldplatinmedaille ausgezeichnet. In seiner hier wiedergegebenen Rede fordert Wirth die Einführung des Programmierunterrichts an unseren Gymnasien.
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/04
Niklaus Wirth
In letzter Zeit sind die Medien voll mit Wehklagen über den Mangel an Fachkräften in der Informatik. Es fehlt der Wirtschaft an Informatikern und Informatikerinnen. Zur Genüge hören wir von den Arbeitslosenstatistiken. Die Informatikbranche treffen sie kaum. Gleichzeitig aber stellen wir eine Gleichgültigkeit unserer Bildungspolitiker gegenüber der Informatik fest. Sie kommt in den Lehrplänen praktisch nicht mehr vor.
Dies hat Tradition. Unsere Universitäten blieben bis 1980 weitgehend informatikfrei, jedenfalls deren Studienpläne. In Mittelschulen war der Einzug noch zögerlicher. Erst 1985 gelang es, da und dort eine Einführung unterzubringen (24-Stunden-Kurs). Dabei wurden grundlegende Kompetenzen dargelegt, so das Programmieren. Heute ist dieser Kern – zumindest im Kanton Zürich – wieder weitgehend verschwunden Erst seit dem Schuljahr 2008/2009 dürfen Schweizer Gymnasien das freiwillige Ergänzungsfach Informatik anbieten.
Anstelle der Grundlagen wird gelehrt, wie man mit spezifischen Programmen umgeht. Im Vordergrund stehen Word (Textverarbeitung), Excel (Tabellenkalkulation) und Powerpoint (Präsentation). Diese Programme sind sicher nützliche Werkzeuge für das praktische Leben. Aber ist es Informatik?

Was verstehen wir unter Informatik?

Damit gelangen wir zur Frage: Was verstehen wir unter Informatik? Jedermann scheint eine Antwort zu wissen. Aber es gibt verschiedene Sichten. Ich will Ihnen die meinige vorlegen. Informatik ist die Lehre der automatisierten Datenverarbeitung, Datenvermittlung und des automatisierten Rechnens. Es ist auch die Technik, Programme zu konstruieren, welche diese Vorgänge akkurat beschreiben.
Die erwähnten Anwendungen Word, Excel und Powerpoint sind solche Programmsysteme. Den Informatiker interessiert, wie sie aufgebaut sind (wie man solche konstruiert) und nicht nur, wie man mit ihnen umgeht. Kurse zum Erlernen der Handhabung dieser Systeme vergleiche ich mit den Kalligrafie- und Stenografiekursen von damals, aber nicht mit etablierten Fächern wie Mathematik oder Deutsch.
 
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