Test Center – Lenovo Thinkbook Plus Gen 3
Extrabreit mit Extrabildschirm

Extrabreit mit Extrabildschirm

Artikel erschienen in IT Magazine 2023/01

Der Zweitbildschirm

Extrabreit mit Extrabildschirm
Eine Akkulaufzeit von 4 Stunden 51 Minuten bei Video-Dauerbetrieb ist alles andere als berauschend. Beim Erstellen eines Screenshots wird übrigens der Zusatzscreen mit aufgenommen. (Quelle: Lenovo)
Ebenfalls auf der Rückseite des Rechners findet man einen Pen, der für die Verwendung mit dem zweiten Bildschirm des Thinkbook Plus Gen 3 gedacht ist. Diesen zweiten Bildschirm – er misst 8 Zoll und löst mit 800 x 1280 Pixeln auf – bekommt man zum ersten Mal unmittelbar nach dem Abschluss der Einrichtung des mitgelieferten Windows 11 Pro zu Gesicht. Dann nämlich wird man vom Second Screen willkommen geheissen, wobei das optisch ein wenig so wirkt, als hätte jemand einen Werbeflyer auf das Notebook geklebt – einfach darum, weil der zweite Screen neben der Tastatur so ungewohnt ist (und weil er qualitativ auch nicht an den Hauptscreen heranreicht, dazu aber später mehr).

Bedient werden kann der zweite Screen entweder mit der Maus, die wie bei einem externen Display in den Zusatzscreen gezogen werden kann, mit dem Finger oder eben dem mitgelieferten Stift – der übrigens nur auf dem Second Screen, nicht aber dem Touch-fähigen Hauptbildschirm funktioniert. Unten auf dem Second Screen finden sich sieben Menü­symbole mit verschiedenen Funktionen, die wir nachfolgend kurz auflisten:


- Apps: Über den Menüpunkt Apps werden auf dem Zweit-Display die am häufigsten verwendeten Anwendungen eingeblendet. Zudem kann man ganz einfach App-Gruppen erstellen, in die die aktuell geöffneten Anwendungen gelegt werden, um beim nächsten Mal einfacheren Zugriff zu erhalten. Ganz oben im Menü findet man zudem den Reiter alle Apps, über den sämtliche auf dem Rechner installierten Apps aufgelistet werden – ähnlich dem Startmenü von Windows.

- Notizen: Über den zweiten Menüpunkt lassen sich Notizen erstellen. Die App ist rudimentär – man kann aus fünf Stiftdicken sowie fünf Farben auswählen, es gibt einen Radiergummi und ­einen Papierkorb, mehr nicht. Via Einstellungen kann man noch die Farbe des Notizpapiers definieren und es gibt vier Vorlagen – leer, mit Linien, mit ­einem quadratischen Raster und mit Punkten. Zudem kann man definieren, ob man Memos auch bei aktiviertem Sperrbildschirm erstellen kann und ob die Notizen direkt in Onenote hochgeladen werden sollen.

- Spiegelung: Über die nächsten beiden Menüpunkte lässt sich zum ersten ein Teil des Hauptbildschirms auf den Second Screen spiegeln, wobei über das Aufziehen eines Rechtecks exakt definiert werden kann, welcher Teil des Hauptbildschirms auf dem Zweibildschirm dargestellt werden soll. Auf Wunsch kann so auch ein Ausschnitt des Hauptscreens recht stark herangezoomt werden. Danach ist es möglich, in dem gespiegelten Ausschnitt auf dem Second Screen den Eingabestift zu verwenden – praktisch etwa bei Grafik­anwendungen. Zum zweiten kann auch der Second Screen auf den Hauptscreen gespiegelt werden, wobei es möglich ist, diesen frei zu bewegen, anzupinnen oder transparent darzustellen.

- Ready for: Die Funktion Ready for wäre an sich äusserst spannend – wäre darum, weil sie aktuell nur mit Motorola-­Smartphones funktioniert, die in unserer Testredaktion leider fehlen. Würde man ein solches besitzen, könnte man über die Funktion Mobiler Desktop die Telefon-Apps auf dem Notebook verwenden, das Telefon als Webcam benutzen, Files mittels Copy&Paste hin und herschieben oder das Smartphone als Access Point nutzen, um mit dem Notebook unterwegs online zu gehen. Nun ist es leider so, dass der Anteil der Nutzer, die ein Motorola-­Smartphone besitzen, in der Schweiz überschaubar sein dürfte, und man wünschte sich, Lenovo würde hier die Geräteunterstützung ausbauen.

- Zahlenblock: Als letzter Second-­Screen-Menüpunkt kann man sich ­einen Zahlenblock sowie die Mediensteuerung einblenden lassen, wobei die Tasten hier angenehm gross sind, sodass sie problemlos mit den Fingern bedient werden können. Auf Knopfdruck lässt sich alternativ auch der Windows-Taschenrechner anzeigen, um so direkt auf dem Zweitdisplay zu rechnen – praktisch.

Nebst diesen spezifischen Anwendungsoptionen ist es aber auch ganz einfach möglich, eine Anwendung oder ein offenes Browserfenster in den Zweitbildschirm zu schieben, so wie man das bei einem herkömmlichen externen Display auch tun würde. So kann man auf dem flachen Second Screen beispielsweise ein Video anschauen – was zwar aufgrund des Hochformats suboptimal ist – und auf dem Hauptscreen arbeiten, oder aber man hat auf dem Zweitbildschirm eine zusätzliche Website oder ein Word-Dokument offen. Etwas schade ist, dass das matte Zweitdisplay wie erwähnt qualitativ nicht an den Hauptscreen heranreicht. Farben sind weniger kräftig, die Helligkeit ist geringer und vor allem der Blickwinkel lässt zu wünschen übrig, was umso schwerer ins Gewicht fällt, als dass man den Screen eher aus einem flachen Winkel betrachtet, weil er ja flach neben der Tastatur platziert ist. Durch die unterschiedliche Qualität wirken Haupt- und Second-Screen auch nicht wie eine Einheit, sondern der Zweitbildschirm wirkt eher wie ein Fremdkörper – eben wie der eingangs erwähnte aufgelegte Werbeflyer. Last but not least: Eine Möglichkeit, den zweiten Bildschirm bei Nichtverwendung auszuschalten, haben wir nicht gefunden. Eine solche Möglichkeit wäre allenfalls aber der Akkulebensdauer zugutegekommen, was wünschenswert gewesen wäre.



Durchschnittliche Performance, schwache Akkulaufzeit

Extrabreit mit Extrabildschirm
Es ist möglich, einen Teil des Hauptbildschirms auf den Second Screen zu holen und auf Wunsch auch heranzuzoomen, beispielsweise um ihn dort mittels Eingabestift zu bearbeiten. (Quelle: Lenovo)
Denn man muss davon ausgehen, dass das Dual-Screen-Setup mit ein Grund ist, dass das Thinkbook Plus Gen 3 bezüglich Akkulaufzeit nur beschränkt überzeugt, um es mal positiv auszudrücken. Obwohl Lenovo im Gerät einen Akku mit einer respektablen Kapazität von 70 Wh verbaut, schafft das Gerät beim Testlauf Modern Office von PCMark 10, mit dem der moderne Büroalltag inklusive gelegentlichen Videokonferenzen simuliert wird, eine Akkulaufzeit von gerade einmal 5 Stunden und 43 Minuten. Andere Notebooks, die wir in den letzten Monaten testeten, lieferten hier bis zu doppelt so lange Strom. Bei der Videodauerwiedergabe machte der Akku des Thinkbook Plus Gen 3 sogar schon nach 4 Stunden 51 Minuten schlapp, was unterdurchschnittlich ist. Bezüglich Ladeleistung schafft es das 100-Watt-Ladegerät, den Akku in einer Stunde zu 78 Prozent zu füllen, was zwar nicht beeindruckend, aber anständig ist.

Bezüglich Performance liefert das Thinkbook Plus Gen 3 Durchschnitt. In unserem Testrechner wurde ein Prozessor des Typs Core i7-12700H – Intels aktuellste CPU-Generation – verbaut, flankiert von 32 GB RAM. Zum Speichern stehen auf dem Testrechner 1 TB SSD (max. 2 TB) bereit, und für Inhalt auf dem Display sorgt Intels Iris-Xe-Grafikeinheit. Die fehlende dedizierte Grafikkarte macht denn auch klar, dass das Gerät im Gegensatz zu vielen anderen 17-Zöllern nicht unbedingt als Workstation ausgelegt ist und auch nur mässig Freude hat an aufwändigen Grafik-Renderings. Das spiegelt sich auch in den Benchmark-Tests wider, die wir mit PCMark 10 durchgeführt haben. Der Gesamtscore des Thinkbook Plus Gen 3 liegt hier bei 6141 Punkten, was ziemlich genau den Werten ­entspricht, die wir bei den beiden 16-Zoll-­Business-Geräten Huawei Matebook D 16 sowie Lenovo Yoga Slim 7 Pro gemessen haben, die wir im vergangenen Herbst testeten und die ebenfalls mit aktuellen CPUs bestückt waren. Betrachtet man die Werte im Detail, so zeigt sich, dass das Thinkbook Plus Gen 3 beim Essentials-­Score, wo unter anderem Anwendungsstarts, Videokonferenzen oder Web Browsing getestet werden, ansehnliche 12’070 Punkte schafft, beim Produktivitäts-Score, wo es um Tabellenkalkulations- und Textanwendungen geht, durchschnittliche 7589 Punkte und beim Digital-Content-­Creation-Score, wo die Themen Foto- und Videobearbeitung sowie Rendering abgearbeitet werden, eher etwas unterdurchschnittliche 6863 Punkte (siehe auch Vergleichstabelle in den Ausgaben für Abonnenten. Noch kein Abo? Hier bestellen.).

Nebst PCMark 10 haben wir als weiteren Benchmark Geekbench auf dem Thinkbook Plus Gen 3 laufen lassen. Bei diesen Tests zeigte sich die Performance der 12. Core-Generation von Intel – etwa beim Wert von 1751 Punkten beim Single Core Score, der rund 20 Prozent über den Werten von im letzten Jahr getesteten Notebooks mit Intels 11. Core-Generation liegt. Der Multi Core Score liegt sogar rund doppelt so hoch. Beim OpenCL Score, mit dem Geekbench die Performance der GPU bei gängigen Grafik-­Tasks (etwa Bildverarbeitung) testet, ist das Thinkbook Plus Gen 3 mit Iris-Xe-Grafik zwar ebenfalls etwas performanter als vergleichbare Hardware mit der letzten Intel-Generation. Gegen Notebooks mit dedizierter Grafikkarte wie das Lenovo Yoga Slim 7 Pro mit Nvidia Geforce RTX 3050 aber fällt Iris Xe deutlich ab (siehe Tabelle in den Ausgaben für Abonnenten. Noch kein Abo? Hier bestellen.)

Zum Thema Benchmark-Tests anzufügen ist, dass unsere Benchmarksoftware PCMark 10 bei den Akku-Tests zu Beginn regelmässig ihren Dienst verweigerte, was uns so lange vor Rätsel stellte, bis wir begannen, die vorinstallierte Crapware vom Rechner zu verbannen. Die Deinstallation von Mcafee Livesafe mit seinen nervigen Pop-ups, die daran erinnern, dass der Gratisvirenschutz bald abläuft, brachte schliesslich Abhilfe. Ein Beweis mehr, dass Crapware ein Unding ist, das bei unseren Tests zu Recht regelmässig Abzug gibt.

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