Firmenübernahmen erfolgreich gestalten

Firmenübernahmen erfolgreich gestalten

4. Dezember 2021 - In der Übernahmephase von Unternehmen müssen dessen bisheriger und künftiger Inhaber ihre Rolle neu definieren. Sie müssen zudem gemeinsam viele Entscheidungen treffen, obwohl sie teils unterschiedliche Interessen haben. Konflikte sind absehbar, aber auch lösbar.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/12
In der Übergabephase von Unternehmen platzen oft viele Träume – sowohl beim bisherigen Unternehmensinhaber und -führer, als auch bei der Person, die den Betrieb sowie das Zepter von ihm übernimmt. Die Ursache hierfür ist immer seltener, dass der bisherige Inhaber sich zu spät mit dem Thema Nachfolgeregelung befasst hat. Denn in den letzten Jahren wuchs in Unternehmerkreisen die Erkenntnis: Dieser Schritt muss von langer Hand geplant sein – speziell dann, wenn der Nachfolger nicht der eigene Sohn oder die eigene Tochter ist, sondern von ausserhalb der Familie kommt und der Betrieb nicht «verschenkt», sondern zu einem angemessenen Preis verkauft werden soll.

Deshalb machen sich viele Unternehmer schon relativ früh Gedanken darüber, was im Betrieb passieren wird, wenn sie in absehbarer Zeit ausscheiden möchten und wer die Nachfolge antreten könnte. Dies gilt insbesondere für die Inhaber von Unternehmen, die stark auch von der Vertrauensbeziehung leben, die sie zu ­ihrer Stammklientel aufgebaut haben; das ist bei vielen Industriezulieferern und -dienstleistern der Fall. Denn sie können ihren Kunden nicht heute verkünden, dass diese morgen einen neuen zentralen Ansprechpartner haben. Der Nachfolger muss vielmehr in einem längeren Prozess zunächst mit dem Geschäft des Unternehmens und den Besonderheiten seiner ­Klientel vertraut gemacht sowie bei den Kunden eingeführt werden. Sonst ist die Gefahr gross, dass just das verloren geht, was weitgehend den Wert des Unternehmens ausmacht: die gewachsenen Beziehungen zu den Kunden.

Aus unterschiedlichen Perspek­tiven erwachsen Konflikte

Deshalb ist es bei besagten Unternehmen meist nötig, dass dessen bisheriger und künftiger Inhaber, nachdem die Unternehmensübergabe vertraglich geregelt wurde, noch eine längere Zeit zusammenarbeiten und das Unternehmen gemeinsam führen. Diese Übergabephase ist für alle Beteiligten keine leichte Zeit. Denn in ihr prallen meist nicht nur zwei Generationen, sondern auch zwei unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Der scheidende Inhaber denkt primär daran, wie der Übergabeprozess – also die nächsten zwei, drei Jahre – gestaltet werden; für den künftigen (alleinigen) Inhaber hingegen sind andere Fragen zentral, so etwa danach, wohin sich das Unternehmen mittel- und langfristig ent­wickeln soll und was nötig ist, damit das Unternehmen auch nach dem Ausscheiden des bisherigen Inhabers erfolgreich ist? Aus diesen unterschiedlichen Sichtweisen resultieren unterschiedliche Prioritätensetzungen im Arbeitsalltag, was nicht selten zu Konflikten führt.

Hinzu kommt: Alle Beteiligten müssen, wenn der Übergabeprozess eingeläutet wird, sich selbst und ihre Rolle neu definieren. Der bisherige Inhaber, der es gewohnt ist, allein zu entscheiden, muss zum Beispiel den neuen Mitinhaber und künftigen alleinigen Inhaber fortan in seine Entscheidungsprozesse integrieren und ihm sukzessiv die alleinige Entscheidungsbefugnis übertragen.
 
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