CIO-Interview: «IT ist stark verbunden mit der anfassbaren Technologie»

CIO-Interview: «IT ist stark verbunden mit der anfassbaren Technologie»

Artikel erschienen in IT Magazine 2022/05
Vorhin sagten Sie, dass Sie den Geschäftsbereich Smart Fridges und Micro Markets pushen möchten. Was bedeutet das für die IT?
Micro Markets sind eine komplett andere Art und Weise des Kundenerlebnisses. Es müssen verschiedene Prozesse im Vorfeld neu definiert werden und auch die Art und Weise, wie die Technologie diese Prozesse unterstützt, musste geändert werden. Ein Beispiel: Man muss sich als Kunde im Vorfeld autorisieren und identifizieren, etwas, das man vom normalen Einkaufserlebnis nicht kennt. Das hört sich relativ einfach an, aber im Hintergrund laufen da eine Vielzahl an Prozessen ab. Man muss sich erstmal registrieren, dann wird ein gewisser Betrag auf der Kreditkarte vorreserviert, was eine Verknüpfung mit den diversen Zahlungsdienstleistern je nach Einsatzort in Europa erfordert. Zudem erfordern die Smart Fridges und Micro Markets eine Vielzahl an technologischen Komponenten und die Technologie muss so professionell sein, dass sie ohne bemannte Station funktioniert. Das heisst, es sind überall Sensoren eingebaut, so dass man den Produktfluss während des Einkaufsprozesses nachvollziehen und die gewählten Produkte sehen kann.

Wie sieht es denn bezüglich Datensicherheit aus bei einem solchen Projekt?
Datensicherheit ist hier extrem wichtig und war schon lange bevor wir in die Pilotphase eingestiegen sind ein Thema. Dabei ging es um die gängigen Punkte wie GDPR (General Data Protection Regulation) Compliance. Sprich, weiss der Kunde wirklich zu jedem Zeitpunkt, welche Daten erfasst sind und ist wirklich alles abgebildet? Mit dem Pilotprojekt in Belgien, das nun gestartet ist, erfüllen wir die GDPR-Regeln. Als Kunde hat man jederzeit die Möglichkeit, einzusehen, welche Daten erfasst sind. Die App, die man installieren muss, um das Check-in zu machen, hat klare AGB und es sind Datenschutzrichtlinien definiert.

Sprechen wir noch über die Verantwortlichkeiten. Wie sieht die IT-Organisation von Selecta aus? Wo liegen Ihre Zuständigkeitsbereiche und wie sieht es in den einzelnen Ländern aus?
Wir haben uns anfangs überlegt, ob meine Funktion diejenige eines CIO oder eines CTO ist und haben uns dann bewusst für den CTO entschieden, einfach weil die Integration zwischen Applikationen, Systemlandschaft und Maschinen sehr eng verwoben ist. Wir investieren viel in den Bereich «intelligente Verkaufspunkte», die IT ist also sehr stark verbunden mit der «anfassbaren» Technologie. In den Vending Machines sind verschiedene IoT-Geräte integriert, die Daten erfassen und zum Beispiel nachverfolgen können, welches Payment-Terminal für die Bezahlung angesprochen wurde. In meiner Verantwortung liegen die «anfassbare» Technologie und die Schnittstellen in die Applikationen. Sprich der ganze Bereich Telemetrie, die Kernapplikationen in den Ländern, das CRM, Technologie und Verkaufspunkte, das Thema Data & Analytics – also das konzernweite Reporting – sowie die B2B-Digitalplattform. Diese wird aktuell ausgebaut, damit wir unseren B2B-Kunden ein besseres Verkaufserlebnis bieten können. So können sie künftig online ihre Rechnungen einsehen oder ihre Produkte wie etwa Kaffeebohnen bestellen. Das war in Vergangenheit je nach Land ein recht mühsamer, teilweise telefonischer Prozess.
Und wie ist die IT daneben aufgestellt?
Wir sind aufgeteilt in zwei Bereiche. Da sind zum einen die Group-Funktionen. Das sind die Mitarbeitenden, die auf Gruppenebene entweder Systemverantwortung haben oder in Projekten für mich tätig sind. Zum anderen gibt es die Länderfunktionen und dort sitzt dann ein Länder-IT-Chef, der die lokal geführte Organisation verantwortet, aber direkt an mich rapportiert, um sicherzustellen, dass wir einen global durchgehenden IT-Service haben. Wir hatten in Vergangenheit wirklich komplett dezentral geführte IT-Organisationen. Das kann man machen, ist aber nicht unbedingt gut. Und deswegen war eine der ersten Herausforderungen bei meinem Stellenantritt vor rund eineinhalb Jahren, ein globales IT-Service-Portfolio aufzubauen – ob Cloud-Services, Workplace-Management-Services oder Netzwerk-Services. Die ersten sechs Monate haben wir die Infrastruktur und das globale IT-Services-Portfolio aufgebaut. Und dann haben wir damit angefangen, ein CRM-System auszurollen. Wir haben 2021 in weniger als sechs Monaten alle 14 Kernländer auf ein neues CRM gehoben. Danach kam das Telemetrie-Projekt, spricht die übergreifende BI- und Analytics-Plattform.

Sie haben von einer dezentralisierten auf eine zentralisierte IT-Struktur umgestellt. Wie unabhängig sind die Länderverantwortlichen dabei in ihren Entscheidungen noch?
Wir verfolgen ein Glocal-Modell: Globale Services, die lokal implementiert und umgesetzt werden. Dabei beschäftigt uns in diesem Jahr die Standardisierung der ERP-Systeme, also die Einführung einer Konzern-ERP-Lösung. Aktuell haben wir hier eine extrem heterogene Landschaft, jedes Land hat sein eigenes ERP. Wir sind nun dabei, eine ERP-Lösung auf Basis von Microsoft D365 voranzutreiben. Dazu erarbeiten wir momentan, was die Anforderungen an ein zukünftiges ERP sind, wie die Systemunterstützung aussehen muss und welche Umfeldsysteme wie integriert werden müssen. In der IT ist es sehr wichtig, dass wir zentral Entscheidungen treffen, um sicher zu stellen, dass wir Applikationen konsolidieren und lokale Applikationen durch einen globalen Service ablösen.

Wie gross ist Ihr IT-Team dazu?
Intern haben wir etwa 65 Vollzeitstellen auf Gruppen-Ebene. Wir haben sehr viele Services ausgelagert, zum Beispiel das ganze Thema Cloud-Services ebenso wie den IT-Service-Desk. Zudem arbeiten wir mit spezialisierten Systemimplementierungspartner zusammen wie etwa IT-Logix oder Microsoft. Das ganze Thema Architekturdesign sowie Systemspezifikation haben wir intern, die Entwicklung sowie ein grosser Teil des Applikationsbetriebs haben wir ausgelagert.

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